MALEDIVEN 🇲🇻

Reiseroute 2019

Malé – Hanimadhoo – Malé – South Malé AtollSouth Ari Atoll (u.a. Landgang auf Dhangethi) – South Malé Atoll (u.a. Landgang auf Gulhi) – Hulhulmalé – Malé

Eine Oase der Ruhe

Eigentlich habe ich erwartet, dass ich Ende Februar ein feuchtkaltes Deutschland hinter mir lasse. Stattdessen kann ich bereits vor dem Abflug in die Tropen Sonne satt tanken. Mein Boot ist im Wasser, die Segelsaison eröffnet, und wenn das Wasser nicht noch eiskalt wäre, hätte ich schon in Duisburg baden können. Insofern muss ich mir nach meiner Ankunft auf den Malediven nicht erst die dicken Winterklamotten vom Leib reißen. Schon bei der Einreise merkt man, dass es sich um ein streng muslimisches Land handelt. Ein Formular listet Dinge auf, die man nicht einführen darf: u.a. Schweinefleisch und Alkohol. Von der Hauptstadt Malé fliege ich mit einer Propellermaschine von Maldivian in den Norden des Archipels auf die Insel Hanimaadhoo. Der „Hanimaadhoo International Airport“ besteht aus einer kleinen Halle mit einem Mini-Laufband. Ziemlich niedlich für „International“.

Die ersten vier Nächte verbringe ich im „Barefoot Eco Resort“, das seinem Namen Ehre macht: „Wenn du hier nicht barfuß bist, bist du overdressed“, heißt es in der Willkommensbroschüre. Tatsächlich kann man auf Schuhe weitgehend verzichten. Der Boden besteht hauptsächlich aus feinstem weißen Sand (Die Fische waren fleißig…), die Gebäude aus Holz. Dem Öko-Konzept entsprechend, wird das Trinkwasser in wiederverwendbaren Glasflaschen gereicht. Im Bad liegt handgemachte Ayurveda-Seife aus Indien, frühmorgens wird kostenlos Yoga angeboten. Nur einmal bringe ich etwas Hektik in die extrem entspannte Atmosphäre: Auf den schwarzen Steinplatten vor der Rezeption renne ich, weil ich mir die nackten Fußsohlen frittiere. Mein Zimmer ist riesig und zenartig schlicht. Kein Fernseher, kein Schreibtisch. Aber WLAN! Außerdem hat es direkten Zugang zum Strand. Die Luft ist mit ca. 29 Grad ebenso warm wie das Wasser. Zu hören sind nur nur Wellenrauschen, raschelnde Palmwedel und das Geschrei tropischer Vögel.

Die Kokospalmen sind allgegenwärtig. Schubkarrenweise werden die Nüsse eingesammelt und als Drink serviert. Die dreisten Dohlen, die am Strand herumlungern wie bei uns die Möwen, lieben den Saft und bedienen sich einfach. Es ist hier für tropische Verhältnisse sehr lange hell. Das liegt daran, dass Hanimaadhoo – wie viele andere Inseln auch – für die Touristen die Uhr gegenüber Malé einfach eine Stunde vorgedreht hat. Ewige Sommerzeit also. Um 19.00 scheint die Sonne immer noch. Überall sind Spuren von Einsiedlerkrebsen im Sand. Genau vor dem Sonnenuntergang ankert ein traditionelles Dhoni. Sicher kein Zufall, denn das gibt tolle Fotos. Jeden Abend ist die Stimmung anders. Auch tagsüber macht es etwas her. Ein Flughund taucht auf. Und im Bad habe ich meinen eigenen sehr kleinen Gecko. Hoffentlich hat er einen großen Appetit.

Das 2016 eröffnete Hotel war das Erste auf einer bewohnten Insel der Malediven. Früher hat die Regierung Kontakte zwischen den Einheimischen und Touristen weitgehend unterbunden und Unterkünfte für die Fremden nur auf ansonsten unbewohnten Inseln erlaubt. Trotz der Aufhebung des Verbots sind Investoren immer noch zögerlich mit der Errichtung von Resorts auf den bewohnten Inseln, weil dort kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Dementsprechend muss ich auf Wein zum Essen verzichten. Einem Cocktail zur Happy Hour steht allerdings nichts im Wege. Denn der Schweizer Besitzer des Resorts ist ein Schlitzohr. Normalerweise liegt in der Bucht ein Boot mit eingebauter Bar… Weil das gerade renoviert wird, bietet das Hotel umsonst um 17.30 einen Speedboot-Trip zur gegenüberliegenden Insel an. Auf Hondafuushi gibt es kein Dorf, sondern nur ein riesiges Resort mit einzelnen Bungalows. Ziemlich anonym. Wir sind uns einig, dass diese Unterkünfte zwar doppelt so teuer, aber nur halb so schön sind, wie unsere. Aber die Bar tut ihren Dienst und bietet Bier und leckere Cocktails (zwölf Dollar pro Stück, schluck). Pünktlich zum Abendessen um 20.00 (so spät, weil die Hälfte der Gäste Italiener sind) bin ich zurück.

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Wasser, Wasser –
und noch „meer“ Wasser

Wer das nasse Element nicht mag, ist auf den Malediven falsch. Bergsteigen ist nicht: Die höchste Erhebung der Republik ist gerade mal 2,40 Meter hoch. Wandermöglichkeiten gibt es auch nicht allzu viele. Die meisten der 1196 Inseln sind klein bis winzig. Bleibt Wassersport. Der Strand des „Barefoot Eco Resorts“ ist zwar sehr einladend, aber die übrigen Angebote des Hotels sind zu verlockend, um sie abzulehnen. Einmal segele ich eine Stunde mit einem Hobie Cat hinaus. Ein anderes Mal paddele ich mit einem Seekayak am Strand entlang und surfe in der Brandung.

Schnorcheln kann man zwar schon direkt vom Hotelstrand aus. Richtig interessant wird es allerdings erst, wenn man Bootsausflüge macht. Endlich wird mein Traum, Mantas zu sehen, wahr. Einer kommt mit offenen Fangarmen auf mich zu. Wahnsinn! Am Baarah-Riff (s. Film) schweben zwei Mobular Rays, die wie Baby-Mantas aussehen, vorbei. Die Delfine, die wir dort beobachten wollen, hingegen zeigen sich nicht. Bekanntermaßen sind die Meeressäuger ohnehin ziemliche Arschlöcher. Sie vergewaltigen beispielsweise Robbenbabys und ziehen sich das Gift von Kugelfischen als Drogen rein (s. BBC-Doku). Und wer winkt mir, als ich abends wieder an Land bin, von der Ferne aus höhnisch mit der Rückenflosse zu? Flippers Kumpel!

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Die folgenden sechs Tage bin ich dem Wasser noch näher. Denn von Hanimadhoo fliege ich zurück nach Malé und besteige dort ein Boot. „Felicity“ ist eine türkische Gulet, ein 28 Meter langer Zweimaster aus Holz. Wir sind zehn Passagiere, ein Guide und eine ebenso große Crew. Neben einem Dhingi gibt es ein weiteres Beiboot: Ein Dhoni, das uns zu den Schnorchelplätzen bringt. In der Woche zeigt sich uns die unglaubliche Vielfalt der Unterwasserwelt.

 

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Die erste Nacht ankern wir im South Malé Atoll in der Nähe des Riffs von Kalhuhuraa. In der Nähe ist eine Baustelle. Turkish Airlines baut ein Riesenresort auf drei künstlichen Inseln. „Vor einem Jahr war hier noch nichts“, sagt unser Guide Kame (japanisch für Schildkröte, sein richtiger Name wäre für uns unausprechlich). Nach einem ersten Schnorchelgang setzen wir zum South Ari Atoll über. Am Ran Weli Hausriff lungern u.a. zwei Kraken herum, die ich ohne die Guides nie gesehen hätte, so perfekt ist ihre Tarnung. Die Einheimischen bewegen sich fast selbst wie Fische im Wasser. Mühelos tauchen sie tief ab und halten minutenlang die Luft an. Freediving ist hier ein Volkssport.

Am nächsten Morgen um sieben ist die Welt noch in Ordnung: Vor dem Frühstück gehen wir erst einmal eine Runde Schnorcheln. Drei Weißspitzenriffhaie sind auch hungrig. Plötzlich taucht ein gelber Riesen-Drückerfisch auf und beißt meine Kabinennachbarin Kim ins Bein. Tage später sind noch seine Zahnabrücke auf ihrer Wade zu sehen. Sie tauft ihn „Chomp“. Schließlich greift er meine Kamera an. Wenn die bis zu 75 Zentimeter langen und zehn Kilo schweren Biester brüten oder Junge haben, werden sie aggressiv… Dann ist die Rückenflosse aufgestellt wie bei einem Hai.

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Nach dem Frühstück haben wir Großes vor und fahren wie andere Boote auch, an der Küste von Dhigurah („lange Insel“) entlang. Direkt in Ufernähe haben sich am Vortag Walhaie aufgehalten. Hoffentlich sind sie noch da. Der Meeresbiologe Gus kommt an Bord und erklärt die Regeln. Nicht von vorne nähern, an der Seite drei Meter Abstand halten, hinten vier Meter. Nicht streicheln… Die Walhaie im South Ari Atoll sind jung und halten sich ab einer Länge von ca. drei Metern dort auf, bis sie ausgewachsen sind. Erst dann ziehen sie ins tiefe Wasser um. 86 Prozent von ihnen sind Männchen. Das Punktmuster auf ihrem Rücken ist einzigartig und wird wie ein Fingerabdruck zur Identifizierung genutzt. Bei Arivadhoo zieht Kuda Kude seine Bahnen. Wie die meisten seiner Artgenossen wurde er durch die Schrauben von Motoren verletzt. Der Schwanzflosse fehlt die obere Spitze. Während sich an der Oberfläche Schnorchler von zig Booten um die beste Sicht auf den sanften Riesen kloppen, nähern sich von unten Taucher. Noch ist der Zugang nicht geregelt. Zum Glück soll sich das bald ändern. Gus kämpft dafür, dass Kuda Kude & Co. demnächst mehr Ruhe haben werden.

Unmittelbar nach dem Mittagessen bricht wieder Hektik aus. Walhai voraus! Diesmal sind nur zwei andere Boote da und dementsprechend deutlich weniger Leute im Wasser. Ich folge unserem Skipper Chafi und plōtzlich kommt er direkt auf mich zu: Fernando, 7,20 Meter lang und total cool. Langsam gleitet er durch den flachen Uferbereich. Ich kann gerade noch zur Seite ausweichen und habe Mühe, die geforderten drei Meter Abstand zu halten. Der Walhai ist so nah, dass ich ihn trotz Superweitwinkel nicht ganz ins Bild kriege. Ein paar Minuten schwimmen wir nebeneinander, dann verschwindet er im tiefen, dunklen Blau.

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Eine neue Dimension

Am nächsten Morgen besuchen wir Rangali Kandu auf der Ostseite des Archipels. Dort befindet sich eine Waschstraße für Mantas. Gleich fünf der riesigen Rochen haben sich eingefunden, um sich von kleinen gestreiften Fischen putzen zu lassen und Plankton zu fressen. Sie kreisen unter uns Schnorchlern. Am Boden in ca. neun Metern Tiefe treffen immer mehr Taucher ein, darunter auch Chafi und drei weitere aus unserer Gruppe. Die Mantas scheinen es zu lieben, durch die aufsteigenden Luftblasen zu schwimmen. Ist wohl wie eine Massage im Whirlpool. Nach dem Auftauchen bietet mir Chafi spontan sein zweites Atemgerät an und nimmt mich mit nach unten. Ich lasse mich locker hängen und sehe die Mantas nun aus einer ganz neuen Perspektive (s. Film). Einer kommt so nah, dass ich ihm direkt ins Auge blicke. Unfassbar!!! Nicht, dass ich nicht schon genug Hobbys hätte, aber gerade kommt eins dazu: Ich muss Tauchen lernen!

Zurück im South Malé Atoll mache ich an den kommenden beiden Tagen zwei Schnuppertauchgänge mit eigener Flasche. Chafi ist die ganze Zeit an meiner Seite, tariert mich und erklärt mir vorher grundlegende Fertigkeiten wie „Maske trockenblasen“. Dann darf ich mich frei wie ein Fisch bewegen. Der erste richtige Tauchgang meines Lebens dauert 45 Minuten. In bis bis zu zehn Metern Tiefe erkunde ich ein Riff, in dem viele Schildkröten leben (s. Film). Der zweite Tauchgang in Miyaru Faru dauert sogar fast eine Stunde und geht bis zu 16 Meter tief. U.a sehe ich eine wunderhübsche gelbe Muräne mit schwarzen Flecken.

Trotz dieser neuen Eindrücke hat das Schnorcheln für mich nichts von seiner Faszination verloren. Kudagiri, „Aquarium“ genannt, macht seinem Namen alle Ehre: Wir schwimmen mitten durch Fischschwärme. An einer anderen Stelle sehen (und hören!) wir große Gruppen von Spinnerdelfinen. Zuvor hatten Große Tümmler und Pilotwale „Felicity“ begleitet und in ihrer Bugwelle gesurft. Vor dem Anleger des Embudu Village tummeln sich Formationen von bis zu 16 Adlerrochen. Und beim letzten Schnorchelgang vor Kurumba (einst Picknickinsel der Queen, in den 60ern dann als erstes Resort der Malediven eröffnet) ziehen zig Schwarzspitzenriffhaie ihre Bahnen im flachen Wasser.

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Zur Abwechslung: Landgang

Zweimal gehen wir während der Bootstour an Land. Im South Ari Atoll besichtigen wir Dhangethi. Der Ort auf der Insel hat ca. 1500 Einwohner. Ein paar Touristen sind hier auch untergekommen. Es gibt ein paar kleine Pensionen mit bis zu 20 Gästen. Die Hauptstraße geht über die ganze Inselbreite, ca. 50 Meter. Nach dem Rundgang probieren wir in einem kleinen Café am Strand landestypische Snacks. Neben Kokoskuchen gibt es Bällchen, kleine Somosas und Teigtaschen – alles schön scharf gewürzt und mit Thunfisch gefüllt. „Wir essen Thunfisch zum Frühstück, Mittag- und Abendessen und zum Tee“, sagt Kame. Sein Bruder hat ein Fischerboot, ebenso sein Vater. Auf den Malediven gibt es keine Fangquoten. Allerdings dürfen nur Einheimische fischen, und nur traditionell, nicht mit Schleppnetzen.

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Im South Malé Atoll zeigt uns Chafi seine Heimatinsel Gulhi, die ca. 800 Einwohner hat. Sie ist schnell umrundet. Da kann man sich nicht verlaufen. Es gibt eine Werft, einen privaten und einen öffentlichen Strand. Im Fischerdorf sind viele Wände mit Graffiti verziert, überall vor den Häusern sind Gestelle mit Netzen zum Drinsitzen. Mal als Bank, mal als Schaukel. Anschließend bereitet uns die Crew an Bord eine „Maldivian Night“. Chafis Band schaut auch vorbei und spielt traditionelle Musik: eine interessante Mischung aus arabischen (Melodien und Gesang) und afrikanischen (Trommeln) Einflüssen. Die meisten von uns lassen sich nicht lange zum Tanz bitten.

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Am letzten Abend ankern wir vor der Flughafeninsel Hulhumalé. Da ich die Tauchgänge in bar bezahlen muss, setze ich mit Chafi zum Hafen über. Auf seinem Motorrad nimmt mich der Skipper mit zum Geldautomaten. Hätte ich das gewusst, hätte ich eine Hose angezogen. So trage ich einen um die Taille gewickelten Schal als Rock. Gar nicht so einfach damit auf- und ab zu steigen, ohne Knie zu zeigen. Und wenn das Teil im Fahrtwind ganz wegfliegt… „Dann verursachen wir einen Unfall“, sagt Chafi grinsend. Hulhumalé ist viel größer als ich gedacht habe. Überall Läden, andere Motorräder, buntes Treiben auf der Straße. Alles ist neu, denn die Insel wurde künstlich angelegt. Und es wird weitergebaut, um Malé zu entlasten. Mit 47.416 Einwohnern pro Quadratkilometer ist es die am dichtesten besiedelte Hauptstadt der Welt. An Land merke ich, was ich auf See nicht vermisst habe: Mücken. Auf dem Boot hingegen haben wir wieder Ruhe. So verbringe ich die vierte Nacht in Folge unter freiem Himmel auf dem Kajütdach. Die ganze Lagune ist hell beleuchtet.

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