BELIZE 🇧🇿 

Reiseroute 2011

GUATEMALA 🇬🇹 – San Ignacio (Kleinstadt in der Nähe der Grenze zu Guatemala) – Caye Caulker (Karibikinsel im Belize Barrier Riff) – MEXIKO 🇲🇽 

Willkommen in der Twilight Zone!

belizewelcomeUnser guatemaltekischer Tourguide Juan hat uns vor dem Grenzübertritt nach Belize gewarnt: „Jetzt kommen wir in die Twilight Zone!“ Tatsächlich empfängt uns das ehemalige Piratennest mit dunklen Wolken: Während der Passkontrolle fängt es an, in Strömen zu gießen. „Das bringt Glück“, meint der Beamte tröstend. Naja, wir haben viel Glück: Obwohl angeblich gerade (Februar) Trockenzeit ist, hält der Regen drei Tage lang an und ist unerwartet kalt. Die Belizeans holen bei 20 Grad die Mützen raus und machen sich warme Gedanken (s.u.). Auch wir ziehen uns warm an: Die meisten Cafés und Restaurants sind halb offen.

Obwohl Belize nur rund 300.000 Einwohner hat, bilden diese ein selbst für zentralamerikanische Verhältnisse buntes Völkchen. Neben der Maya-Urbevölkerung, Nachfahren britischer Piraten und schwarzafrikanischer Sklaven („Criollos“) sowie spanisch sprechenden, indianisch-weißen Mischlingen („Mestizos“ bzw. „Ladinos“) gibt es Minderheiten, die man sonst nirgendwo in der Region sieht.

belizetwilight1Man kann z.B. dort überall hervorragend essen – chinesisch! In der sehr kleinen Stadt San Ignacio befinden sich direkt gegenüber von unserem Hotel drei asiatische Restaurants direkt nebeneinander. Das Hotel auf der Karibikinsel Caye Caulker heißt „China Town“ und hat ein Pagoden-ähnliches Dach. Des Rätsels Lösung: Aus der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong sind viele Chinesen in die ehemalige britische Kronkolonie British Honduras – das heutige Belize – eingewandert. Ebenso fallen blonde, blauäugige Menschen auf, die ein altertümliches Deutsch sprechen und wie aus einem anderen Jahrhundert gekleidet sind – Mennoniten (eine den Amish ähnliche Sekte), die sich „die Stillen im Lande“ nennen.

Belize ist das einzige Land in Lateinamerika, das als Landessprache Englisch hat. Allerdings hört man weniger das britische Schulenglisch, sondern mehr das karibische Kreolisch, das wie ein Reggaesong klingt. Als Ruhrgebietlerin entdecke ich eine interessante Gemeinsamkeit: „er“ wird wie „a“ gesprochen (und oft auch so geschrieben): „Anda De Wata Tours“, heißt ein Ausflugs-Anbieter, „Panty Rippa“ ein beliebter Cocktail.

Eine Kanadierin aus unserer Gruppe hat vor der Reise einen Tipp bekommen: „Packe Geld und einen Keuschheitsgürtel ein!“ Die Preise im Land sind nämlich ziemlich hoch – ebenso wie die AIDS-Rate. Besonders teuer ist Benzin: Belize hat kein eigenes Öl. Als wir in ein Taxi steigen, erbittet der Fahrer das Geld im voraus: „Ich muss tanken.“ Wer in Belize Bus fahren will, sollte außerdem Zeit und Geduld mitbringen. Wir wollen von San Ignacio nach Belize City an der Küste. Die Busse fahren jede Stunde. Heißt es. Nur wann genau, kann einem keiner sagen. Einen Plan gibt es nicht. Feste Haltestellen auch nicht. Die Leute steigen ein und aus, wann und wo sie wollen. Das dauert…

Seitenanfang

Cavetubing:
Im Autoreifen ab durch die Höhle

San Ignacio war einst die letzte Grenzstadt in einem der entlegendsten Winkel des British Empire, und einige seiner Gebäude haben noch einen verblichenen kolonialen Charme“, steht in meinem Reiseführer. In die Realität übersetzt heißt das: „Sie befinden sich hier am Arsch der Welt!“ Außer der alten Maya-Stätte Cahal Pech hat der Ort selbst nicht viel zu bieten.


Ironie des Schicksals: Ausgerechnet in San Ignacio bleiben wir wegen des Dauerregens einen Tag lang hängen. Unser Tourguide erklärt, dass die Wassertaxis, die zwischen Belize City und Caye Caulker verkehren, weder GPS noch Radar haben, und er deswegen die Überfahrt bei Nebel für zu gefährlich hält.

belizecavetubingAllerdings kann man von San Ignacio aus interessante Ausflüge zu Nationalparks oder Höhlen in der Umgebung machen. Ich entscheide mich für „Cavetubing“ im Caves Branch Archaeological Reserve. Dabei lässt man sich in einem Reifenschlauch einen Fluss heruntertreiben, der durch verschiedene Höhlen fließt. Zuvor muss man den Reifenschlauch natürlich flussaufwärts tragen. Der Weg führt durch Wald. Das üppige Grün glänzt, denn es gießt immer noch. Klitschnass und nur mit Schwimmzeug und -weste bekleidet, frieren wir fürchterlich. Wo ist bloß der nächste Glühweinstand? Unser lokaler Guide – ein Maya – versucht, uns spirituell aufzuwärmen: „Wasser ist Leben! Bleibt stehen und seht, wie es von den Blättern tropft. Hört, wie es prasselt. Ist das nicht wunderschön? Seid froh, dass wir heute keine 35 Grad haben! Dann jammern die Gruppen immer, dass sie das nicht aushalten.“ Tatsächlich: Es funktioniert – für ca. fünf Minuten. Auch bei unserem Guide scheint sich die Wirkung in Grenzen zu halten: Als wir zur Rückfahrt in den Kleinbus steigen, dreht er ganz schnell die Heizung auf…

Der Fluss hat kristallklares, türkisblaues Wasser, das wärmer als die Luft ist. Und die Höhlen sind bilderbuchmäßig: Bizarre Felsen mit Stalagmiten und Stalagtiten, winzige Fledermäuse, die kopfüber an der Decke hängen. Wir sehen kaum andere Menschen. Werktags kommen Massen an Kreuzfahrern aus Riesenschiffen zum „Cavetubing“. Doch es ist Samstag! Das verschafft uns ein einzigartiges Erlebnis. Mitten in einer großen Höhle sagt der Guide plötzlich: „Jetzt macht mal die Stirnlampen aus und seid ruhig.“ Es ist totenstill und stockfinster. Man spürt nur die sanfte Bewegung des Flusses. Ein kleines bisschen gruselig (sind die anderen noch da???), aber auch sehr, sehr friedlich.

Seitenanfang

Ein Besuch im Zoo

belizezooDen ungeplanten Tag in San Ignacio nutze ich für einen Besuch im Be­lize Zoo, der sehr schön ist – allerdings muss man von San Ignacio aus ziemlich weit fahren. So komme ich immerhin in den Genuss, Jaguare, Pumas und Tapire zu sehen. An den Gehegen stellen handgeschriebene Schilder die Tiere vor – in Reimen: „Hey! I don’t like getting stoned! Don’t throw stones at me! Let me lie here peacefully! Admire my form! My skin! And my size! I’m an american croc! A feast for your eyes.“ Bei den Raubkatzen erweist sich die Warnung „Keep all body parts behind wood barrier“ als wertvoll: Eine Pumapfote schießt plötzlich durch das Gitter und krallt sich in meinen über die Barriere ragenden Schirm, der nun Löcher hat.

 

Seitenanfang

Go Slow:
Insel der Entschleunigung

belizecayecaulker2bNach den Regentagen ist Caye Caulker das Paradies! „Go Slow“ lautet das Motto der Insel, die im größten Korallenriff der Nordhalbkugel liegt. Die Bewohner des einzigen Ortes sind zu Fuß, mit Fahrrädern oder Golfwägelchen auf den sandigen Straßen unterwegs, selbst die Polizei. Allzu groß ist die Kriminalitätsrate hier offenbar nicht. Beim Anblick des vorbeischnurrenden „Streifenwagens“ versuche ich mir vorzustellen, wie eine Verfolgungsjagd aussähe – sollte jemand z.B. auf die Idee kommen, die einzige Bank der Insel zu überfallen. Etwas Arbeit scheinen die Ordnungshüter allerdings doch zu haben: An der Wache hängt ein handgemaltes Hinweisschild „Drogen sind illegal im gesamten Land Belize“.

Die weit verbreitete jamaikanische Lebensart hat wohl einigen Touristen den Eindruck vermittelt, sie dürften hier Joints rauchen… Alkohol hingegen ist nicht illegal. Es gibt in dem 800-Seelen-Ort eine beeindruckende Dichte an Bars mit Namen wie „Lazy Lizard“, in denen die Cocktails Namen wie „Duck Fart“ (mit Bailey’s – sieht echt aus wie Ente von hinten) tragen. Als ich eines Morgens kurz vor zehn die Hauptstraße entlang schlendere, ruft mir ein Einheimischer nach: „Hey, warum hast Du kein Bier in der Hand?“

Seitenanfang

Unda Wata:
Haie und Rochen zum Knutschen

belizeundawataDas absolute Highlight meiner Yucatan-Reise ist ein Tagesauflug mit einem Segelboot namens „Ragga King“. Unser Ziel ist das Hol Chan Marine Reserve zwischen Caye Caulker und der benachbarten Insel Ambergris Caye. Dort schnorcheln wir in Korallengärten, sehen u.a. einen riesigen Papageienfisch, einen Zackenbarsch, eine grüne Meeresschildkröte und einen Muränen-Aal. Der beste Platz ist die Shark and Ray Alley. Kaum lässt sich ein Boot im flachen Wasser blicken, ist es von Ammenhaien und Amerikanischen Stechrochen umgeben.

Die Fische haben nämlich gelernt: Boot = Menschen. Menschen = Futter. Früher haben im jetzigen Naturschutzgebiet die Fischer in dieser Bucht immer ihre Abfälle entsorgt. Das hat sich unter Haien und Rochen herumgesprochen. Heute darf zwar nicht mehr gefischt werden. Den lokalen Guides ist es jedoch erlaubt, an dieser Stelle die Tiere zu füttern – mit der Hand! Die z.T. recht großen Fische haben überhaupt keine Scheu vor den Schnorchlern und lassen sich sogar anfassen. Stechrochen fühlen sich ganz glatt an und haben eine Noppen-Reihe auf dem Rücken. Ammenhaie sind rau wie Sandpapier. Einen greift der Guide sanft an der Flosse und dreht ihn auf den Rücken. Er hält ganz still und scheint die Streicheleinheiten angenehm zu finden.

 

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

GUATEMALA 🇬🇹 

Reiseroute 2011

Antigua (ehemalige Hauptstadt, Weltkulturerbe) – Quiriguá (alte Maya-Stätte, Weltkulturerbe) – Flores (Kleinstadt auf einer Insel im Lago de Petén Itzá) – El Remate (Dorf am Ost­ufer des Sees) – Tikal (alte Maya-Stätte, Weltkulturerbe) – BELIZE 🇧🇿  – MEXIKO 🇲🇽 

Guatemala Shitty

Februar 2011: Der Jet fliegt über eine grüne Gebirgslandschaft und landet in der Hauptstadt, Guatemala City. „Ein hässlicher Moloch: laut und chaotisch“ – so beschreibt der Reiseführer die Metropole. Fünf Millionen Einwohner drängen sich hier auf engem Raum, z.T. klammern sich die Häuser an steile Berghänge. Zudem ist die Kriminalitätsrate überduchschnittlich hoch. Also fahre ich mit dem Taxi vom Flughafen gleich weiter ins nahe Antigua .

Eine gute Entscheidung, bestätigt unser einheimischer Tourguide später. Juan nennt die Stadt, in der er geboren wurde, „Guatemala Shitty“ und lebt selbst lieber im Örtchen El Remate. Die Probleme des Landes treten in Guatemala City eben besonders deutlich hervor.

Die USA hätten seine Heimat immer als ihren „Hinterhof“ betrachtet, erklärt Juan und bringt die jüngere guatemaltekische Geschichte mit einem Satz auf den Punkt: „The CIA fucked up our country.“ Mit deren Hilfe wurde nämlich 1954 der demokratisch gewählte Präsident gestürzt und eine Militärdiktatur errichtet. Folge war ein 36-jähriger Bürgerkrieg (1960 bis 1996), in dem rund 200.000 Menschen getötet wurden – überwiegend von Regierungstruppen und paramilitärischen Todesschwadronen.

Hat sich nach Ende des Bürgerkriegs die Situation – vor allem für die Maya-Urbevölkerung – verbessert? Ist z.B. nach freien Wahlen der Landbesitz jetzt gerechter verteilt? „Nein“, meint Juan. „Der einzige Unterschied ist, dass die Gewalt- und Bandenkriminalität zugenommen ist.“

Seitenanfang

Zurück in die Vergangenheit

Die ehemalige Hauptstadt Antigua ist das Kontrastprogramm zur aktuellen. Ironischerweise hat ausgerechnet eine Naturkatastrophe dafür gesorgt, der Ort seinen barocken Charme behalten hat: 1773 wurde Antigua fast komplett durch ein Erdbeben zerstört. Die Hauptstadt wurde nach Guatemala City verlegt. Jüngere Bausünden wurden dort begangen, während das wiederaufgebaute Antigua sein Stadtbild komplett erhalten hat. Die Orientierung ist einfach: Die Straßen bilden ein Schachbrettmuster und sind durchnummeriert. Genau in der Mitte ist der Parque Central.

Schon 1979 erklärte die UNESCO Antigua zum Weltkulturerbe. Dementsprechend gelten strenge Denkmalschutzbestimmungen. Große Werbetafeln sind verboten, nur diskrete Messingschildchen an den Häusern verweisen auf Hotels oder Geschäfte. Selbst die örtliche MacDonalds-Filiale muss sich damit begnügen. Jährlich verklagt die Kette die Stadtväter, um endlich die typischen, großen gelben Bögen anbringen zu dürfen – vergebens.

Für jemanden, der gerade aus dem tiefsten europäischen Winter kommt, ist Antigua ein Fest für die Augen: Auf 1520 Meter Höhe herrscht ewiger Frühling, überall blühen Blumen – in den vielen kleinen Parks ebenso wie in den Innenhöfen der alten Häuser. Von der Straße aus ahnt man nicht, welche Paradiese sich hinter den strengen Fassaden verbergen: So bietet z.B. das Hotel „Casa del Parque“ einen Garten mit Pool, den man gegen Gebühr benutzen darf.

Die Dusche in unserem Hotel „Los Bucaros“ kommt mir irgendwie spanisch vor. Es gibt zwei Wasserhähne – „c“ und „h“. Klar, denke ich: „cold“ und „hot“, drehe „h“ auf und stehe im eiskalten Regen. Hmm. Vielleicht soll „c“ ja „caliente“ bedeuten? Tatsächlich! Warum allerdings auf dem Kaltwasserhahn „h“ steht und nicht „f“ für „frío“, bleibt im Dunkeln. Ist wohl ein Witz, mit dem die in Guatemala nicht allzu beliebten Gringos (US-Amerikaner) verulkt werden sollen…

 

Seitenanfang

Vulkane – echt heiß!

Von Antigua aus mache ich einen Ausflug zum Pacaya. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane der Welt und ist für seine spektakuläre Feuershow bekannt. Bis zum Mai 2010 konnte man glühende Lava aus der Nähe bewundern. Dann gabs einen heftigen Ausbruch. Der Guide aus dem nahe gelegenen Dorf erinnert sich: „Das Ganze dauerte 45 Minuten. Mit meiner Familie saß ich zu Hause unter dem Tisch und hörte die Lavabrocken auf das Wellblechdach prasseln.“ Seitdem liegt der Berg auf der faulen Vulkanhaut und raucht nur noch ein bisschen. Er muss erst wieder Kraft für den nächsten Ausbruch sammeln. Heiß ist die inzwischen an der Oberfläche erstarrte Lava aber immer noch: In einer Spalte lassen sich blitzschnell Marshmallows grillen. Von oben sieht man Guatemala City unter einer Smog-Glocke – und die Gipfel der drei Vulkane, zu deren Füßen Antigua liegt. Fuego, der Linke, ist ebenfalls noch aktiv und nach Angaben des Guides „mal wieder fällig“.

Vom Dorf führt ein schmaler Weg durch den Wald hinauf bis in das Lavafeld unterhalb des Kraters. „Taxi?“, bieten die Einheimischen vor dem Aufstieg an. Das hat ein PS, fährt mit Gras und gibt die Emissionen in Form von Pferdeäpfeln ab. Ich lehne dankend ab. Trotzdem begleiten die Männer aus dem Dorf die Gruppe mit ihren Vierbeinern. Es ist steil. „Taxi?“ Unser Guide legt ein ziemliches Tempo vor. „Taxi?“ Es ist mein zweiter Urlaubstag und ich merke die Zeit- und Klimaumstellung. „Taxi?“ Keuch. „Taxi?“ Ok, Ihr habt gewonnen: „Taxi!“

 

Seitenanfang

Kaffee –
das interessiert mich die Bohne!

In Antigua gibt es eine Kaffeeplantage, die man besichtigen kann. „Guatemala hat den besten Kaffee der Welt. Und Antigua hat den besten Kaffee von Guatemala“, erklärt der Guide stolz. Der vulkanische Boden und die Hochlage sind ideal für die Pflanzen, die im Schatten größerer Bäume langsam wachsen dürfen. Gepflückt wird hier noch per Hand (nur die Beeren, die schon rot sind). Als Souvenir bringe ich ein Päckchen Kaffee mit. Echt lecker!

Heute habe ich was gelernt. Hier drei besonders interessante Fakten:
– Der Kaffee wurden in Syrien von einem Hirten entdeckt. Dem fiel auf, dass seine Ziegen besonders fit waren, wenn sie die Beeren von einem bestimmten Strauch gefressen hatten.
– Je stärker Kaffee geröstet wird, desto weniger Koffein enthält er. Obwohl Espresso „kaffeemäßiger“ als Kaffee schmeckt, ist er also gar nicht so ein Muntermacher.
– Für Deutschland hatte die Kaffee-Einfuhr ernüchternde Folgen: Vorher wurde Biersuppe zum Frühstück konsumiert.

Seitenanfang

Paradies für Wasserratten

Neben der Pazifik- und einem sehr kurzen Stück Karibikküste hat Guatemala eine Reihe herrlicher Süßwasserseen zu bieten. Der berühmteste ist wohl der Lago de Atitlán, der leider nicht auf der Reiseroute liegt (ich habe nur 14 Tage für drei Länder). Auf der Fahrt von Antigua im Süden in den Petén im Norden des Landes werfen wir einen kurzen Blick auf die Urlaubsregion Río Dulce. Wunderschön – hier hätte man sich auch länger aufhalten können!

Dafür bleiben wir zwei Tage in Flores, das auf einer Insel im Lago de Petén Itzá liegt. Die Kleinstadt ist hübsch genug, um idyllisch zu sein und schäbig genug, um authentisch zu wirken. Man kann alles wunderbar zu Fuß erkunden (in weniger als einer Stunde ist die Insel umrundet) und dort lecker essen. Juan empfiehlt uns einen schrägen Mix aus Restaurant, Kneipe und Bibliothek (so was haben wir auch in Antigua gesehen). Zur Einrichtung gehört auch ein Dackel – im Englischen „sausage dog“ genannt, was dem Gericht „hot dog“ eine völlig neue Bedeutung verleiht…

Dann erlebt die Gruppe wieder den Vorteil, einen einheimischen Tourguide zu haben. Juan schlägt einen Tagesausflug nach El Remate am Ostufer des Sees vor und verspricht: „Das werdet Ihr nicht bereuen!“ Stimmt, der Ort ist ein von Touristen noch nicht überlaufenes Paradies. Die Häuser verschwinden fast völlig im üppigen Grün. Auf schattigen Terrassen kann man frischgefangenen Fisch essen. Und das glasklare, warme Wasser lädt zum Schwimmen ein.

 

Seitenanfang

Die Maya

Ich besichtige in Guatemala zwei der berühmtesten Stätten der alten Maya-Welt: Quiriguá und Tikal. Sehenswert ist jeweils auch die Umgebung der Ruinen: Sie liegen in dichten Regenwäldern, in denen sich Affen und Papageien tummeln. Juan zeigt uns in Tikal einen sogenannten „Touristenbaum“: Seine Rinde ist rot und pellt sich. Wenn allerdings die Sonne draufbrennt, wird sie weiß.

Wer hat die Größte? Einst stellte der Fürst Stürmischer-Himmel in der Stadt Quiriguá Stelen auf. Seine Nachfolger machten es ihm nach. So ragen noch heute auf einer großen Wiese zig Säulen mit Götter- und Tiermotiven in den Himmel. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Psychologen würden es wohl „phallisch“ nennen…

Tikal ist vor allem für ihre Tempel und Pyramiden bekannt. Da die Großstadt (Schätzungen zufolge lebten dort bis zu 200.000 Menschen) bereits um 900 von den Bewohnern verlassen wurde (warum ist nicht genau geklärt), ist der größte Teil völlig zugewuchert. Die Ausgrabungen der Ruinen sind nämlich nicht so einfach wie man denkt. Bäume fällen, Erde runterkratzen – von wegen! Alles ist voller Wurzeln, die man erst langsam verrotten lassen muss. Dann wird vorsichtig gebuddelt, wobei jeder Stein numeriert wird. Anschließend werden die Bauten wieder zusammengesetzt. Extrem teuer – deshalb sind die meisten archäologischen Schätze hier noch nicht gehoben. Zudem stehen inzwischen die Bäume, die auf den Ruinen wachsen, unter Naturschutz.

Die meisten der ausgegrabenen Tempel (z.B. der, der im ersten „Star Wars“-Film als Rebellenbasis zu sehen ist) dürfen bestiegen werden. Die steilen Steinstufen sind sehr beeindruckend, Vor allem, wenn man bedenkt, dass alles ohne Hilfe des Rades gebaut wurde. Das kannten die Maya zwar. Sie konnten aber nichts damit anfangen, weil sie keine Lasttiere hatten. Die letzten Pferde in der Gegend waren nämlich längst ausgestorben. Und das größte vorhandene Tier – der Jaguar – ließ sich schlecht irgendwo vorspannen. So konnten auch Reisen nur zu Fuß unternommen werden.

Tikal ist für Juan, der Archäologie studiert hat, ein besonderes Highlight der Reise. Er versorgt uns nicht nur mit Informationen zum Thema, sondern erzählt auch schräge Sachen: Wenn man klatscht, werfen die Pyramiden ein seltsames Echo zurück, das wie der Ruf eines Quetzals klingt. Eigentlich kommt der heilige Vogel der Maya im Flachland gar nicht vor. Man vermutet, dass die Herrscher ihn auf diese Weise vorgetäuscht haben, um ihre Untertanen zu beeindrucken.

Natürlich taucht bei uns die Frage auf, ob denn nun am 21.12.2012 Weltuntergang ist. Das weiß auch Maya-Experte Juan nicht. Wir rechnen mit einem Zehner-System, weil wir die Finger zum Abzählen genommen haben. Die Maya haben die Zehen miteinbezogen und ein 20er-System entwickelt. Das spiegelt sich in ihrem Kalender wieder, demzufolge am magischen Datum ein großer Zyklus zu Ende geht. Ob dies allerdings der Letzte ist, oder anschließend wieder der Nächste beginnt? Sicher ist nur: Es werden sich am 21.12.2012 sehr viele seltsame Typen in Tikal aufhalten!

 

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

EUROPÄISCHE LÄNDER

Besuche bei den Nachbarn

Bevor ich mit 27 Jahren das erste Mal den europäischen Kontinent verlassen habe, war ich in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs:

🇨🇭 Meine erste Auslandsreise war gleichzeitig mein erster Skiurlaub. Im Alter von drei Jahren fuhr ich 1969 mit meinen Eltern nach Bettmeralp in der Schweiz. Später habe ich dort noch zwei weitere Skiurlaube in Arosa (1983 mit einer Jugendgruppe) und Andermatt (1987 mit einer Studentengruppe) verbracht.

 

🇮🇹 Mein erster Badeurlaub führte die Familie nach Italien: 1971 waren wir in Bibione an der Adria. Meine Eltern behaupteten später, ich hätte genölt, der Sand sei mir „zu sandig“. Aber in meiner Erinnerung war es sehr schön. 1972 standen gleich zweimal die Südtiroler Dolomiten auf dem Programm – Ostern Skifahren auf der Plose, im Sommer Wandern in St. Ulrich. 1979 gabs in Limone am Gardasee eine gelungene Kombination aus Wasser und Bergen. Ich habe das erste Mal in der Natur Zi­tro­nen gesehen und fühlte mich fast wie in den Tropen. Dort ist mir auch erstmals aufgefallen, dass Jungs gar nicht so langweilig sind (und auch nicht alle Socken in Sandalen tragen). Ein Jahr später in Lido di Jesolo an der Adria hatte ich zum Flirten mit den Papagalli eine Schulfreundin als Verstärkung dabei. Bei einem Tagesausflug nach Venedig durften wir alleine durch die Stadt streifen und fühlten uns schon sehr erwachsen. Wie üblich fuhren meine Eltern und ich mit dem Zug. Auf dem Rückweg hatten wir einen längeren Aufenthalt in Verona. Mein Vater nutzte die Gelegenheit und zeigte erst mir, dann meiner Mutter die berühmte Arena. Währenddessen bewachte ich am Bahnhof die beachtliche Menge Gepäck (inklusive Schlauchboot und Paddel). Plötzlich näherten sich zwei Polizisten in beeindruckenden Uniformen (ich war ja an Ordnungshüter in förstergrün gewöhnt) und redeten auf mich ein. Ich habe nur Bahnhof und das Wort „passaporto“ verstanden. Die wollten wohl meinen Ausweis sehen, der in der Brieftasche meines Vaters steckte. In fließendem Latein stammelte ich: „Passaporto – parentes. Parentes – arena“. Glücklicherweise ließen sich mich daraufhin in Ruhe. Erst später habe ich erfahren, warum die Sicherheitskräfte so nervös waren: Kurz zuvor war auf dem Bahnhof im nahen Bologna eine Bombe explodiert.

 

🇪🇸 Mein erster Schnorchelausflug fand 1975 in Spanien statt. Mit meinen Eltern war ich in Lloret de Mar. Im Gegensatz zu ihnen fand ich es als Neunjährige toll dort. Ich habe die neuen Ausblicke in die Unterwasserwelt genossen, im Hotelpool getobt und bin abends müde ins Bett gefallen. Das im Meer treibende Klopapier, den Dreck im Becken und den Krach von der benachbarten Disco habe ich gar nicht bemerkt. Auch vor den Speisesaal kotzende Betrunkene haben mich damals wenig gestört. Solange die Musikbox in der coolen Strandbar ständig die Titelmelodie von „Pipi Langstrumpf“ und „La paloma blanca“  spielte, war meine Urlaubswelt in Ordnung. Wohlweislich bin ich später nie ins Kindheitsparadies zurückgekehrt…

 

🇭🇷 Meinen ersten Cocktail habe ich 1981 in Kroatien auf der Insel Rab getrunken. Es gab zwei Sorten: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Der eine war unten orange und verlief nach oben ins tiefe Rot, beim anderen war es umgekehrt. Überhaupt war die Verpflegung sehr gut. Das könnte daran gelegen haben, dass im selben Hotel auch Funktionäre des Tito-Regimes Ferien machten. Gäste der benachbarten Bungalowanlage erzählten, dass im damaligen Jugoslawien die Supermarktregale weniger üppig gefüllt waren. Die Unterkunft lag auf einer wunderschönen, bewaldeten Halbinsel mit Felsküste. Im glasklaren Wasser bin ich wieder geschnorchelt. Außerdem habe ich meine Begeisterung für Wüsten entdeckt. Die Rückseite der Insel, an der die Fähre vom Festland anlegt, sieht nämlich wie eine Mondlandschaft aus und hat mich schwer beeindruckt. 2013 habe ich bei einem Segeltörn die Küste weiter südlich erkundet.

 

🇧🇪 Meine erste (und einzige) Klassenfahrt ins Ausland war nicht allzu weit: 1982 nach Belgien. Auf dem Programm standen die Städte Gent, Antwerpen, Brügge, Brüssel sowie ein Abstecher ins französische Calais. Alles ausgesprochen hübsch, aber für eine reiselustige Pubertierende nicht übermäßig spektakulär.

 

🇳🇱 Meine erste Reise mit dem eigenen Auto habe ich 1985 in die Niederlande gemacht, wo Bekannte in Elburg ein Ferienhaus hatten. Der Wagen war ein 14 Jahre alter VW Käfer und hatte Charakter. Leider nicht immer einen guten. Beim ersten TÜV-Besuch meines Lebens piekte der Prüfer mit einem Kugelschreiber in den rostigen Türholm und bemäkelte dann noch die Bremsen (durchgefallen). Mal fiel auf Katzenkopfpflaster der einzige Seitenspiegel ab, mal lockerte sich im Gewitterguss die Schraube, die den Scheibenwischer auf der Fahrerseite hielt. Die Heizung lief immer, was man jedoch nur im Hochsommer fühlte. Dafür sprang „Oscar“ (ich hatte ihn nach meiner Lieblingsfigur in der „Sesamstraße“ getauft) selbst im kältesten Winter an. Allerdings war ich die Einzige, die ihre Scheiben von innen kratzte. Dort befand sich eine fingerdicke Eisschicht, denn der Innenraum war etwas feucht. Bei Regen gabs durch die Löcher im Boden regelmäßig Wassereinbrüche auf der Beifahrerseite. Gefahr, die in Holland auf Autobahnen beschränkte Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten, bestand nicht: Der 33-PS-Motor machte zwar mehr Krach als jeder Sportflitzer, schaffte aber gerade mal hundert Stundenkilometer (bergab mit Rückenwind), sodass ich ständig von Lastwagen überholt wurde. Kaum hatte ich die Grenze passiert, fing das Auto an zu „hubbeln“. Liegt wohl an den hiesigen Straßen. Dachte ich, bis ich den Plattfuß bemerkte. Danach war „Oscar“ brav und hat klaglos Ausflüge ins Aquarium von Harderwijk und ins von Grachten durchzogene Örtchen Giethoorn gemacht. Später habe ich beim Besuch eines Freundes, der kurz in den Niederlanden arbeitete, Amsterdam und Rotterdam besichtigt.

 

🇩🇰 Der erste Segeltörn ging 1988 nach Dänemark: rund um Fünen mit Abstechern zu den kleineren Inseln Alsen, Aerö und Langeland. Auch wenn das beliebte Revier „dänische Südsee“ heißt – tropische Nächte, Palmen und farbenfrohe Fische sucht man hier vergebens. Dafür gibts bunt gestrichene Häuschen, die wie Puppenstuben aussehen. Unser gechartertes Schiff hieß „Freya“ und war 11,40 Meter lang. An Bord wurde Seglerisch gesprochen und ich notierte in meinem Reisetagebuch: „Ich lerne, dass Palstek nicht etwa ein Verwandter des Rumpsteak, sondern ein Knoten ist. Schoten sind keine Hülsenfrüchte oder Träger karierter Röcke, sondern die Seile, mit denen die Segel bedient werden. Fieren hat nichts mit dem Grand mit Vieren zu tun – es heißt Leinen nachlassen.“


Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

DEUTSCHLAND 🇩🇪 

Tief im Westen,
wo die Sonne (nicht mehr) verstaubt

Oft fragen mich Mitreisende aus anderen Ländern, was denn in Deutschland sehenswert sei. Ganz unvoreingenommen empfehle ich dann meine Heimat, das Ruhrgebiet. Zwar ist meine Geburtstadt Essen wie die Nachbarn im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den 50er- und 60er-Jahren ziemlich gesichtslos wiederaufgebaut worden. Dafür haben wir etwas, was es so sonst nirgendwo auf der Welt gibt: Industriekultur!

Die ehemalige Zeche und Kokerei Zollverein ist Weltkulturerbe. Im Winter kann man auf einer Eisbahn vor der Batterie der Hochöfen Schlittschuh laufen. Überall in der ehemals flachen Landschaft lassen sich begrünte Halden ersteigen. Oft steht oben als Aussichtsturm eine begehbare Skulptur wie der „Tetraeder“ auf der Halde Beckstraße in Bottrop oder „Tiger and Turtle“ auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg. Am Hang der Halde Prosperstraße in Bottrop gibts eine Skihalle, auf der Bottroper Halde Haniel ein Freiluft-Theater und auf der Essener Schurenbachhalde einen Froschteich. Sehr schön ist auch der Gelsenkirchener Nordsternpark auf dem Gelände der gleichnamigen Zeche. Viel ist im Rahmen des Projektes „RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas“ neu entstanden, u.a. der Berne Park in einer Bottroper Kläranlage oder die Brücke „Slinky Springs to Fame“ in Oberhausen, die sich spiralförmig über den Rhein-Herne-Kanal zieht. Auf engstem Raum besitzt das Ruhrgebiet viele Theater für Kulturfreunde und viele Zoos für Naturfreunde. Besonders beeindruckend ist die „ZOOM Erlebniswelt“ in Gelsenkirchen mit ihren riesigen Gehegen, die den natürlichen Lebensräumen der Tiere nachempfunden sind.

„Woanders ist auch scheiße“ – der Bochumer Frank Goosen bringt es auf den Punkt. Selbst Landsleuten muss man es manchmal erklären: Das Ruhrgebiet ist nicht völlig zubetoniert. Wir haben sogar richtige Bäume!!! Glasklares Wasser, Sandstrand – die Duisburger Sechs-Seen-Platte hat an schönen Sommertagen Super-Badequalität und ist mit dem umgebendem Wald und den vielen Wasservögeln eine richtige Naturoase. Am Wochenende mache ich dort regelmäßig auf meinem Schiff „Rasender Hase“ Kurzurlaub. Während im Norden der Region ehemalige Industrieflächen (s.o.) zum Wandern einladen, lockt im Süden eine hügelige Landschaft – z.B. rund um den Essener Baldeneysee und in der Elfringhauser Schweiz bei Hattingen.

 

Seitenanfang

Von unten nach oben

So hat Marc-Uwe Kling Deutschland einmal auf den Punkt gebracht. Als Kind habe ich mit meinen Eltern meist entweder das eine (Zugspitze; Foto l.) oder das andere Ende (Sylt; Foto r.) besucht. Nach dem Mauerfall bin ich auch in den Osten vorgedrungen, habe lange Wochenenden an der Müritz und auf dem Darß verbracht. Gute Feunde wohnen inzwischen im Schwarzwald. Ich selbst arbeite seit vielen Jahren in Hamburg. Obwohl ich mitten in der Stadt wohne, habe ich „Wildtiere“ auf dem Balkon – Eichhörnchen!

All das ist durchaus eine Reise wert. Und da das Land relativ (verglichen z.B. mit Australien oder den USA) klein ist, gut zu erreichen. Zum Thema Transport lege ich Unkundigen zwei Dinge ans Herz: 1. Ja, es stimmt! Wenn an einer Autobahn keine Begrenzungsschilder stehen, gibt es kein Tempolimit. Wer also meint, 80 Meilen pro Stunde seien schnell, sollte sich besser keinen Mietwagen nehmen (oder starke Nerven haben). 2. Nein, es stimmt nicht! Die Deutsche Bahn wird dem guten Ruf deutscher Technologie absolut nicht gerecht. Das Einzige, was hier weltspitze ist, sind die Fahrpreise! Service? Pünktlichkeit? Moderne Wagen? Handyempfang? W-LAN? Liebe Peruaner, liebe Thailänder, vergesst es! Ihr seid nicht zuhause. Bei Euch mag Zugverkehr trotz Hitze, Kälte, Nässe oder Trockenheit funktionieren. Bei der Deutschen Bahn nicht. Nicht mal die Entschuldigungen für die ständigen Verspätungen sind übermäßig originell. Vielleicht sollte das Unternehmen wenigstens da mal nachbessern. Meine Vorschläge: „Der Hund hat den Fahrplan gefressen“ oder „Ein Eichhörnchen hat auf die Schienen gekotzt“.

Mit Schweinshaxe und „Kraut“ kann man mich jagen. Ebenso mit Erbsen und Möhren, Königberger Klopsen oder Hühnerfrikassee. Nicht mal Bier mag ich besonders (es sei denn, es schmeckt wie Guinness oder Alt nicht „bierig“). Trotzdem komme ich essensmäßig gut klar. Das liegt daran, dass italienische, griechische und chinesische Restaurants sowie türkische Imbisse inzwischen flächendeckend vorhanden sind. Und dass selbst traditionelle Restaurants mit Namen wie „Zum Hirschen“ in der Regel auch Pasta auf der Karte haben. In den Städten gibts noch mehr Abwechslung: Eines meiner Lieblingslokale in Hamburg ist tibetisch, in Essen arabisch.

Was ich allerdings im allzu dicht besiedelten Deutschland oft schmerzlich vermisse, sind weite Landschaften und wilde Natur. Und natürlich tropisches oder wenigstens mediterranes Klima. Feuchte Kälte hat mir schon manchen „Sommerurlaub“ verhagelt.

 

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

GROSSBRITANNIEN 🇬🇧

1991/1992: ENGLAND
2019: SCHOTTLAND

Teetrinkende Gentlemen

Manche Klischees stimmen tatsächlich. Und das ist auch gut so! Unmittelbar nach meiner Ankunft bestätigen sich gleich zwei Vorurteile:
1.) Englische Männer sind Gentlemen: Mein Hartschalenkoffer wiegt an die 30 Kilo. Immerhin bringt mich eine U-Bahnlinie direkt zu meiner Wohnung. Nur: Die Rolltreppe wird gerade renoviert und die Treppe ist seeeehr lang. Wortlos nimmt mir ein Mann im Anzug den Koffer aus der Hand – und trägt ihn die Stufen hinauf. (Nein, er sieht nicht wie ein Dieb aus und könnte mit dem schweren Teil ohnehin nicht wegrennen.) Auf dem Rückflug passiert dasselbe. Diesmal ist es ein Teenager, der Hand anlegt. Und als meine Mutter mich einmal besucht – dito!
2.) Engländer trinken Tee (mit Milch): Der Hausmeister gibt mir den Wohnungsschlüssel und bietet mir gleich eine Tasse Tee an. Ein absolutes Erlebnis ist der High Tea in einem Hotel im Zuckerbäckerstil (mit Garderobe, Silbergeschirr, Live-Musik am Flügel und Blick auf den Hyde Park).

Seitenanfang

London Calling

Während meiner Ausbildung an der Journalistenschule Axel Springer bin ich zwei Monate im Auslands-Korrespondentenbüro in London eingesetzt, das standesgemäß in der Fleet Street liegt. Auf dem Weg zur Arbeit kann ich die City erkunden, an den Wochenenden komme ich auch in die Vororte. In Hampstead bestätigt sich ein weiteres Klischee: Ich besichtige im fahlen Licht der Wintersonne den uralten Friedhof einer uralten Kirche. Aus dem benachbarten Park, der Hampstead Heath, kriecht Nebel über die verwitterten Gräber. Wenn sich jetzt eines öffnete und eine knochige Hand nach mir griffe – es würde mich nicht wundern… Weitere Ausflüge führen mich nach Windsor und Oxford – beides sehr idyllische Orte.

Die Stadt selbst erweist sich als extrem teuer. Die Miete für meine spartanisch möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung an der Sloane Street ist Anfang der 90er zweieinhalb mal so hoch wie mein Brutto-Gehalt. Zum Glück zahlt das der Arbeitgeber. Immerhin wohne ich im feinen Knightsbridge mit Blick auf die hell erleuchtete Kuppel von Harrod’s. Das mit Würde gealterte Apartmenthaus trägt den noblen Namen „Earl’s Court“ und hat einen uniformiertem Doorman, der den Eingang bewacht. Täglich kommt eine Putzfrau, die die Laken und Decken so übers Bett spannt, dass man kaum drunter kriechen kann, und das Geschirr spült. Aber: Die Stromleitungen sind nicht die besten. Verdächtigerwiese hängen überall Feuerlöscher. Prompt fackelt in der kurzen Zeit mein Toaster ab, und der Heizlüfter fängt an zu schmoren.

 

Seitenanfang

England hat keine kalten Winter

Ich verbringe den Dezember 1991 und den Januar 1992 in England und bin auf Nebel und Regen eingestellt. Stattdessen scheint fast die ganzen zwei Monate die Sonne vom blauen Himmel – bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Es ist der kälteste Winter seit 1800irgendwas, aber die Londoner ignorieren diese Tatsache. Denn: England hat keine kalten Winter – „Wir haben den Golfstrom, der uns wärmt.“ Dementsprechend steht neben mir an der Bushaltestelle ein Mädchen in Schuluniform – mit nackten Knien. Die Börsianer in der City tragen Anzug, die Ladies allenfalls ein dünnes Kaschmir-Plaid über dem Kostümchen. Mäntel, Jacken, Mützen, Schals sind was für Weicheier. Denn… (s.o.)

Meine Wohnung ist ein Kühlschrank. Durch die einfach verglasten Fenster pfeift der Wind, die Alurahmen klappern. Die Heizung im Wohnzimmer ist wohl mehr Dekoration und wird nur lauwarm. Die Küche hat gar keine Heizung. Was ich im Bad als heizbaren Handtuchhalter bewundere, entpuppt sich als einzige Wärmequelle im Raum. Im Schlafzimmer liegen als Decke Woll-Läppchen, auf dem Bett, die in Laken gewickelt sind. Als ich unten zaghaft beim Doorman nachfrage, ob man vielleicht die Heizung etwas höher drehen könne, sieht er mich mitleidig an. Er ist Klagen gewohnt: Im selben Haus wohnen viele Araber. Die frieren wahrscheinlich noch mehr als ich. Also bekomme ich einen kleinen Heizlüfter.

Wahrscheinlich war es eine englische Höhle, in der die Menschheit irgendwann bei der Evolution vom Affen beschlossen hat: „Fell brauchen wir nicht mehr. England hat keine kalten Winter.“

Seitenanfang

AUSTRALIEN: MITTE 🇦🇺

Reiseroute 2007

SÜDENAlice SpringsKata Tjuta (= The Olgas) – Uluru (= Ayers Rock) – Kings Canyon (Watarrka Nationalpark) – Alice SpringsNORDENOSTEN

Mit Schotten indisch Essen
im Zentrum Australiens

1cwegweiseraliceAlice Springs befindet sich ungefähr in der Mitte Australiens und damit ziemlich weit weg von allem. Drumherum ist nur Wüste, der nächste größere Ort ist 1500 Kilometer entfernt. Das 26.000-Einwohner-Städtchen liegt an einem Fluss, der wegen des trockenen Klimas fast nie Wasser führt. Dennoch findet jährlich dort die Henley-on-Todd Regatta statt – mit Booten, die keinen Boden haben, sodass die Teilnehmer laufen können. Einmal musste das Event ausfallen. Da hatte es vorher geregnet…

„Alice“ (die „Aussies“ kürzen gerne alles ab) dient als Ausgangspunkt für Touren ins Red Center des Kontinents mit seinen bizarren Felsformationen und hat außer dem Alice Springs Desert Park und dem Aussichtspunkt Anzac Hill nicht allzu viel zu bieten. Auch das Nachtleben ist nicht sehr aufregend. Trotzdem erlebe ich nach meinem Campingtrip einen unvergesslichen Abend. Ich bin mit einem schottischen Biker-Pärchen aus der Reisegruppe unterwegs. Die beiden hatten mich vorgewarnt: „Wir kommen in voller Montur.“ Obwohl über 40 Grad herrschen, tragen sie wollene Kilts und Strümpfe. Der Mann hat zudem ein Kuhhorn am Gürtel. „Wofür ist das denn?“ – „Wirst Du schon sehen.“ (Des Rätsels Lösung: Es dient als Bierglas.) Erst gehen wir indisch essen, dann in einen Pub. Und erregen ziemliches Aufsehen. Menschen in karierten Faltenröcken kriegen die Leute im Outback offenbar eher selten zu Gesicht.

Leider ein vertrauter Anblick in Alice Springs sind australische Ureinwohner, die den Kontakt zu ihren Wurzeln verloren haben, aber nie in der westlichen Gesellschaft angekommen sind. Viele trinken und leben auf der Straße. Im Süden und Osten Australiens findet man praktisch gar keine Aboriginal People mehr. Nur im Norden und Westen gibt es noch Siedlungen, in denen die alte Kultur überlebt hat.

 

Seitenanfang

Rote Erde und
einzigartige Felsformationen

3esonnenaufgang2Wieder einmal überraschen mich die Dimensionen des Kontinents: Wer denkt, er könne mal eben mit dem Mietwagen von Alice Springs aus beim Uluru vorbeischauen, irrt. Die Fahrt dauert mehrere Stunden. Deshalb übernachten die meisten Leute nach der Besichtigung im Touristenresort Yulara. Bevor wir das wohl berühmteste Wahrzeichen Australiens besuchen, halten wir in Kata Tjuta. Die roten Felsen liegen wie riesige Bowlingkugeln in der Ebene. Auf dem Fußweg dorthin kommt uns eine Gruppe japanischer Touristen entgegen, die wie für eine Marsexpedition vermummt sind. Mundschutz, Fliegennetz und Hut – ist das nicht etwas übertrieben? „In Japan wird ständig über Hautkrebs berichtet, sodass viele panische Angst davor haben“, erklärt unsere Reiseleiterin.

Dann erleben wir erst den Sonnenuntergang, dann den Sonnenaufgang am Uluru, der dabei sein ganzes Farbenspiel entfaltet. Anschließend umrunden wir den Felsen. Aufs Draufklettern verzichte ich. Darum bitten die Ureinwohner des örtlichen Arangu-Stammes, denn der Berg ist ihnen heilig. Ein Betreten wäre in etwa so respektvoll, wie bei uns in eine Kirche zu pinkeln. Beinahe hätte der Felsen einen äußerst seltenen Anblick geboten: „Vor drei Wochen hatten wir einen richtig guten Regen,“ sagt die Reiseleiterin und zeigt Fotos, auf denen kleine Wasserfälle an den Seiten des Uluru herunterlaufen. Weniger bekannt, aber mindestens ebenso schön ist der Kings Canyon im Watarrka Nationalpark. Auch diese Schlucht kann man auf einem Wanderweg umrunden und kommt an Orten mit verwunschenen Namen wie „Lost City“ und „Garden of Eden“ vorbei. Auf Anraten der Reiseleiterin brechen wir wieder kurz vor Sonnenaufgang auf: „Später wird es zu heiß.“

 

Seitenanfang

Zwei Nächte unterm Sternenzelt

2dkaenguruliegendIm Zentrum Australiens probiere ich erstmals das Campen aus. Ob das etwas für mich ist? Ein guter Test: Es sind nur zwei Nächte. Geschlafen werden soll in feststehenden Zelten, die Stehhöhe und richtige Betten haben. Unterwegs sammeln wir Holz für ein zünftiges Lagerfeuer, in dem auch gekocht wird. Zum Wärmen bräuchten wir das Feuer nicht: Selbst nachts ist es weit über 20 Grad. Deshalb schlägt die Reiseleiterin vor: „Unter den Betten liegen kleinere Feldbetten. Die könnt ihr draußen aufstellen.“ Und die Moskitos? „Gibt es hier nicht.“ Also schlafe ich unter freiem Himmel. Auf dem Rücken liegend blicke ich hoch. Es sieht aus, als wäre ein Feuerwerk explodiert und einfach stehengeblieben. Das kann kein Luxushotel überbieten! Die Nacht auf dem zweiten Campingplatz verbringe ich ebenfalls draußen. Als zusätzliche Attraktion gibts dort ein Gehege mit Riesenkängurus, die einem aus der Hand fressen. Ich weiß nun, dass ich absolut campingtauglich bin und wage mich bei meinen nächsten Reisen auch an mehrwöchige Trips mit „echten“ Zelten zum Selberaufbauen heran.

 

Seitenanfang

Unendliche Weiten

2cgoldieÜber das Innere Australiens gibt es unzählige Geschichten. Zum Beispiel die vom Bau der 2979 Kilometer langen Bahnstrecke von Adelaide im Süden nach Darwin im Norden, die durch Alice Springs verläuft: Die Strecke heißt „The Ghan“, weil sie damals mit Hilfe von afghanischen Kameltreibern gebaut wurde. Anschließend wurden deren Tiere nicht mehr gebraucht und im Wortsinne in die Wüste geschickt, wo sich sich rasant vermehrten. Inzwischen werden sie wieder zurück nach Asien exportiert und auf Farmen gezüchtet. Eine besichtigen wir unterwegs. Dabei reite ich eine Runde auf „Goldie“. Schräge Storys über die Erkundung der unendlichen Weiten findet man in Bill Brysons Buch Frühstück mit Kängurus: „Etliche der ersten Forschungsreisenden waren derart überzeugt, dass sie auf mächtige Flusssysteme oder sogar einen Binnensee stoßen würden, dass sie Schiffe mitnahmen.“ Oder er berichtet von einer Expedition im Jahr 1860, deren Leiter zur unverzichtbaren Ausrüstung u.a. einen chinesischen Gong, einen Schreibsekretär und einen schweren Holztisch mit passenden Stühlen zählte. Wir reisen mit etwas leichterem Gepäck. Dafür kehren wir lebend aus dem Busch zurück.

Vereinzelt laufen Kühe in der kargen Landschaft herum. Sie können sich frei bewegen. Rinderzüchter brauchen hier viel mehr Land für ihre Tiere als bei uns – einen Quadratkilometer pro Kuh! Dementsprechend riesig sind die Farmen. Die Größte liegt in Südaustralien und hat die Ausmaße von Belgien. Kein Wunder also, dass mancher Farmer, wenn er mal ein Bier trinken will, 300 bis 400 Kilometer zur nächsten Kneipe fahren muss oder die Nachbarn gleich mit dem eigenen kleinen Flugzeug besucht.

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

AUSTRALIEN: WESTEN 🇦🇺

Reiseroute 2008

NORDEN – Broome (Cable Beach, Krokodilfarm) – 80 Mile BeachPort HedlandKarijini Nationalpark (Aussichtspunkt Oxers Lookout, Klettern in den Schluchten Joffre Gorge und Weano Gorge, Baden in den Fortescue Falls) – Coral Bay (Ningaloo Reef) –  Carnarvon – Monkey Mia (wo freilebende Delphine an den Strand kommen, geführte Wanderung in GathaaguduShark Bay, Stromatolithen im Hamelin Pool) – Kalbarri National Park (Murchison River Gorges) – Nambung National Park (Felsnadeln The Pinnacles) – Perth

Warum der Dornenteufel
Dornen hat

dornenteufelstoryErst zeigt uns der Tourguide einen Dornenteufel, dann erzählt uns ein Aboriginal in Gathaagudu die Legende zu dem Tierchen, dass es ausschließlich im Westen Australiens gibt: Es war einmal eine Echse mit schöner, glatter Haut, die hatte immerzu Durst und trank den übrigen Tieren das Wasser weg. Als die sich darüber beschwerten, rächte sich die Echse, indem sie ins Wasser pinkelte. (Deswegen ist das Meer übrigens salzig.) Das erzürnte das mächtigste aller Tiere, die Regenbogenschlange, so sehr, dass sie die kleine Echse hart bestrafte: Seitdem hat sie eine mit Dornen überzogene Haut und kann nichts mehr trinken.

Seitenanfang

Cricket – Wenig Lärm um Nichts

Die generell sportbegeisterten Australier lieben Cricket. Das stelle ich gleich bei meinem ersten Besuch auf dem Kontinent fest. Ich laufe durch die südaustralische Stadt Adelaide und komme am Cricket-Stadium vorbei, das zu den traditionsreichsten des Landes zählt. Angeblich findet dort gerade ein bedeutendes Spiel statt. Komischerweise ist es totenstill – keine Pfiffe, keine Gesänge. Nur ab und zu ertönt die Stimme des Stadionsprecher, der das Geschehen kommentiert, als würde er Staumeldungen oder Agarproduktionszahlen verlesen. Ein leises „pock“, höfliches Klatschen. Dann wieder Totenstille.

Kurz darauf erlebe ich bei einer Kreuzfahrt vor der Nordostküste, wie die Australier an Bord sich vor den Fernseher des Bootes zurückziehen – „Wichtiges Match!“ Nach Stunden tauchen sie wieder auf. „Na, habt Ihr gewonnen?“ „Ist noch nicht vorbei!“ Einen Tag später das Gleiche. Von wegen „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“! Zwar gilt ersteres auch beim Cricket, eine genaue zeitliche Begrenzung jedoch gibt es nicht.

Bei meiner zweiten Australienreise gut ein Jahr später spiele ich dann selbst Cricket. Wir befinden uns am menschenleeren 80 Mile Beach westlich von Broome an der Nordküste. Australische Mitreisende kramen eine Cricket-Ausrüstung (Ball, flacher Schläger und mehrere Klötzchen, die im Abschlagbereich in kleines Tor bilden) hervor und versuchen, den Kontinentaleuropäern in der Gruppe die Regeln zu erklären. Das Spiel hat eine entfernte Ähnlichkeit mit Baseball (was man aber nicht laut sagen darf) und funktioniert ungefähr so: Einer aus der Feldmannschaft wirft den Ball. Einer vom gegnerischen Team löffelt ihn mit dem Schläger ins Feld, rennt dann zwischen zwei Linien hin und her, während die anderen den Ball wieder zurückwerfen. Eventuell fallen irgendwann die Klötzchen um, was irgendwie Punkte gibt (für wen auch immer). Man muss wohl im Commonwealth geboren sein, um den tieferen Sinn zu erkennen. Spaß hatten wir trotzdem.

Seitenanfang

Von Broome nach Perth

wellenbroomeEine ziemliche Strecke hat sich unsere Reisegruppe vorgenommen. Wir fahren mit einem Truck in zwei Wochen die gesamte Westküste Australiens herunter. Startpunkt ist das Städtchen Broome, das mit dem Cable Beach einen der schönsten Strände der Welt besitzt. 40 Grad warmer Wind, strahlender Sonnenschein, hohe Wellen und dann diese Farben – türkises Wasser, weißer Sand, rote Felsen, grüne Palmen. Abends tauchen Karawanen von Kamelen auf, mit denen die Touristen in den Sonnenuntergang reiten können. Auch wenns schwerfällt, reiße ich mich schließlich los. Neben dem idyllischen Zentrum hat Broome nämlich noch eine weitere Attraktion: Eine Farm mit Problemkrokodilen, die menschlichen Siedlungen zu nahe gekommen sind. Faszinierend ist die Fütterung. Es gibt Hähnchen. Schnapp! Schluck! „Salties“ sind schnelle Esser. Gut, dass sich zwischen ihnen und mir Maschendraht befindet… Zum Schluss dürfen die Besucher ein sechs Monate altes Krokodilbaby auf den Arm nehmen. Sicherheitshalber kriegt es ein Gummiband um die Schnauze, denn schon die Jüngsten haben nadelspitze Zähnchen. Nachdem wir Broome verlassen haben, fahren wir tagelang durch Wüste. Überall im Westen Australiens wird Eisenerz abgebaut – und zwar im Tagebau. Der roter Staub, der dabei aufgewirbelt wird, färbt alles ein, auch die eigentlich weißen Kakadus. Road­trains bringen das Erz in die Hafenstadt Port Hedland, die eigentlich nur aus Anlegern für riesige Frachter besteht. Es mag nicht allzu attraktiv sein, hier zu wohnen. Aber es wird sehr gut bezahlt.

Als wir Coral Bay erreichen, und ins Wasser hüpfen, stellen wir fest, dass es – obwohl wir uns immer noch in den Tropen befinden – deutlich kälter ist als in Broome. Außerdem weht dort Ende September ein rauer Wind. Im Gegensatz zum Great Barrier Reef, das an der nächsten Stelle 30 Kilometer von der Ostküste Australiens entfernt ist, liegt das Ningaloo Reef direkt vor der Westküste. Das Paradies für Taucher und Schnorchler ist damit schnell zu erreichen. Ein einmaliges Erlebnis bietet Monkey Mia: In dieser Bucht kommen wild lebende Delphine ins knietiefe Wasser, um sich mit der Hand füttern lassen. Ihnen scheints weniger um die toten Fische (davon finden sie im Pazifik genug), sondern mehr um die Unterhaltung zu gehen. Weiter südlich im Hamelin Pool kann man die berühmten Stromatolithen besichtigen. Was Wissenschaftler in Begeisterung versetzt, sieht für den Laien nicht sehr aufregend aus. Es sind halt uralte, lebendige Steine. Erklärende Schilder wollen sie mit Gesichtern und Namen („Stumpy“) etwas niedlicher wirken lassen.

Freunde von bizarren Felsformationen kommen in Western Australia voll auf ihre Kosten. In den Nationalparks Karijini und Kalbarri kann man in Schluchten he­rum­klet­tern und dann unten in kristallkaren Flüssen baden. Eine Schlucht wird unten so eng, dass wir das letzte Stück im „Spinnengang“ (rechter Arm und rechtes Bein auf der rechten Seite, linkes Bein und linker Arm auf der linken Seite) zurücklegen müssen. Im Nambung Nationalpark ragen Nadeln aus Kalkstein aus dem Sand.

Schließlich erreichen wir Perth, die einsamste Großstadt der Welt. Bis zur nächsten Großstadt sind es 2720 Kilometer. Alles boomt, obwohl im Rest der Welt gerade die Finanzkrise ausbricht. Neben einem Besuch im Zoo lohnt auch der Vorort Fre­­­mantle, der noch ganz im viktorianischen Stil gehalten ist.

 

 

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

AUSTRALIEN: SÜDEN 🇦🇺

Reiseroute 2007

AdelaideKangaroo IslandAdelaide – MITTENORDEN – OSTEN

Schwer in den Griff zu kriegen

kaengurufreistellerkleinAustralien war immer schon eines meiner Traumziele. Die Planung meiner ersten Reise dorthin erweist sich als knifflig. Ich möchte alles sehen, habe aber nur drei Wochen Zeit (wirklich das Minimum bei dem langen und teuren Flug). Schnell merke ich: Das Land ist so riesig, dass ich nur einzelne Highlights besuchen kann. Und zwischen denen muss ich fliegen. Denn was auf der Karte relativ nah aussieht (z.B. die Strecke zwischen Brisbane und Sydney), ist in der Realität einige tausend Kilometer voneinander entfernt. Selbst für das „kurze“ Stück zwischen Brisbane und Hervey Bay braucht der Bus mehrere Stunden.

Das nächste Problem ist die ideale Reisezeit. Durch die enormen Ausmaße hat Australien verschiedene Klimazonen. Wenn es im Norden schön ist (Winter) ist es im Süden unangenehm und umgekehrt. Wer beides gleichzeitig besuchen will hat die Wahl zwischen den Kombinationen „heiß und nass“/“warm und trocken“ oder „warm und trocken“/“kühl und nass“. Am besten reist man also zweimal nach Australien (mindestens). Schließlich steht meine Route: Ich fliege im Februar (also im Sommer) und besichtige fünf Highlights: Kangaroo Island, Red Center, Great Barrier Reef, Fraser Island und Sydney. Obwohl ich den Westen und den äußersten Norden Australiens auf meinen nächsten Trip verschiebe, muss ich unterwegs ständig meine Uhr umstellen: Es gibt nicht nur von West nach Ost verschiedene Zeitzonen (z.T. nur eine halbe Stunde). Hinzu kommt die Tatsache, dass der Süden Sommerzeit hat, der Norden nicht.

Seitenanfang

Gebeutelte Hüpfer
und Schnarchbären

Den ersten Fuß setze ich in Melbourne auf den australischen Kontinent. Leider bleibt keine Zeit für die Metropole, die sehr schön sein soll. Deshalb gehts sofort weiter nach Adelaide, eine hübsche, grüne, aber etwas langweilige Stadt an der Südküste (s. Fotogalerie). Am nächsten Tag steige ich in ein Maschinchen, das mich nach Kangaroo Island bringt. Zum Glück bin ich vorgewarnt, dass das Gepäck hierbei auf 15 Kilo pro Person beschränkt ist und deponiere den Großteil meiner Sachen im Hotel. Sonst wäre es mir ergangen wie den italienischen Touristen, die mitten in der Flughafenhalle ihre Koffer neu packen müssen.

 

 

Kröten, Katzen, Füchse – die Australier haben mit fremden Tier- und Pflanzenarten derartig schlechte Erfahrungen gemacht, dass nun ganz strenge Regeln für die Einfuhr von biologischem Material aller Art gelten. Nicht mal ein Käsebrötchen oder einen Apfel darf man mitbringen. Wer dabei erwischt wird, muss hohe Strafen zahlen. In Kangaroo Island ist man besonders empfindlich. Da hier noch keine fremden Tierarten eingeschleppt wurden, gibt es z.B. besondere Bienen, die von den üblichen Krankheiten verschont geblieben sind. Mit Schaudern erzählen die Gastgeber in meiner kleinen Pension folgende Geschichte: Unter den wenigen Menschen auf der Insel spricht sich alles schnell herum. So erfuhren die Einheimischen sofort, dass eine amerikanische Urlauberfamilie angekommen war, die ihr Haustier mitgebracht hatte – ausgerechnet ein Kaninchen! Das wurde gleich wieder rausgeworfen.

1aakoalaDementsprechend ist die australische Tierwelt auf Kangaroo Island wunderbar erhalten. Überall hängen Koalas in den Eukalyptusbäumen. Tipp des Guides: „Ihr müsst nach haarigen Basketbällen Ausschau halten.“ Die graubraunen Knäuel sind nämlich schwer zu entdecken. Bewegen tun sich Koalas nicht viel, da sie ca. 22 Stunden pro Tag schlafen. Ursprünglich gab es die Beuteltiere, die bäriger aussehen als echte Bären, auf Kangaroo Island gar nicht. Als sie auf dem Festland immer seltener wurden, setzte man welche dort aus. Die haben sich so gut vermehrt, dass es nun zuviele sind. Abschießen ist natürlich undenkbar. Also versucht man es mit Geburtenkontrolle. Offenbar nicht allzu erfolgreich: Wir sehen mehrere als „steril“ markierte Weibchen, an die sich Babys krallen.

Erstmals im Leben sehe ich ein Echidna. Der Schnabeligel ist der einzige Verwandte des ebenfalls sehr schrägen Schnabeltiers. Am Strand tummeln sich Seelöwen, die gar keine Scheu vor den Besuchern zeigen. Nur auf den Galapagos-Inseln bin ich ihnen bisher noch näher gekommen. Natürlich findet man an einem Ort namens Kangaroo Island auch massenhaft Kängurus. Beim Bushwalk zeigt uns der Guide zudem ganz seltene schwarze Kakadus, die nur hier leben. Wir gehen querfeldein und ohne ihn hätte ich die Straße wohl nie wiedergefunden.

Neben ungewöhnlichen Viechern hat die Insel auch landschaftliche Schönheiten zu bieten: u.a. den Flinders Chase National Park, das Cape du Couedic, bizarre Felsen wie die Remarkable Rocks und den Admirals Arch.

Die Verpflegung auf dem zweitägigen Trip ist spitzenmäßig: Honig von den Superbienen zum Frühstück, als Mittagessen ein Picknick an der Steilküste (stilvol mit Tischdecke und Besteck) oder ein Mal mitten im Busch mit gutem Wein und fangfrischem Fisch auf dem Grill, abends ein von der Pensionswirtin selbstgekochtes Menü – alles mit Produkten von der Insel.

 

Seitenanfang

Ein Hauch von Antarktis

Während es im nahen Adelaide 40 Grad heiß ist, streicht manchmal ein eisiger Wind über Kangaroo Island. Und das Meer ist ebenfalls ziemlich kalt. Kein Wunder – die nächste Landmasse ist die Antarktis. Dementsprechend sauber ist die Luft. Das Regen- wird hier als Trinkwasser benutzt und beworben. Die Europäer und Nordamerikaner in der Reisegruppe sind sich einig: Das wäre bei uns kein gutes Verkaufsargument! Noch eine neue Erfahrung: Selbst tief im Süden geht die Sonne im Sommer sehr schnell und sehr früh unter. Bei meinem ersten Strandspaziergang tappe ich auf dem Rückweg völlig im Dunkeln.

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

AUSTRALIEN: OSTEN 🇦🇺

Reiseroute 2007

SÜDENMITTENORDEN – Brisbane – Fraser Island – Hervey Bay – Sydney

Ein riesiger Sandkasten

1abrisbaneskylineDie 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt Brisbane wirkt trotz ihrer Größe recht gemütlich. Direkt im Zentrum ist ein subtropischer Botanischer Garten. Wenn man den Brisbane River überquert, befindet man sich gleich wieder in einem Park. Weil der Fluss nicht zum Baden einlädt, wurde hier ein künstlicher Strand mit Riesen-Pool angelegt (Eintritt frei und keine Kurtaxe – da können deutsche Badeorte was lernen). Nach einer Übernachtung fahre ich von Brisbane mit einem kleinen Bus zur Fähre in Hervey Bay. Unterwegs erlebe ich wieder mal die „No worries“-Mentalität der Australier: Auf der Autobahn hören wir plötzlich ein hässliches Knirschen. Der klapprige Gepäck-Anhänger hat sich dem Rost ergeben und schleift mit der Kupplung über die Fahrbahn. Der Fahrer hält auf dem Seitenstreifen, steigt aus, sieht sich die Sache an, meldet das Ganze per Funk seiner Zentrale, nimmt einen Hammer, klopft gegen die Kupplung, bis der Anhänger ganz abfällt, bittet die Passagiere, ihm beim Umladen der Koffer in den Bus zu helfen und lässt dann den kaputten Anhänger einfach am Rand stehen. Kein Fluchen, kein Schimpfen, lediglich eine lässige Warnung vor dem Aussteigen: „Passt auf, wo ihr hintretet. Im Gras könnten Schlangen sein.“ Ängstliche Frage: „Werde ich nun meine Fähre verpassen?“ – „No worries“ (Keine Sorge)! Richtig: Ich erreiche das Schiff.

2gfrasersonnenuntergangSo komme ich pünktlich auf Fraser Island an. Die größte Sandinsel der Welt darf nur mit Geländewagen befahren werden. Als „Autobahn“ dient der Seventy-Five Mile Beach. Schon seltsam, mit hundert Stundenkilometern über einen endlosen Strand zu brettern! Unterwegs besichtigt die Gruppe das Wrack der 1935 aufgelaufenen Luxusyacht Maheno und watet in die Mündung des Eli Creek. Zum Baden ist der Strand allerdings weniger geeignet: Im Meer gibts starke Strömungen und – im Sommer – hochgiftige Würfelquallen. Außerdem treiben sich Dingos am Ufer herum. Wer schwimmen will, springt besser in einen der 42 Süßwasserseen – z.B. in den Lake McKenzie. Er hat den feinsten Sand, den ich je gesehen habe. Es fühlt sich an, als würde man auf Wolken gehen. Die Inselrundfahrt ist Teil eines Pakets, zu dem auch zwei Übernachtungen in einer Öko-Lodge gehören. Die Zimmer sind äußerst komfortabel. Nachts allerdings wirds laut: Dann stimmen winzige Fröschchen in den umgebenden Tümpeln ein vielstimmiges Konzert an.

Seitenanfang

Die schönste Stadt der Welt

3esydneysegelbootDie Stadt, in der ich am liebsten leben würde? Sydney! Angenehmes Klima, viele Parks und Traumstrände in Citynähe. Wobei mir Manly Beach noch besser gefällt als der bekanntere Bondi Beach. Als ich mit der Fähre vom sehr hübschen Vorort Manly in die Innenstadt zurückkehre, liegen im Hafen die Schiffe Queen Mary 2 und Queen Elizabeth, die sich erstmals vor der spektakulären Silhouette der Stadt getroffen haben. Nicht nur menschliche Bewohner genießen schöne Aussichten, denn Sydney hat einen „Zoo with a view“. Viele Tiere dort habe ich zuvor in freier Wildbahn gesehen. Einige kann ich erstmals in Natura betrachten. Dabei stelle ich fest, dass Schnabeltiere (der Witz der Evolution) viel kleiner sind, als ich dachte, Wombats hingegen viel größer. Am letzten Tag meiner ersten Australienreise erlebe ich ein besonderes Highlight. Ich mache den „Bridge-Climb“, bei dem man über schmale Treppen auf die Harbour Bridge klettert.  Zuvor wird jeder in einen Overall gesteckt, wie ein Paket verschnürt und mit einem Seil gesichert. Dann gehts über den äußeren Brückenbogen zum Gipfel des  „Kleiderbügels“ (so nennen die Einheimischen das Wahrzeichen). In 134 Metern Höhe bietet sich ein Wahnsinns-Blick. Ein würdiger Abschied!

Seitenanfang

Eiskalt genießen

Australier lieben Bier. Kaltes Bier. Je nach Jahreszeit ist es jedoch recht schwierig, das Blonde kühl zu halten. Deshalb gibts überall kleine Neoprenanzüge zu kaufen – für Bierdosen oder -flaschen. Wurde wohl von Surfern erfunden und ist auch in deutschen Sommern (manchmal) recht praktisch.

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME

SINGAPUR 🇸🇬 

Ein himmlischer Flughafen
mit Stadt drumherum

Der Weg von Europa nach Australien oder Südostasien führte mich schon mehrmals über Singapur. Dort wartet nach einem 14-Stunden-nonstop-Flug in der Ölsardinen-Klasse der Changi Airport. Nicht umsonst gilt er als einer der schönsten und komfortabelsten Flughäfen der Welt. Im Herbst 2009 erlebe ich auf der Strecke London – Singapur eine Premiere: Die Kabine des Jets sieht irgendwie anders aus, die Flügel sind extrem lang und wackeln fast wie bei einem Vogel. Stolz heißt der „Quantas“-Pilot die Passagiere im „brandneuen“ Airbus A 380 willkommen. Gut ein Jahr später entgeht eine der sechs Monster-Maschinen der australischen Gesellschaft tatsächlich nur knapp einer Brandkatastrophe. Schwitz…

Wenn man wenig Zeit zum Umsteigen hat, kann man zumindest in einem der tropischen Gärten kurz Frischluft schnappen. Bei mindestens drei Stunden Aufenthalt ist ein Besuch auf der Dachterasse des Flughafenhotels die beste Wahl. Dort gibts gemütliche Liegen, einen Swimmingpool und einen Whirlpool, der für die verkrampften Muskeln das Paradies ist. Für Leute, die mindestens sechs Stunden Zeit haben, bietet der Flughafen sogar kostenlose Stadtrundfahrten und Shuttle-Busse in die City an. In jedem Fall lädt Changi Airport zum Shoppen ein. Vor allem Technik ist im zollfreien Bereich sensationell günstig.

 

 

Seitenanfang

HOME, SWEET HOME