NEUSEELAND 🇳🇿

Reiseroute 2018

Südinsel

Christchurch – Arthur’s Pass – Paparoa Nationalpark – Greymouth – Hokitika – Franz Josef Gletscher – Wanaka – Queenstown – Arrowtown – Milford Sound – Te Anau – Mount Cook Nationalpark – Christchurch – Kaikoura – Abel Tasman Nationalpark – Marlborough County – Picton

Nordinsel

Wellington – Ohakune – Tongariro Nationalpark – Huka Falls – Rotorua – Waitomo – Paihia – Bay of Islands – Auckland

Der kürzeste Tag

Samstag, der 3. November 2018, dauert für mich nur zwölf Stunden. In Neuseeland haben sie schon Sommerzeit, in Deutschland ist bereits Winterzeit. Deshalb beträgt der Zeitunterschied zwölf Stunden – mehr geht nicht. Die Umstellung ziehe ich wie immer auf die harte Tour durch. Landen, auf die Uhr gucken, das Gegebene akzeptieren und die Nacht zum Tag machen. Ich werde mit strahlendem Sonnenschein empfangen. Leider bleibt das nicht so. Die Einheimischen sagen über ihr Wetter: „Hope for the best, expect the worst.“ Und das bewahrheitet sich…

Das Essen hingegen ist besser als sein Ruf. Früher muss das wohl anders gewesen sein, aber heute hat man die Auswahl: Überall gibt es herrlich günstiges Sushi zum Mitnehmen. Die Restaurants lassen keinen Wunsch offen: thailändisch, vietnamesisch, italienisch, indisch… Sehr beliebt in neuseeländischen Pubs ist Pool Billard, was auch wir fleißig spielen. Besonders urig ist es im „Rockpool“ in Christchurch. Die abgewetzten Tische sind rot, mit Lederbeutelchen zum Auffangen der Kugeln. Die Cocktails werden in Teekannen serviert, dazu gibt es Schnapsgläser. Im „Chooky’s“ in Wellington bekommt man sogar Teetassen dazu.

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Schräge Vögel
und verhasste Fellknäuel

Neuseelands Vogelwelt ist einzigartig. Gleich am ersten Tag mache ich Bekanntschaft mit den berühmt-berüchtigten Keas (s. Film). Bei einem Stopp im Dorf Arthur’s Pass hole mir eine Tüte Chips und einen Orangensaft. Auf der Terrasse des Cafés hüpft einer der weltweit einzigen Bergpapageien herum. Ich lege beides ab, um ihn mit meinem Handy zu fotografieren. Sofort schnellt er vor, fliegt mit der Tüte davon und öffnet sie unter einem Auto mit seinem Schnabel. Direkt neben einem Schild: „Die Vögel nicht füttern“… Im Kiwi & Birdlife Park in Queenstown vergeift sich ein jugendlicher Kea an Schnürsenkeln. Und im Fjordland Nationalpark fliegt ein verspieltes Übelgeflügel auf einem Parkplatz auf ein Auto und versucht, die Blätter aus den laufenden Scheibenwischern zu ziehen.

Auch sonst trifft man viele seltsame Vögel. Während meiner Wanderung in Franz Josef entdecke ich u.a. einen Fan, der immer wieder seinen langen weißen Schwanz auffächert, und einen dunklen Tui, der bei jedem Ruf mit einer weißen Feder an der Kehle wedelt. Besonders legendär allerdings sind die diversen flugunfähigen Vögel auf Neuseeland, allen voran die Kiwis. Ich sehe die nachtaktiven Kerlchen jedoch nur in in stockdunklen Gehegen in Schutzzentren. Sie sind nämlich vom Aussterben bedroht. Weil auf den Inseln ursprünglich keine Landsäugetiere lebten, hatten die Kiwis das Fliegen einst als Energieverschwendung aufgegeben. Doch dann kamen erst die Maori, später die Europäer und brachten Räuber wie Katze und Marder mit. Einige kleinere Inseln vor der Küste, z.B. in der Bay of Islands, gelten zurzeit als „predator free“. Aber die Biester können schwimmen, Ratten etwa bis zu drei Kilometer.

Auch die einzigartige Pflanzenwelt Neuseelands wird von eingeschleppten Arten bedroht. Besonders verhasst sind die eigentlich in Australien beheimateten Fuchskusus. Mangels Fressfeinden haben sie sich explosionsartig vermehrt, fressen die Bäume kahl und werden nun überall bekämpft. Es ist nicht verpönt, ihre Pelze zu tragen. Die Wolle wird außerdem zu Pullovern, Handschuhen oder Mützen verarbeitet. Eine Marke heißt „The Ugly Possum“. Die niedlichen Fellknäuel sind hier wirklich nicht beliebt…

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Maori

Die ersten Menschen, die Neuseeland besiedelten, waren die aus Polynesien stammenden Maori. Knapp 15 Prozent beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung heute, die meisten von ihnen leben auf der Nordinsel. Ursprünglich gingen sie friedlich miteinander um. Als jedoch die Bevölkerungszahl explodierte, brachen Kämpfe zwischen den Stämmen aus. Aus den Maori wurden Krieger. Schon Zweijährige wurden in die Kunst der Martial Arts eingeführt und auch die Frauen griffen zu den Waffen. Als Jahrhunderte später die europäischen Einwanderer eintrafen, machten sie sich die Streitigkeiten zunutze und spielten die verfeindeten Stämme gegeneinander aus.Während der Kolonialisierung wurden die Maori um ihr Land gebracht und durften ihre Sprache nicht sprechen.

Das hat sich zum Glück grundsätzlich geändert. In den 70er-Jahren förderten Maori-Aktivisten einen Vertrag aus Königin Victorias Zeiten zutage, der ihnen die Rechte am Land zugestand. Seitdem wurde viel zurückgegeben. Inzwischen sind alle offiziellen Schilder zweisprachig. Zwar ist die Situation noch nicht lange nicht perfekt. „Im großen und ganzen läuft es aber besser, als in den meisten anderen Ländern“, meint unser Guide Dave. „Wir gehen in dieselben Schulen, trinken in denselben Pubs. Es gibt keine Trennung.“

In Rotorua sind rund 70 Prozent der Einwohner Maori. Dort besichtigen wir ein Handwerkerzentrum, wo junge Maori weben (Kunst der Frauen) und schnitzen (Kunst der Männer) lernen. Abends besuchen wir das Mitai Maori Village (s. Film). Die Bewohner führen den Kriegsgesang und -tanz Haka vor, mit dem inzwischen auch die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft ihre Gegner einschüchtert. Furchteinflößend sind auch die traditionellen Gesichtstattoos. Zu Essen gibt es Gerichte aus dem Hangi, einem Erdofen. Ursprünglich kamen Kiwis und der inzwischen ausgestorbene Moa auf den Teller. Heute wird stattdessen Huhn und Lamm serviert. Beim anschließenden Gang durch ein nachgebautes Dorf, kennt der Regen mal wieder kein Erbarmen. Die Maori drücken es poetisch aus: „Sky father is still crying on earth mother.“

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DATENSCHUTZERKLÄRUNG

 

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Stephanie Obst
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D-20149 Hamburg
E-Mail: krokblog@aol.com
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Kategorien betroffener Personen

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Zu den Maßnahmen gehören insbesondere die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten durch Kontrolle des physischen Zugangs zu den Daten, als auch des sie betreffenden Zugriffs, der Eingabe, Weitergabe, der Sicherung der Verfügbarkeit und ihrer Trennung. Des Weiteren haben wir Verfahren eingerichtet, die eine Wahrnehmung von Betroffenenrechten, Löschung von Daten und Reaktion auf Gefährdung der Daten gewährleisten. Ferner berücksichtigen wir den Schutz personenbezogener Daten bereits bei der Entwicklung, bzw. Auswahl von Hardware, Software sowie Verfahren, entsprechend dem Prinzip des Datenschutzes durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 25 DSGVO).

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Rechte der betroffenen Personen

Sie haben das Recht, eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob betreffende Daten verarbeitet werden und auf Auskunft über diese Daten sowie auf weitere Informationen und Kopie der Daten entsprechend Art. 15 DSGVO.

Sie haben entsprechend. Art. 16 DSGVO das Recht, die Vervollständigung der Sie betreffenden Daten oder die Berichtigung der Sie betreffenden unrichtigen Daten zu verlangen.

Sie haben nach Maßgabe des Art. 17 DSGVO das Recht zu verlangen, dass betreffende Daten unverzüglich gelöscht werden, bzw. alternativ nach Maßgabe des Art. 18 DSGVO eine Einschränkung der Verarbeitung der Daten zu verlangen.

Sie haben das Recht zu verlangen, dass die Sie betreffenden Daten, die Sie uns bereitgestellt haben nach Maßgabe des Art. 20 DSGVO zu erhalten und deren Übermittlung an andere Verantwortliche zu fordern.

Sie haben ferner gem. Art. 77 DSGVO das Recht, eine Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde einzureichen.

Widerrufsrecht

Sie haben das Recht, erteilte Einwilligungen gem. Art. 7 Abs. 3 DSGVO mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen

Widerspruchsrecht

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Cookies und Widerspruchsrecht bei Direktwerbung

Als „Cookies“ werden kleine Dateien bezeichnet, die auf Rechnern der Nutzer gespeichert werden. Innerhalb der Cookies können unterschiedliche Angaben gespeichert werden. Ein Cookie dient primär dazu, die Angaben zu einem Nutzer (bzw. dem Gerät auf dem das Cookie gespeichert ist) während oder auch nach seinem Besuch innerhalb eines Onlineangebotes zu speichern. Als temporäre Cookies, bzw. „Session-Cookies“ oder „transiente Cookies“, werden Cookies bezeichnet, die gelöscht werden, nachdem ein Nutzer ein Onlineangebot verlässt und seinen Browser schließt. In einem solchen Cookie kann z.B. der Inhalt eines Warenkorbs in einem Onlineshop oder ein Login-Status gespeichert werden. Als „permanent“ oder „persistent“ werden Cookies bezeichnet, die auch nach dem Schließen des Browsers gespeichert bleiben. So kann z.B. der Login-Status gespeichert werden, wenn die Nutzer diese nach mehreren Tagen aufsuchen. Ebenso können in einem solchen Cookie die Interessen der Nutzer gespeichert werden, die für Reichweitenmessung oder Marketingzwecke verwendet werden. Als „Third-Party-Cookie“ werden Cookies bezeichnet, die von anderen Anbietern als dem Verantwortlichen, der das Onlineangebot betreibt, angeboten werden (andernfalls, wenn es nur dessen Cookies sind spricht man von „First-Party Cookies“).

Wir können temporäre und permanente Cookies einsetzen und klären hierüber im Rahmen unserer Datenschutzerklärung auf.

Falls die Nutzer nicht möchten, dass Cookies auf ihrem Rechner gespeichert werden, werden sie gebeten die entsprechende Option in den Systemeinstellungen ihres Browsers zu deaktivieren. Gespeicherte Cookies können in den Systemeinstellungen des Browsers gelöscht werden. Der Ausschluss von Cookies kann zu Funktionseinschränkungen dieses Onlineangebotes führen.

Ein genereller Widerspruch gegen den Einsatz der zu Zwecken des Onlinemarketing eingesetzten Cookies kann bei einer Vielzahl der Dienste, vor allem im Fall des Trackings, über die US-amerikanische Seite http://www.aboutads.info/choices/ oder die EU-Seite http://www.youronlinechoices.com/ erklärt werden. Des Weiteren kann die Speicherung von Cookies mittels deren Abschaltung in den Einstellungen des Browsers erreicht werden. Bitte beachten Sie, dass dann gegebenenfalls nicht alle Funktionen dieses Onlineangebotes genutzt werden können.

Löschung von Daten

Die von uns verarbeiteten Daten werden nach Maßgabe der Art. 17 und 18 DSGVO gelöscht oder in ihrer Verarbeitung eingeschränkt. Sofern nicht im Rahmen dieser Datenschutzerklärung ausdrücklich angegeben, werden die bei uns gespeicherten Daten gelöscht, sobald sie für ihre Zweckbestimmung nicht mehr erforderlich sind und der Löschung keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten entgegenstehen. Sofern die Daten nicht gelöscht werden, weil sie für andere und gesetzlich zulässige Zwecke erforderlich sind, wird deren Verarbeitung eingeschränkt. D.h. die Daten werden gesperrt und nicht für andere Zwecke verarbeitet. Das gilt z.B. für Daten, die aus handels- oder steuerrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen.

Nach gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 10 Jahre gemäß §§ 147 Abs. 1 AO, 257 Abs. 1 Nr. 1 und 4, Abs. 4 HGB (Bücher, Aufzeichnungen, Lageberichte, Buchungsbelege, Handelsbücher, für Besteuerung relevanter Unterlagen, etc.) und 6 Jahre gemäß § 257 Abs. 1 Nr. 2 und 3, Abs. 4 HGB (Handelsbriefe).

Nach gesetzlichen Vorgaben in Österreich erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 7 J gemäß § 132 Abs. 1 BAO (Buchhaltungsunterlagen, Belege/Rechnungen, Konten, Belege, Geschäftspapiere, Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben, etc.), für 22 Jahre im Zusammenhang mit Grundstücken und für 10 Jahre bei Unterlagen im Zusammenhang mit elektronisch erbrachten Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehleistungen, die an Nichtunternehmer in EU-Mitgliedstaaten erbracht werden und für die der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) in Anspruch genommen wird.

Akismet Anti-Spam-Prüfung

Unser Onlineangebot nutzt den Dienst „Akismet“, der von der Automattic Inc., 60 29th Street #343, San Francisco, CA 94110, USA, angeboten wird. Die Nutzung erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f) DSGVO. Mit Hilfe dieses Dienstes werden Kommentare echter Menschen von Spam-Kommentaren unterschieden. Dazu werden alle Kommentarangaben an einen Server in den USA verschickt, wo sie analysiert und für Vergleichszwecke vier Tage lang gespeichert werden. Ist ein Kommentar als Spam eingestuft worden, werden die Daten über diese Zeit hinaus gespeichert. Zu diesen Angaben gehören der eingegebene Name, die Emailadresse, die IP-Adresse, der Kommentarinhalt, der Referrer, Angaben zum verwendeten Browser sowie dem Computersystem und die Zeit des Eintrags.

Nähere Informationen zur Erhebung und Nutzung der Daten durch Akismet finden sich in den Datenschutzhinweisen von Automattic: https://automattic.com/privacy/.

Nutzer können gerne Pseudonyme nutzen, oder auf die Eingabe des Namens oder der Emailadresse verzichten. Sie können die Übertragung der Daten komplett verhindern, indem Sie unser Kommentarsystem nicht nutzen. Das wäre schade, aber leider sehen wir sonst keine Alternativen, die ebenso effektiv arbeiten.

 

Abruf von Emojis und Smilies

Innerhalb unseres WordPress-Blogs werden grafische Emojis (bzw. Smilies), d.h. kleine grafische Dateien, die Gefühle ausdrücken, eingesetzt, die von externen Servern bezogen werden. Hierbei erheben die Anbieter der Server, die IP-Adressen der Nutzer. Dies ist notwendig, damit die Emojie-Dateien an die Browser der Nutzer übermittelt werden können. Der Emojie-Service wird von der Automattic Inc., 60 29th Street #343, San Francisco, CA 94110, USA, angeboten. Datenschutzhinweise von Automattic: https://automattic.com/privacy/. Die verwendeten Server-Domains sind s.w.org und twemoji.maxcdn.com, wobei es sich unseres Wissens nach um sog. Content-Delivery-Networks handelt, also Server, die lediglich einer schnellen und sicheren Übermittlung der Dateien dienen und die personenbezogenen Daten der Nutzer nach der Übermittlung gelöscht werden.

Die Nutzung der Emojis erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, d.h. Interesse an einer attraktiven Gestaltung unseres Onlineangebotes gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO.

Kontaktaufnahme

Bei der Kontaktaufnahme mit uns (z.B. per Kontaktformular, E-Mail, Telefon oder via sozialer Medien) werden die Angaben des Nutzers zur Bearbeitung der Kontaktanfrage und deren Abwicklung gem. Art. 6 Abs. 1 lit. b. (im Rahmen vertraglicher-/vorvertraglicher Beziehungen), Art. 6 Abs. 1 lit. f. (andere Anfragen) DSGVO verarbeitet.. Die Angaben der Nutzer können in einem Customer-Relationship-Management System („CRM System“) oder vergleichbarer Anfragenorganisation gespeichert werden.

Wir löschen die Anfragen, sofern diese nicht mehr erforderlich sind. Wir überprüfen die Erforderlichkeit alle zwei Jahre; Ferner gelten die gesetzlichen Archivierungspflichten.

Hosting und E-Mail-Versand

Die von uns in Anspruch genommenen Hosting-Leistungen dienen der Zurverfügungstellung der folgenden Leistungen: Infrastruktur- und Plattformdienstleistungen, Rechenkapazität, Speicherplatz und Datenbankdienste, E-Mail-Versand, Sicherheitsleistungen sowie technische Wartungsleistungen, die wir zum Zwecke des Betriebs dieses Onlineangebotes einsetzen.

Hierbei verarbeiten wir, bzw. unser Hostinganbieter Bestandsdaten, Kontaktdaten, Inhaltsdaten, Vertragsdaten, Nutzungsdaten, Meta- und Kommunikationsdaten von Kunden, Interessenten und Besuchern dieses Onlineangebotes auf Grundlage unserer berechtigten Interessen an einer effizienten und sicheren Zurverfügungstellung dieses Onlineangebotes gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO i.V.m. Art. 28 DSGVO (Abschluss Auftragsverarbeitungsvertrag).

Erhebung von Zugriffsdaten und Logfiles

Wir, bzw. unser Hostinganbieter, erhebt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO Daten über jeden Zugriff auf den Server, auf dem sich dieser Dienst befindet (sogenannte Serverlogfiles). Zu den Zugriffsdaten gehören Name der abgerufenen Webseite, Datei, Datum und Uhrzeit des Abrufs, übertragene Datenmenge, Meldung über erfolgreichen Abruf, Browsertyp nebst Version, das Betriebssystem des Nutzers, Referrer URL (die zuvor besuchte Seite), IP-Adresse und der anfragende Provider.

Logfile-Informationen werden aus Sicherheitsgründen (z.B. zur Aufklärung von Missbrauchs- oder Betrugshandlungen) für die Dauer von maximal 7 Tagen gespeichert und danach gelöscht. Daten, deren weitere Aufbewahrung zu Beweiszwecken erforderlich ist, sind bis zur endgültigen Klärung des jeweiligen Vorfalls von der Löschung ausgenommen.

Onlinepräsenzen in sozialen Medien

Wir unterhalten Onlinepräsenzen innerhalb sozialer Netzwerke und Plattformen, um mit den dort aktiven Kunden, Interessenten und Nutzern kommunizieren und sie dort über unsere Leistungen informieren zu können.

Wir weisen darauf hin, dass dabei Daten der Nutzer außerhalb des Raumes der Europäischen Union verarbeitet werden können. Hierdurch können sich für die Nutzer Risiken ergeben, weil so z.B. die Durchsetzung der Rechte der Nutzer erschwert werden könnte. Im Hinblick auf US-Anbieter die unter dem Privacy-Shield zertifiziert sind, weisen wir darauf hin, dass sie sich damit verpflichten, die Datenschutzstandards der EU einzuhalten.

Ferner werden die Daten der Nutzer im Regelfall für Marktforschungs- und Werbezwecke verarbeitet. So können z.B. aus dem Nutzungsverhalten und sich daraus ergebenden Interessen der Nutzer Nutzungsprofile erstellt werden. Die Nutzungsprofile können wiederum verwendet werden, um z.B. Werbeanzeigen innerhalb und außerhalb der Plattformen zu schalten, die mutmaßlich den Interessen der Nutzer entsprechen. Zu diesen Zwecken werden im Regelfall Cookies auf den Rechnern der Nutzer gespeichert, in denen das Nutzungsverhalten und die Interessen der Nutzer gespeichert werden. Ferner können in den Nutzungsprofilen auch Daten unabhängig der von den Nutzern verwendeten Geräte gespeichert werden (insbesondere wenn die Nutzer Mitglieder der jeweiligen Plattformen sind und bei diesen eingeloggt sind).

Die Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen an einer effektiven Information der Nutzer und Kommunikation mit den Nutzern gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO. Falls die Nutzer von den jeweiligen Anbietern um eine Einwilligung in die Datenverarbeitung gebeten werden (d.h. ihr Einverständnis z.B. über das Anhaken eines Kontrollkästchens oder Bestätigung einer Schaltfläche erklären) ist die Rechtsgrundlage der Verarbeitung Art. 6 Abs. 1 lit. a., Art. 7 DSGVO.

Für eine detaillierte Darstellung der jeweiligen Verarbeitungen und der Widerspruchsmöglichkeiten (Opt-Out), verweisen wir auf die nachfolgend verlinkten Angaben der Anbieter.

Auch im Fall von Auskunftsanfragen und der Geltendmachung von Nutzerrechten, weisen wir darauf hin, dass diese am effektivsten bei den Anbietern geltend gemacht werden können. Nur die Anbieter haben jeweils Zugriff auf die Daten der Nutzer und können direkt entsprechende Maßnahmen ergreifen und Auskünfte geben. Sollten Sie dennoch Hilfe benötigen, dann können Sie sich an uns wenden.

– Facebook (Facebook Ireland Ltd., 4 Grand Canal Square, Grand Canal Harbour, Dublin 2, Irland) – Datenschutzerklärung: https://www.facebook.com/about/privacy/, Opt-Out: https://www.facebook.com/settings?tab=ads und http://www.youronlinechoices.com, Privacy Shield: https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt0000000GnywAAC&status=Active.

– Google/ YouTube (Google LLC, 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA) – Datenschutzerklärung:  https://policies.google.com/privacy, Opt-Out: https://adssettings.google.com/authenticated, Privacy Shield: https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt000000001L5AAI&status=Active.

– Instagram (Instagram Inc., 1601 Willow Road, Menlo Park, CA, 94025, USA) – Datenschutzerklärung/ Opt-Out: http://instagram.com/about/legal/privacy/.

– Twitter (Twitter Inc., 1355 Market Street, Suite 900, San Francisco, CA 94103, USA) – Datenschutzerklärung: https://twitter.com/de/privacy, Opt-Out: https://twitter.com/personalization, Privacy Shield: https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt0000000TORzAAO&status=Active.

– Pinterest (Pinterest Inc., 635 High Street, Palo Alto, CA, 94301, USA) – Datenschutzerklärung/ Opt-Out: https://about.pinterest.com/de/privacy-policy.

– LinkedIn (LinkedIn Ireland Unlimited Company Wilton Place, Dublin 2, Irland) – Datenschutzerklärung https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy , Opt-Out: https://www.linkedin.com/psettings/guest-controls/retargeting-opt-out, Privacy Shield: https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt0000000L0UZAA0&status=Active.

– Xing (XING AG, Dammtorstraße 29-32, 20354 Hamburg, Deutschland) – Datenschutzerklärung/ Opt-Out: https://privacy.xing.com/de/datenschutzerklaerung.

– Wakalet (Wakelet Limited, 76 Quay Street, Manchester, M3 4PR, United Kingdom) – Datenschutzerklärung/ Opt-Out: https://wakelet.com/privacy.html.

– Soundcloud (SoundCloud Limited, Rheinsberger Str. 76/77, 10115 Berlin, Deutschland) – Datenschutzerklärung/ Opt-Out: https://soundcloud.com/pages/privacy.

Einbindung von Diensten und Inhalten Dritter

Wir setzen innerhalb unseres Onlineangebotes auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (d.h. Interesse an der Analyse, Optimierung und wirtschaftlichem Betrieb unseres Onlineangebotes im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO) Inhalts- oder Serviceangebote von Drittanbietern ein, um deren Inhalte und Services, wie z.B. Videos oder Schriftarten einzubinden (nachfolgend einheitlich bezeichnet als “Inhalte”).

Dies setzt immer voraus, dass die Drittanbieter dieser Inhalte, die IP-Adresse der Nutzer wahrnehmen, da sie ohne die IP-Adresse die Inhalte nicht an deren Browser senden könnten. Die IP-Adresse ist damit für die Darstellung dieser Inhalte erforderlich. Wir bemühen uns nur solche Inhalte zu verwenden, deren jeweilige Anbieter die IP-Adresse lediglich zur Auslieferung der Inhalte verwenden. Drittanbieter können ferner so genannte Pixel-Tags (unsichtbare Grafiken, auch als „Web Beacons“ bezeichnet) für statistische oder Marketingzwecke verwenden. Durch die „Pixel-Tags“ können Informationen, wie der Besucherverkehr auf den Seiten dieser Website ausgewertet werden. Die pseudonymen Informationen können ferner in Cookies auf dem Gerät der Nutzer gespeichert werden und unter anderem technische Informationen zum Browser und Betriebssystem, verweisende Webseiten, Besuchszeit sowie weitere Angaben zur Nutzung unseres Onlineangebotes enthalten, als auch mit solchen Informationen aus anderen Quellen verbunden werden.

Youtube

Wir binden die Videos der Plattform “YouTube” des Anbieters Google LLC, 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA, ein. Datenschutzerklärung: https://www.google.com/policies/privacy/, Opt-Out: https://adssettings.google.com/authenticated.

Google Maps

Wir binden die Landkarten des Dienstes “Google Maps” des Anbieters Google LLC, 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA, ein. Zu den verarbeiteten Daten können insbesondere IP-Adressen und Standortdaten der Nutzer gehören, die jedoch nicht ohne deren Einwilligung (im Regelfall im Rahmen der Einstellungen ihrer Mobilgeräte vollzogen), erhoben werden. Die Daten können in den USA verarbeitet werden. Datenschutzerklärung: https://www.google.com/policies/privacy/, Opt-Out: https://adssettings.google.com/authenticated.

OpenStreetMap

Wir binden die Landkarten des Dienstes „OpenStreetMap“ ein (https://www.openstreetmap.de), die auf Grundlage der Open Data Commons Open Database Lizenz (ODbL) durch die OpenStreetMap Foundation (OSMF) angeboten werden. Datenschutzerklärung: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Privacy_Policy.

Nach unserer Kenntnis werden die Daten der Nutzer durch OpenStreetMap ausschließlich zu Zwecken der Darstellung der Kartenfunktionen und Zwischenspeicherung der gewählten Einstellungen verwendet. Zu diesen Daten können insbesondere IP-Adressen und Standortdaten der Nutzer gehören, die jedoch nicht ohne deren Einwilligung (im Regelfall im Rahmen der Einstellungen ihrer Mobilgeräte vollzogen), erhoben werden.

Die Daten können in den USA verarbeitet werden. Weitere Informationen können Sie der Datenschutzerklärung von OpenStreetMap entnehmen: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Privacy_Policy.

Typekit-Schriftarten von Adobe

Wir setzen auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (d.h. Interesse an der Analyse, Optimierung und wirtschaftlichem Betrieb unseres Onlineangebotes im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO) externe „Typekit“-Schriftarten des Anbieters Adobe Systems Software Ireland Limited, 4-6 Riverwalk, Citywest Business Campus, Dublin 24, Republic of Ireland ein. Adobe ist unter dem Privacy-Shield-Abkommen zertifiziert und bietet hierdurch eine Garantie, das europäische Datenschutzrecht einzuhalten (https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt0000000TNo9AAG&status=Active).

Verwendung von Facebook Social Plugins

Wir nutzen auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (d.h. Interesse an der Analyse, Optimierung und wirtschaftlichem Betrieb unseres Onlineangebotes im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO) Social Plugins („Plugins“) des sozialen Netzwerkes facebook.com, welches von der Facebook Ireland Ltd., 4 Grand Canal Square, Grand Canal Harbour, Dublin 2, Irland betrieben wird („Facebook“).
Hierzu können z.B. Inhalte wie Bilder, Videos oder Texte und Schaltflächen gehören, mit denen Nutzer Inhalte dieses Onlineangebotes innerhalb von Facebook teilen können. Die Liste und das Aussehen der Facebook Social Plugins kann hier eingesehen werden: https://developers.facebook.com/docs/plugins/.

Facebook ist unter dem Privacy-Shield-Abkommen zertifiziert und bietet hierdurch eine Garantie, das europäische Datenschutzrecht einzuhalten (https://www.privacyshield.gov/participant?id=a2zt0000000GnywAAC&status=Active).

Wenn ein Nutzer eine Funktion dieses Onlineangebotes aufruft, die ein solches Plugin enthält, baut sein Gerät eine direkte Verbindung mit den Servern von Facebook auf. Der Inhalt des Plugins wird von Facebook direkt an das Gerät des Nutzers übermittelt und von diesem in das Onlineangebot eingebunden. Dabei können aus den verarbeiteten Daten Nutzungsprofile der Nutzer erstellt werden. Wir haben daher keinen Einfluss auf den Umfang der Daten, die Facebook mit Hilfe dieses Plugins erhebt und informiert die Nutzer daher entsprechend unserem Kenntnisstand.

Durch die Einbindung der Plugins erhält Facebook die Information, dass ein Nutzer die entsprechende Seite des Onlineangebotes aufgerufen hat. Ist der Nutzer bei Facebook eingeloggt, kann Facebook den Besuch seinem Facebook-Konto zuordnen. Wenn Nutzer mit den Plugins interagieren, zum Beispiel den Like Button betätigen oder einen Kommentar abgeben, wird die entsprechende Information von Ihrem Gerät direkt an Facebook übermittelt und dort gespeichert. Falls ein Nutzer kein Mitglied von Facebook ist, besteht trotzdem die Möglichkeit, dass Facebook seine IP-Adresse in Erfahrung bringt und speichert. Laut Facebook wird in Deutschland nur eine anonymisierte IP-Adresse gespeichert.

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Erstellt mit Datenschutz-Generator.de von RA Dr. Thomas Schwenke

OMAN 🇴🇲

Reiseroute 2018

Muscat – Quriyat – Hawiyat Najim Park – Wadi ShabWadi TiwiSurRas Al JinzWadi Bani KhalidWahiba SandsIbraJabreen Castle – Bahla – NizwaAl HamraJebel ShamsMisfat Al AbriyeenSnake GorgeNakhal FortMuscat

Sindbad ist im 21. Jahrhundert
angekommen

Es war einmal ein bitterarmes, abgeschottetes Land, in dem sogar Sonnenbrillen und Radios verboten waren. Obwohl der Oman ungefähr so groß wie Deutschland ist, gab es gerade mal elf Kilometer asphaltierte Straße und ein Krankenhaus. 98 Prozent der Einwohner waren Analphabeten. Das änderte sich schlagartig, als Sultan Qaboos 1970 nach einem unblutigen Putsch die Macht von seinem Vater übernahm. Er entwickelte das Land, das als Heimat des legendären Seefahrers Sindbad gilt, im Eiltempo. Auf den „höher, schneller, weiter“-Gigantismus der Nachbarn Dubai, Abu Dhabi oder Qatar verzichtete er allerdings. Die Omanis haben inzwischen eine super Infrastruktur mit top ausgebauten Straßen und ein kostenloses Gesundheitssystem. Trotzdem müssen sie keine Steuern zahlen. Kein Wunder, dass sie mit dem Sultan zufrieden sind und während des „Arabischen Frühlings“ lediglich Reformen, keineswegs aber die Abschaffung der absolutistischen Monarchie forderten. Immerhin teilt Qaboos seinen wohl märchenhaften Reichtum mit dem Volk, während sich in Deutschland viele Reiche sogar vor den Steuern drücken. Offensichtlich ist der Sultan, dessen Bild (fast) überall hängt, auch ein geschickter Politiker: Er schaffte es nicht nur, die Rebellion in der südlichen Region Dhofar schnell zu beenden, sondern hielt das Land aus den Streitereien anderer arabischer Staaten ebenfalls heraus.

Auch unser einheimischer Guide Said kann z. B. den Streit zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar nicht nachvollziehen: „Wir sind doch alle Araber.“ Ähnlich sieht es bei der Religion aus: „Wir sind doch alle Moslems.“ Ungewöhnlich für uns Westler ist die Sichtweise, dass eigentlich alle Menschen Moslems sind und manche halt in eine andere Religion hineingeboren werden. Tritt dann jemand von denen zum Islam über, nennen sie das nicht „konvertieren“, sondern „revertieren“ (zurückkehren). Die meisten Omanis sind Ibaditen, die eine eher gemäßigte Ausrichtung des Islam leben und dementsprechend tolerant gegenüber anderen sind. Probleme mit Sunniten oder Schiiten haben die Ibaditen nicht. Es gibt keine getrennten Moscheen, alle beten zusammen. „Es gibt auch nur einen Koran“, sagt Said. Dementsprechend finden die Hassprediger vom IS oder andere Fanatiker im Oman keinen Nährboden. Auf der anderen Seite sind die Ibaditen strenggläubig. Said zieht sich regelmäßig diskret zum Beten zurück und schränkt alle Reisepläne der Gruppe mit einem „inshallah“ (wenn Gott will) ein. Alkohol gibt es nur in wenigen lizensierten Bars und Restaurants hinter verschlossenen Türen. Aber für Sauftouristen ist das eher hochpreisige Land ohnehin ungeeignet.

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Von Teebeuteln und Damenbärten

Die große Mehrheit der Omanis kleidet sich traditionell. Während die Kleidung der Männer recht einheitlich ist (s.u.), sieht man z. B. auf dem Markt der Frauen in Ibra an den Händlerinnen und Kundinnen eine größere Bandbreite unterschiedlicher Stile. Die meisten Frauen haben eine Abaya an, eine Art schwarzen Überwurf mit Kapuze. Daneben gibt es voll verschleierte Frauen und Beduininnen, die Gesichtsmasken tragen. Manche sehen damit etwas wie „Catwoman“ aus. Andere, als hätten sie einen Schnurrbart. Die Frauen aus der Umgebung von Ibra hingegen sind sehr bunt angezogen: enge Hosen mit Goldborte an den Knöcheln, darüber eine Tunika und ein Kopftuch, alles verschieden gemustert.

Die Männer haben in der Regel ein „Dishdashah“ genanntes, knöchellanges Gewand an. Meist ist es weiß (vor allem bei Regierungsangestellten), manchmal auch pastellfarben. Vorne baumelt eine kurze Quaste, die parfümiert werden kann. Bei offiziellen Anlässen kommt ein Gürtel mit dem aufwendig verzierten Krummdolch „Khanjar“ hinzu. Auf dem Kopf tragen die Omanis entweder einen Turban (förmlicher) oder eine bestickte Kappe. Oft ist das Outfit farblich perfekt aufeinander abgestimmt.

Während meine weißen Blusen immer schon nach kurzer Zeit schmuddelig sind, wirken die Dishdashahs wie frisch aus der Werbung für den „Weißen Riesen“. Wie machen die das bloß? Sue, eine mitreisende US-Amerikanerin, die in Qatar lebt, antwortet: „Ganz einfach – sie wechseln mehrmals täglich die Kleidung.“ Auf dem staubigen Platz vor einer Werkstatt sehen wir zwei Jungs auf Fahrrädern, deren Dishdashahs sind nicht ganz so fleckenlos sind, wie die der Erwachsenen. Ihre Kopfbedeckungen sind anders. Said erklärt, dass sie versuchen, den Stil der arabischen Emirate zu kopieren.

Auf den ersten Blick mögen die Menschen in der schwarz-weißen Menge ähnlich aussehen. Wenn man jedoch genau hinguckt, sieht man feine Details. Sue zeigt uns bei einem Schneider die verschiedensten Abayas: feierlich mit Glitzersteinchen, streng im Stil eines Blazers, verspielt mit Blüten… Die Kopfbedeckungen der Männer unterscheiden sich deutlich von Land zu Land. Die Qatarer tragen eine kunstvoll gefaltete Art Schleier, an dem sie ständig herumzupfen. Hinten an ihrem weißen Gewand baumeln zwei lange Quasten, weshalb die anderen Araber sie „Teebeutel“ nennen.

Weitere interessante Informationen über Qatar: Während im Oman drei Millionen Omanis und eineinhalb Millionen Ausländer leben, beträgt die Ausländerquote in Qatar 90 Prozent. Es gibt nur ca. 300.000 Einheimische, die nur untereinander heiraten, oft Cousins und Cousinen ersten Grades. Heiratet eine Frau aus Qatar einen Ausländer, verliert sie sofort die Staatsbürgerschaft, will ein Mann eine Ausländerin heiraten, ist das ein enormer bürokratischer Akt. Überall (außer vor Gericht) wird Englisch gesprochen. Manche qatarischen Kinder können kaum noch Arabisch.

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Ach, ist die Wiese schön grün!

Omans Hauptstadt Muscat sieht aus wie geleckt. Die Straße vom Flughafen in die City ist eine Allee – gesäumt von Golfrasen, üppigen Blumenrabatten und unzähligen in geometrische Formen geschnittenen Buchsbäumen. Hier müssen Hunderte von Gärtnern arbeiten. Unser Hotel liegt in Mutrah, in Laufnähe zur Corniche. Die Uferpromenade bietet einen schönen Blick auf den Hafen, in dem zwei riesige sandfarbene Yachten liegen. Es sind keine Kreuzfahrtschiffe, sondern die bescheidenen Bötchen des Sultans. Im nahen Riyam Park, über dem ein überdimensionaler Weihrauchbrenner thront, löst sich bei näherem Hinsehen das Rätsel der unglaublich grünen Wiesen in einem so trockenen Land: Überall in der Erde sind Wasserschläuche verlegt. Unter fast jedem Baum picknickt eine Familie. Am Eingang steht ein Verbotsschild, das u.a. Autos den Zutritt verwehrt. Es ist unübersehbar, dass man sich in einem reichen Land befindet: Das abgebildete Vehikel ist ein Sportwagen.

 

Direkt an der Promenade kann man im „Corniche Restaurant“ gut draußen sitzen. Die Speisekarte ist vielfältig. Ich nehme Fischfilet, Pommes und gegrilltes Gemüse und traue meinen Augen nicht: Da liegt ein halber Rosenkohl auf meinem Teller! Dabei hatte ich vorher mit meinen Kollegen gewitzelt, dass ich dem gruseligen Gemüse im Oman garantiert nicht begegnen werde. „Draußen nur Kännchen“ gilt hier nicht, aber nur alkoholfreies Bier und Mocktails. Mein „Red Bull Mojito“ schmeckt gar nicht übel. Am letzten Abend essen wir in einer anderen Ecke der Hauptstadt wieder lecker. Das Restaurant „Kargeen“ hat einen sehr schönen Garten. Mein gegrilltes Hühnchen kommt tatsächlich auf einem kleinen Holzkohlengrill und brutzelt noch. Drüber liegt Fladenbrot. Als Nachtisch gibts eine Shisha mit Apfelgeschmack.

 

An der Corniche befindet sich zudem der größte Souq des Omans. Der Markt ist verwinkelt und komplett überdacht. Zwischen 13.00 und 16.00 Uhr ist Siesta. Dann haben die meisten Geschäfte geschlossen. Alles duftet nach Weihrauch. Man kann ihn nicht nur verbrennen, sondern auch wie ein Bonbon lutschen, als Medizin für den Magen. Das getrocknete Harz wird aus Bäumen gewonnen, die im Süden des Landes wachsen. Je heller die Knübbelchen sind, desto besser. Der dunklere Weihrauch ist vom Vorjahr. Die Händler sind nicht ganz so aufdringlich wie in Ostafrika, halten einem aber die Ware direkt unter die Nase, vor allem Tücher. Echt Luis Vuitton! Echt Paschmina!

 

Eine weitere Attraktion von Muscat ist die Große Moschee, eine der wenigen, die Nichtmoslems zu eingeschränkten Zeiten betreten dürfen. Sie ist strahlend weiß und scheint regelmäßig abgeschrubbt zu werden. Ihre fünf Minarette stehen für die fűnf Säulen des Islam. 20.000 Menschen können freitags dort beten. Das 2001 eröffnete Gotteshaus wurde vom Sultan finanziert. Und der hat sich nicht lumpen lassen: Besonders beeindruckend ist der Gebetsraum der Männer. Die Wände bestehen aus Carrara Marmor. Auf dem Boden liegt ein persischer Teppich, an dem 600 Iranerinnen zwei Jahre lang geknüpft haben. In der Kuppel hängt ein unglaublich großer Svarowski-Kronleuchter, drumherum baumeln von der mit Schnitzereien verzierten Teakdecke noch 16 mittlere und 18 kleinere. Während ansonsten dezente Kleidung, die Knie und Schultern bedeckt, ausreicht, müssen Frauen in der Moschee auch die Haare verbergen. Ungewohnt! Ständig zupfe ich an meinem Schal herum, außerdem hängt mir immer das Schildchen in den Augen. Said hat uns früh aus dem Bett gescheucht, was sich auszahlt. Als wir gegen 10.00 Uhr gehen, kommen uns Massen von Kreuzfahrt-Passagieren entgegen, in nummerierten Gruppen. Eine trägt gelbe Kappen. Das sieht dämlich aus, ist aber ganz praktisch. Im Gewühl verliere ich kurz meine Gruppe – und den Überblick.

 

Am Nachmittag mache ich Siesta am Qurum Beach, dem längsten Strand in Muscat, und suche mir unter Palmen ein schattiges Plätzchen. Bei der Rückfahrt zum Hotel verfährt sich der Taxifahrer zweimal. Mit meiner Offline-Karte von google maps kann ich ihn schließlich zur richtigen Adresse lotsen. Als wir fast da sind, dämmert es ihm: „Bar? Disco?“ Ja, das Hotel mit der (gut versteckten) Bar. Da ich zuvor mit seinem Boss einen Festpreis ausgehandelt habe (4 OMR statt der geforderten 7), macht mir die kleine Stadtrundfahrt nichts aus.

 

Ein schräges Erlebnis ist das bei Einheimischen sehr beliebte „Muscat Festival“, ein Mix aus Messe, Kirmes und Kultur. Es gibt getrennte Kassenhäuschen für Frauen und Männer. Auch beim Eingang zu einer kleinen Arena, in der gerade Feuerschlucker auftreten, wird sortiert. Auf den Publikumsbänken sitzen dann alle gemischt. Ich lasse mich treiben, lausche traditioneller Musik, staune über einen Stand mit Hochzeitskleidern, die Spaghettiträger haben, und esse ein Crêpe mit Ei, Streichkäse und Chips (!). Weibliche Fahrerinnen sind nicht nur auf den Straßen allgegenwärtig: Im Autoscooter rempelt ein wildes Mädchen die Jungs an. Auf der Musicalbühne tanzt ein Kerzenleuchter zu „Shut Up and Dance With Me“. Nebenan steht ein Eisbär und erschreckt Kinder. Zum Schluss konkurriert ein Feuerwerk mit der unglaublich bunten Beleuchtung.

 

Von Muscat aus fahren wir mit brandneuen Jeeps an der Küste entlang nach Süden. Das Gesetz verlangt, dass die Reiseveranstalter ihre Autos nach drei Jahren ausmustern müssen. Am Straßenrand steht ein Esel, der irgendwie glücklich aussieht. Kein Wunder: Die meisten Esel müssen nicht mehr arbeiten und können herumstreifen. Schließlich erreichen wir die Hafenstadt Sur, wo die traditionellen Schiffe gebaut werden – mit der Hand und aus Teak- oder Iroko-Holz. Auf einer Werft stehen zwei halbfertige Dhaus.

 

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Gut befestigt

Die Nachbarn mögen sich mit Wolkenkratzern gegenseitig überbieten. Im Oman hingegen ist es nicht erlaubt, höher als neun Stockwerke zu bauen, um die Kultur zu bewahren. Auch neue Häuser werden oft im traditionellen Stil errichtet. Die Wassertanks auf den Dächern sind weiß und mit kleinen Zinnen versehen, sodass sie wie Türmchen aussehen. Daneben gibt es viel echt alte Bausubstanz.Vor 1970 kämpften die verschiedenen Stämme regelmäßig gegeneinander. Und zwischen 1500 und 1650 haben die Portugiesen an der Küste vorbeigeschaut. Deshalb sind heute noch überall Stadtmauern, Wachtürme und über 500 Festungen erhalten, die von der Regierung aufwendig restauriert werden. Die Forts Jalali und Mirani, die die Altstadt von Muscat flankieren, darf man nicht betreten. Das Jabreen Castle in der Nähe von Bahla hingegen steht Besuchern offen. Im Gegensatz den Forts war das 1650 erbaute Schloss auch bewohnt. Es hat 55 Zimmer, verteilt auf drei Etagen, Die Haupteingangstür ist bestimmt 20 Zentimeter dick. Über dem Eingang ist ein Loch im Boden. Wenn Feinde versuchten, einzudringen, hat man sie dadurch mit kochendem Öl und Dattelsirup oder Honig übergossen. Das Nakhal Fort kann ebenfalls besichtigt werden.

 

In der ehemaligen Hauptstadt Nizwa steht ein Fort mit einem 34 Meter hoher Kanonenturm im Zentrum und einem über 1000 Jahre alten Souq drumherum. Im Dattelgeschäft gibt es die unterschiedlichsten Sorten von extrem süß bis ziemlich süß – und einen Brotaufstrich namens „Datella“. Ein anderer Shop bietet den traditionellen Nachtisch Hahlwa an. Interessant ist der Kauf von Schmuck: Bei Gold und Silber richtet sich der Preis nach dem Gewicht, ungeachtet des Designs. Fort und Souq wurden von 1985 bis 1995 renoviert und zum Teil ganz neu aufgebaut. Im Gewürzmarkt und einer Ausstellung mit vorher-nachher-Fotos sieht man den ehemaligen Zustand.

 

Im alten Kern von Ibra hingegen sind die meisten der 400 bis 600 Jahre alten Lehmziegelbauten immer noch verfallen. Diese Gebäude gehören nicht der Regierung. Ihre Bewohner sind irgendwann weggezogen, meist in die Hauptstadt. Ähnlich sieht es in Al Hamra und in Misfat Al Abriyeen aus. Da das Klima auf 800 bis 1000 Meter Höhe etwas kühler ist, als in Muscat, sind inzwischen einige der Häuser als Wochenend- oder Sommerresidenzen wiederaufgebaut worden. Misfat liegt idyllisch am Hang und ist von Dattelpalmen-Plantagen umgeben, die von einem uralten System aus „Falaj“ genannten Kanälen bewässert werden.

 

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Wadis zum Waten und
ein riesiger Sandkasten zum Spielen

Angenehm dünn besiedelt, lässt der Oman Platz für Natur. Flüsse haben wunderschöne Täler in die Berge gegraben, von denen wir drei sehen: Im Wadi Shab fließt immer Wasser, auch in der Trockenzeit. Am Ufer stehen Dattelpalmen, 40 verschiedene Sorten. Leider haben mehrere heftige Taifune hier viel zerstört. Daneben liegt Wadi Tiwi. Es gibt sechs Bergdōrfer in dem Tal. Neben Dattelpalmen werden auch Zitronen, Mangos und andere Früchte angebaut. Said stammt aus der Gegend und kennt fast jeden. Seine Familie hat beim letzten Sturm 2009 den größten Teil ihrer Bäume verloren. Obwohl die Regierung in der Nähe neue Siedlungen gebaut und den Geschädigten umsonst zur Verfügung gestellt hat, sind seine Verwandten in ihrem Dorf geblieben. Herrlich zum Baden geeignet ist Wadi Bani Khalid. Das glasklare Wasser in den Naturpools ist angenehm warm. Knabberfische verpassen einem eine kostenlose Pediküre (s. FILM).

 

In Ras Al Jinz, dem östlichsten Punkt der arabischen Halbinsel, wollen wir nachts am Strand Meeresschildkröten bei der Eiablage beobachten. Der Sand ist sehr trocken, zudem ist Vollmond. Trotz der schlechten Bedingungen sucht eine Schildkröte nach einem geeigneten Platz, gibt aber bald auf und kriecht wieder ins Wasser. Mühsam: Sie wiegt 120 bis 160 Kilo, und die muss man an Land erstmal bewegen, wenn die Flossen zum Schwimmen designt sind. In einer Saison gibt es in diesem Strandabschnitt 30.000 Nester mit durchschnittlich 100 Eiern. Aber von 1000 frisch geschlüpften Babys überleben nur fünf.

 

Natürlich darf ein Abstecher in die Wüste nicht fehlen. Als wir uns den Wahiba Sands nähern, wird bei den Jeeps Luft aus den Reifen abgelassen. Sonst hüpfen die Autos im weichen Sand zu sehr. Kurz vor Sonnenuntergang machen wir „Dune Bashing“, d.h. wir brettern mit den Jeeps hoch auf die Dünen (s. FILM). Von oben blickt man auf ein Sandmeer. Zum Abendessen wird u. A. Kamel-Kebab serviert.

 

Auch Hochgebirge hat der Oman zu bieten. Mit knapp über 3000 Metern ist Jebel Shams der höchste Berg. Man darf ihn nicht besteigen, weil sich oben eine militärische Einrichtung befindet. Aber von der Passstraße hat man auf ca. 1800 Meter Höhe einen tollen Blick auf den Gipfel und in den über 1000 Meter tiefen Canyon zu seinen Füßen. Überall laufen langhaarige Ziegen herum. Wir verbringen die Nacht auf der Hochebene. Erstmals in diesem Urlaub habe ich kalte Füße und schlüpfe in meinen Daunenschlafsack. Am Morgen erwache ich bei 12 Grad Zimmertemperatur. Später gehts dann wieder abwärts: Wir fahren offroad runter in eine Schlucht (s. FILM), die „Snake Gorge“ heißt. Nicht, weil dort so viele Schlangen leben, sondern weil sie sich durch die Felsen schlängelt.

 

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HOME, SWEET HOME

DSCHIBUTI 🇩🇯

Reiseroute 2017

Djibouti CityArta Beach (1. Versuch, die Walhaie zu sehen) – Djibouti CityLac AbbéLac AssalVulkan ArdoukobaBay of GhoubbetForêt du Day NationalparkTadjouraObockGodoria MangrovenPlage des Sables BlancsTadjouraDjibouti CityArta Beach (2. Versuch, die Walhaie zu sehen) – Djibouti City

Nicht von dieser Welt

„Wo fährst du dieses Jahr hin?“ – „Dschibuti.“ – „Gesundheit!“ Als ich die Reise Anfang 2017 buche, ernte ich Unwissen (Wo ist das denn?) und/oder Unverständnis (Zwischen Eritrea, Somalia und dem Jemen? Ist das nicht furchtbar gefährlich?). Lange muss ich bangen, bis sich noch drei weitere Leute für den Trip anmelden, der eine Mindestteilnehmerzahl von vier hat. Ich wundere mich. Schnorcheln mit Walhaien, Landschaften, die so außerirdisch aussehen, dass dort „Planet der Affen“ gedreht wurde: Wer würde da nicht sofort hinwollen? Kurz vor meinem Abflug im November setzt die Backpacker-Bibel „Lonely Planet“ das Ländchen, das kaum größer als Mecklenburg-Vorpommern ist und gerade mal 850.000 Einwohner hat, auf Platz vier der zehn besten neuen Ziele 2018. Plötzlich bin ich hip und meiner Zeit voraus. Mein Trip ist längst ausgebucht, der Nächste im kommenden März ebenfalls.

Schon bei der Landung merkt man, dass die ehemalige französische Kolonie (bis 1977) kein typisches Touristenziel ist. Die meisten Ausländer hier sind Soldaten aus Frankreich, den USA, Japan, Deutschland und China, die u.a. die Piraten in der Region bekämpfen. Auf dem Flughafen stehen überall Militärflugzeuge und ein Jet von „Ärzte ohne Grenzen“. Das Hauptgebäude ist winzig. Die Polizisten an der Immigration stehen in Sachen Langsamkeit denen in Madagaskar in nichts nach. Zum Glück habe ich im Flugzeug vorne gesessen und bin als Zweite am Schalter. Außerdem habe ich mir das Einreise-Visum schon in Deutschland besorgt. Mitreisende hingegen erleben einen Schreck in der Morgenstunde, weil Dschibuti angeblich keine Visa mehr bei der Einreise erteilt. Tun sie dann aber doch. So ist unsere zwölfköpfige Gruppe vollzählig. Dazu kommen noch vier einheimische Fahrer, die neben ihrer Muttersprache Afar ein wenig Französisch sprechen, und zwei Guides. Omar stammt aus Dschibuti, spricht gut Englisch, ist aber noch ziemlich jung und unerfahren. Deshalb hat man ihm einen Veteranen zur Seite gestellt. Der Kenianer John hat schon große Teile von Afrika mit Gruppen bereist. Dschibuti ist allerdings auch für ihn Neuland. Zusammen sind die beiden ein perfektes Team.

John erzählt uns, woher Dschibuti (englisch: Djibouti) seinen Namen hat. Als die ersten Franzosen dort eintrafen, fragten sie einen Einheimischen, der gerade kochte, wie das Land heißt. Er verstand natürlich Bahnhof und dachte, sie wollen wissen, was er gerade macht. Seine Antwort: „Dschibuti“ – kochen. Auch auf eine wichtige kulturelle Sache weist uns John hin: Khat. Die Droge wird in Äthiopien angebaut und jeden Tag frisch über die Grenze gebracht. Gegen 13.00 Uhr erreichen die zarten Pflänzchen die Hauptstadt. Dann kommt das öffentliche Leben zum Erliegen. Selbst am Flughafen wird erstmal die Abfertigung eingestellt, um den Tagesvorrat zu besorgen. Vor allem Männer kauen die Rinde, sammeln sie wie Hamster in der Backentasche und aromatisieren schonmal mit Cola oder Erdnüssen. Es ist erst anregend, dann macht es müde. Auch unsere Fahrer besorgen sich regelmäßig ihre Ration und wickeln sie liebevoll in ein feuchtes Tuch, wie ein Baby. John tut ein Bestes, um sie davon abzuhalten, schon während der Fahrt zu konsumieren. Das war beim ersten Trip im Frühjahr wohl nicht so gut gelaufen. Da hat einer der Fahrer die Gruppe wortlos in einem kleinen Nest stehenlassen und ist für 30 Minuten verschwunden, um einzukaufen. Anschließend ist er mit dicken Backen wie ein Henker gerast, um die anderen wieder einzuholen. Der ist bei uns nicht mehr dabei…

Die beiden größten Volksgruppen in Dschibuti sind die aus Somalia stammenden Issa im Süden und die Afar, deren Gebiete wir hauptsächlich bereisen. Außerhalb der Hauptstadt leben die meisten Menschen traditionell als Nomaden. Die moslemischen Afar haben ihre ganz eigene Kultur. Sie sind auf drei Länder verteilt: Eritrea, Dschibuti und Äthiopien, wo das Oberhaupt der Afar, ein Sultan, lebt. Er hält sich aus der Politik weitgehend heraus (zwischen Eritrea und Äthiopien/Dschibuti gibt es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen). Konflikte zwischen einzelnen Afar machen sie in der Regel unter sich aus, wobei die Sharia angewendet wird. Stiehlt jemand eins der vermeintlich frei herumlaufenden Kamele: Hand ab! Wenn ein Afar einen Anderen tötet, schickt der Sultan Ältere, um für Gerechtigkeit zu sorgen. In der Regel wird nicht nur der Mörder bestraft. Seine ganze Familie muss 29 Kilometer auf Knien rutschen und verliert fast den ganzen Besitz. Auch Touristen werden manchmal nach Afar-Art gezüchtigt. Im Camp am Lac Abbé haben sich einmal zwei betrunkene französische Colonel vor den Augen eines Älteren geprügelt. Ein absolutes Tabu! Prompt hat man ihnen zwei Stunden lang die Ellenbogen auf den Rücken gebunden. Als ein Helikopter sie abholte, mussten sie zudem 120.000 dschibutische Francs (rund 575 Euro) zahlen und sich Versöhnungsküsschen auf jede Wange geben.

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Da, wo Afrika sein Horn verliert

DJIBOUTI CITY

Ich komme an einem Sonntag in der Hauptstadt an. Unser Hotel „Menelik“ liegt am zentralen Platz „27 Juin“ Weil der Sonntag hier der erste Werktag der Woche ist (Freitag und Samstag ist Wochenende), tobt draußen das Leben: hupende Autos, rufende Menschen. Obwohl sich direkt gegenüber eine kleine Polizeiwache befindet, gibt es im Eingang einen Metalldetektor und einen uniformierten Wächter, ebenso wie in der benachbarten Sportsbar. Nach dem Kennenlerntreffen macht die Gruppe einen Rundgang durch das europäische und das afrikanische Viertel im alten Kern. Auf einem Markt wird Obst und Gemüse angeboten, das vor allem aus Äthiopien importiert wird. Am Busbahnhof sollen prächtig geschmückte Busse mit Fransen an Außenspiegeln und Scheibenwischern die Kunden anlocken. Die teilweise unbefestigten Straßen mit Abwasserrinnen in der Mitte, wirken hingegen eher ländlich. Unter einem Blechdach sitzen Männer, die um Geld Domino und Karten spielen. Das ist erst ab 50 erlaubt, vorher schreitet die Polizei ein. In einem Laden, der von Flüchtlingen geführt wird, gibt es jemenitisches Kunsthandwerk.

 

Nach der Rundreise checke ich salzverkrustet und mit staubigem Gepäck im einzigen Fünfsterne-Hotel am Horn von Afrika ein: Djibouti Palace Kempinski. Dort bin ich gelandet, weil der Reiseveranstalter den Trip erst bestätigt und sechs Wochen später um zwei Tage verkürzt hat. Der Rückflug war aber schon fest gebucht. Da ich bei marokkanischen Teppichhändlern das Schachern gelernt habe, konnte ich herausschlagen, dass ich die beiden zusätzlichen Nächte hier verbringen darf. Außer dem „Sheraton“, das ohnehin ausgebucht war, gibt es nämlich nur sehr einfache Unterkünfte. Die Mitreisenden, die dasselbe Problem wie ich hatten, wohnen weniger nobel. An meinem letzten Tag habe ich ein echtes Luxusproblem: An welchem der beiden Pools soll ich mich häuslich einrichten? Oder doch lieber an dem kleinen Strand? Aber da darf man nicht baden. Ist zudem voller Algen. Ich wähle den größeren Pool mit Swim-in-Bar. Dort wird klar, warum die Halbinsel, auf der das Hotel steht, „Îlot du Héron“ heißt. Auf der Wiese staksen kleine Reiher herum und trinken zwischendurch aus dem Becken. Ebenso wie die Tauben (kleiner und hübscher als unsere) und die zahllosen Krähen. Abends esse ich eine Pizza für umgerechnet zwölf Euro. Das hatte ich mir teurer vorgestellt. Als ich ins Zimmer zurückkehre, sind meine Toilettensachen liebevoll geordnet. So etwas sind sie nicht gewöhnt! Schräg: Überall in der Lobby stellen fleißige Wichtel die Weihnachtsdeko auf, u.a. mit Schmeemännern. Bei 30 Grad in einem muslimischen Land. Aber die Weihnachtsbeleuchtung im Stadtzentrum hängt ja auch schon. Und direkt vor der Polizeiwache am Platz „27 Juin“ steht ein Glitzerbaum.

 

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KLEINE UND GROSSE BARRA

Im Konvoi mit vier Jeeps verlassen wir die Hauptstadt für eine Rundreise. Zunächst fahren wir an den Terminals des riesigen Hafens vorbei. Ein nagelneuer Terminal wurde gerade von von den Chinesen gebaut. Ebenso wie eine nagelneue Militärbasis (die erste außerhalb von China) und eine nagelneue Eisenbahnlinie nach Äthiopien. Da der Binnenstaat keine eigene Küste hat, kommt der Großteil der Waren über Dschibuti hinein. Dementsprechend sind auf der zweispurigen Hauptstraße nach Äthiopien Massen von Trucks unterwegs. Noch ist die Strecke asphaltiert. Am Rand sieht man Kamele, Ziegen, Esel, Paviane und viele Autowracks. Es geht mitten durch die Wüste: erst durch die kleine, dann durch die große Barra, wo wir einen Fotostopp einlegen. Die ausgetrocknete Ebene ist perfekt für Panoramafotos. Windhosen wirbeln Staub auf. Eine Fata Morgana gaukelt einen See in der Ferne vor. Es sieht extrem heiß aus, ist aber sehr angenehm, da ein kräftiger, warmer Wind weht. Schließlich wird die Gegend hügeliger. Hinter der Stadt Dikhil biegen wir von der Hauptstraße ab. Jetzt beginnt die afrikanische Massage. Eine richtige Straße gibt es nicht mehr. Ab und zu zeigen weiße Markierungen an Felsen, dass man die Richtung noch nicht verloren hat. Die Fahrer brettern querfeldein durch die Wüste. Wir fahren durch ein Dorf. Die Kinder winken. Hier gibt es noch keine Satellitenschüsseln auf den Dächern. Die Nomaden leben in runden Zelten und aus dicken Ästen gefertigten würfelförmigen Hütten. In einer Oase in einer Niederung wird Obst und Gemüse angebaut. Aus den wenigen Bäumen stellen die Anwohner Holzkohle her. Einzelne Gazellen springen vorbei. Der Weg durch die Berge ist ein Härtetest für die Jeeps. Einer hat einen platten Reifen, aber die Fahrer wechseln das Rad schnell. Bei einem anderen fällt der Reservekanister auf dem Dach um. Auf den klebrigen Diesel-Rückständen bleibt der Staub dann besonders gut haften. Ein Hirte kommt uns entgegen. Der Stock, den er auf den Schultern trägt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Gewehr. Auf dem Rückweg (Die Schotterpiste zum Lac Abbé ist eine Sackgasse) hat kurz vor Dikhil ein weiterer Jeep eine Panne. Zum Glück gibt es genug Ersatzreifen. Jedes Auto hat zwei.

 

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LAC ABBÉ

Am Lac Abbé erleben wir einen spektakulären Sonnenuntergang. Die einzige Unterkunft, ein sogenannntes Campment Touristique besteht aus traditionellen Hütten, aber man kann seine Pritsche auch draußen aufstellen. Die klare Nacht ist warm genug, um unter dem Sternenhimmel zu schlafen. Abends tanzen und singen die Jungs im Camp für uns. Wir machen mit. Am nächsten Morgen gehts schon um 5.40 Uhr wieder los. Der Sonnenaufgang steht bevor. Ein Schakal streicht herum. Die Gegend um den See war früher der Boden des Roten Meeres. Heiße Quellen haben Kamine entstehen lassen. Versteinerte Meeresschnecken liegen im Sand. Wir wandern zum See. Es sieht aus wie auf dem Mars. Kein Wunder, dass dies als Kulisse für den ersten „Planet der Affen“-Film diente! Nach wie vor blubbern die heißen Quellen mit 100 Grad. Die Guides blasen Zigarettenrauch hinein, dann qualmt es kräftig. Das Wasser ist sehr schwefelhaltig. Die Einheimischen inhalieren den Dampf, er gilt als gesundheitsfördernd. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig auf dem Boden herumspringen, vibriert alles. Ein Auto würde einbrechen. Durch Salzwiesen und über salzverkrustete Erde laufen wir Richtung Seeufer. Es fühlt sich an wie auf Schnee. Die örtlichen Flamingos sind nur als kleine Punkte in der Ferne zu sehen. Sie befinden sich in der Treibsandzone. Direkt ans Ufer kommt man nicht, weil es zu schlammig wird. Es sieht ein wenig aus, als würde die Erde uns viele Mittelfinger entgegenstrecken und vielleicht tut sie das auch. Der Klimawandel lässt dem See schnell weiter schrumpfen. In der kargen Ebene lassen Afar-Nomaden eine Ziegenherde weiden. Die Frauen sitzen im Schatten eines Felsens. Wir dürfen mit ihnen sprechen (Omar dolmetscht), sie jedoch nicht fotografieren. Verständlich, schließlich sind wir quasi in ihr Wohnzimmer gelaufen. Die Frauen flechten breite Bänder aus Palmwedeln, die zu Matten (Hüttendach) oder Teppichen zusammengefügt werden. Die Großmutter knetet einen Ziegenledersack voller Milch und presst oben Butter heraus. Die Männer sind vermutlich gerade unterwegs, um Khat zu organisieren.

 

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LAC ASSAL

Der Tiefpunkt unserer Reise ist gleichzeitig der Höhepunkt: Lac Assal! Der See befindet sich 150 Meter unter dem Meeresspiegel und ist eines der salzigsten Gewässer der Erde. Obwohl die Sonne bei unserer Ankunft schon untergegangen ist, muss ich hineinhüpfen. Selbst Nichtschwimmer haben hier nichts zu befürchten, das Wasser trägt. Allerdings treibt mich der Wind davon. Wer hier tauchen will, muss sich 50 Kilo auf den Rücken schnallen. Diesmal besteht die Unterkunft nur aus einer Pritsche und dem Sternenzelt. Auf einem salzverkrusteten Hügel suche ich mir ein hübsches, halbwegs ebenes Plätzchen mit Blick auf den See. Nicht einmal Moskitos stören den Schlaf. Am nächsten Morgen weckt mich dann die aufgehende Sonne. Wie bestellt kommt gerade eine Karawane mit sechs Kamelen in der Nähe an. Mehrere Männer beladen die Tiere mit Salzsäcken und singen dabei. Dann ziehen sie los. Zu Fuß, denn die Kamele dienen in Dschibuti nur als Last-, nicht als Reittiere. Die Nomaden haben einen wochenlangen Marsch durch die Berge bis nach Äthiopien vor sich. Das Salz, das sie am Ufer abbauen, kann man auch kaufen, ebenso wie einen salzverkrusteten Ziegenschädel als Souvenir. Mähä, mähä (das bedeutet „gut“ auf Afar und ist unsere Lieblingsvokabel)! Das Bild einer echten Kamelkarawane im milden Morgenlicht ist unwirklich schön und irgendwie aus der Zeit gefallen (s. Film). Und wer weiß, wie lange die Afar noch ihr traditionelles Leben führen können. Denn inzwischen sind die Chinesen auch an dieses entlegene Fleckchen vorgedrungen und haben eine nagelneue Straße gebaut, um den Salzabbau zu rationalisieren. In der Nähe befindet sich eine nagelneue Siedlung für die Arbeiter. Sicherlich komfortabler, als die aus Steinen aufgestapelten Mauern, die sonst als Behausungen dienen. Aber ist das tatsächlich ein Fortschritt? Ich weiß es nicht.

 

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VULKAN ARDOUKOBA

Der Lac Assal ist ganz unten, tiefer kann man auf dem ganzen afrikanischen Kontinent nicht sinken. Von dort aus machen wir eine Wanderung zum Ardoukoba. Es geht über Lavafelder und durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit einzelnen Palmen (daran erkennen die Einheimischen, wo Grundwasser ist). Der letzte Vulkan Dschibutis ist 1977 noch einmal ausgebrochen und bei mehreren Explosionen innerhalb von nur vier Tagen komplett zerlegt worden. Deshalb gibt es in einer Reihe Richtung Äthiopien mehrere Krater, auf die wir kraxeln. Zwar gilt Der Ardoukoba jetzt als erloschen, Unter der Erde brodelt es zwar weiterhin. Wenn es jedoch erneut zu einem Ausbruch kommt, wird ein unterirdisch mit dem Ardoukoba verbundener Vulkan in Äthiopien die Lava spucken. Plötzlich taucht ein französisches Militärflugzeug auf, fliegt über unsere Köpfe, macht eine Kurve und winkt mit den Flügeln. Omar erklärt, dass er die Gruppe bei den Behörden anmelden musste. So haben sie nachgesehen, ob wir ok sind (und vielleicht auch, ob wir nicht irgendwo spionieren). Nach der Wanderung zeigt uns Omar einen langen Riss im Gestein. Wir befinden uns an der Stelle, an der die afrikanische und die arabische Platte auseinanderdriften. Deshalb sinkt die ganze Gegend auch immer weiter ab. Jedes Jahr wird der Riss zwei Zentimeter breiter. An einer anderen Stelle klaffte nach der Explosion des Ardoukoba plötzlich eine 1,20 Meter breite Spalte zwischen den Platten. Ganz so schnell geht es wohl nicht weiter, aber früher oder später wird Afrika sein Horn verlieren und Dschibuti samt Somalia eine Insel sein.

 

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BAY OF GHOUBBET

Am Ende des Golfs von Tadjoura, der sich tief ins Land hineinzieht, befindet sich die Bay of Ghoubbet, in deren Eingang die Teufelsinsel liegt. Einheimische meiden den etwas gruselig aussehenden Felsen komplett. Die ganze Bucht ist verrufen: Erst versuchten die Japaner, dort einen Hafen für den Abtransport des Salzes vom Lac Assal zu bauen, dann die Amerikaner. Beide Projekte scheiterten. Jetzt haben es die Chinesen (wer sonst?) fast geschafft. Aber ständig geht ihr Material kaputt. Für Omar kein Wunder. Er erklärt uns, warum die Insel sogar am jugoslawischen Bürgerkrieg schuld ist. Die Küstenstraße nach Obock wurde zwischen 1986 und 1988 von einem italienischen Unternehmer gebaut. Als Arbeiter heuerte er Sträflinge aus dem damaligen Jugoslawien an, denen im Anschluss die Freiheit winkte. Doch als sie nach zwei Jahren in die Heimat zurückkehrten, kam der Teufel mit und sie fingen an, einander umzubringen… Wir lassen uns davon nicht abschrecken und verbringen in der Bucht eine Nacht im „Campment Touristique Ardoukoba chez Momo“, das von von äthiopischen Immigranten betrieben wird. Es gibt zwar einen Holzverschlag als Klo, aber kein fließend Wasser. Stattdessen wasche ich mich im Meer. Das Schnorcheln an den Lavafelsen, die das Ufer säumen, lohnt sich. Ich sehe Korallen, viele Fische, sogar eine kleine Meeresschildkröte. Ein Problem sind nachher die nassen Sachen. Wie spannt man in einer baumlosen Gegend eine Wäscheleine? Das rostige Bettgestell, das herumsteht, erweist sich als ungeeignet. Schließlich klemme ich einen Stuhl zwischen die Lavabrocken um unser Zelt und spanne die Leine zum Eingang. Der kräftige, warme Wind trocket alles blitzschnell.

 

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FORÊT DU DAY NATIONALPARK

Um zum Dorf Day und dem Nationalpark zu kommen, biegen wir von der Küstenstraße auf einen Holperweg ab. Es geht aufwärts bis auf 1500 Meter Höhe. Unterwegs kommen wir an Hütten vorbei. Einige der runden Konstruktionen haben Plastikplanen übergezogen. Omar erklärt später, dass es in dieser Gegend manchmal Regen fällt. Zwar sind richtig fest aus Palmwedeln geflochtene Matten wasserdicht. Kann die Frau des Hauses hingegen nicht so gut flechten, regnet es ohne Plane durch. Der Bau der Hütten ist wie bei den Massai Frauensache. Alle helfen mit. Unerwartet ist der Anblick eines nagelneues Luxus-Resorts, dass über dem Dorf Day auf einem Hügel thront. Da sich nur wenige Touristen in die Gegend verirren, wurde es schnell wieder geschlossen und dient nun als Gästehaus der Regierung. Unsere Unterkunft ist nicht ganz so komfortabel: Wieder ein Camp, diesmal mit Rundhütten. Nach zwei Nächten ohne fließend Wasser gibt es hier immerhin zwei Blöcke mit je einer Toilette, einem Waschbecken und einer kalten Dusche. Endlich das ganze Salz abwaschen! Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durchs Dorf. Am Wegesrand steht eine mit dem Schlafmohn verwandte Pflanze, die als Droge verwendet wird (Alkohol ist ja für die meisten verboten…). Die örtliche Schule wurde von den UN gebaut. Hier leben nicht so viele streng traditionelle Nomaden, sodass auch Mädchen problemlos die Schule besuchen können. In anderen Gegenden hingegen wehrten sich die Älteren dagegen und mussten mit Geschenken bestochen werden. Dort finden z. T. immer noch Beschneidungen bei Mädchen statt, obwohl das inzwischen offiziell verboten ist. Abens feiern wir mit den Guides, den Fahrern und dem Personal vom Camp am Lagerfeuer eine tolle Party. Wir tanzen uns warm, denn es wird ziemlich kühl. Am nächsten Morgen machen wir einen Rundgang durch den Nationalpark. Der Name „Forêt du Day“ täuscht übrigens. Von dem Wald ist den kargen Bergen nicht mehr viel übrig. Die meisten Bäume sind bereits seit Ende der 80er tot. Ob das Waldsterben durch sauren Regen oder die vulkanische Aktivität verursacht wurde, oder der Wald einfach zu alt war, ist strittig. Jetzt versucht man, die Gegend wieder mit nachgezogenen Bäumen aufzuforsten. Vom Weg hat man einen fantastischen Blick auf die Goda Mountains, die höchsten Berge Dschibutis.

 

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OBOCK

Auf dem Weg nach Obock halten wir im Ort Tadjoura, der auch „weiße Stadt“ genannt wird, und essen im Haus von Omars Tante zu Mittag. In Obock verbringen wir die Nacht in einfachen Hütten direkt am Strand. Sie haben sogar eine Dusche. Warmes Wasser gibt es allerdings nur von 18.00 bis 19.00 Uhr. Im Restaurant der Unterkunft verkaufen sie keinen Alkohol, aber man darf welchen mitbringen. Die Bedienung bittet uns, die leeren Dosen und Flaschen nachher auf jeden Fall selbst in den Abfalleimer zu werfen, da sie sie nicht einmal anfassen darf. Obock selbst ist ziemlich klein. Es liegen viele Plastiktüten herum. Omar erzählt von einem Projekt, bei dem dieser Müll gesammelt, mit Sand gemischt und angezündet wird und dann als Fundament für Häuser dient.

 

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GODORIA MANGROVEN

Hinter Obock endet die Straße. Wieder fahren wir offroad über eine sandige Ebene, die einst der Boden vom Roten Meer war. Die Strecke ist nicht ganz so holprig wie beim Lac Abbé. Immer wieder scheucht unser Jeep Gazellen auf. Schließlich erreichen wir Godoria und fahren mit Booten in den siebtgrößten Mangrovenwald der Welt. Wer möchte, kann sich eine kostenlose Schlammpackung auf die Haut schmieren. Der breite Strand ist absolut narurbelassen und menschenleer. Beim Mittagessen, stellen wir erstaunt fest, dass das Tinkwasser aus dem nahen Jemen stammt. Die Einheimischen machen immer noch Geschäfte mit dem abgeriegelten Bürgerkriegland. Auf dem Rückweg halten wir am zweithöchsten Leuchtturm Afrikas und klettern schnaufend die Treppe hoch. Der Wärter muss die 60 Meter jeden Abend und jeden Morgen rauf und runter.

 

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PLAGE DES SABLES BLANCS

Der Strand gilt als der Schönste Dschibutis und ist tatsächlich sehr hübsch. Er schmiegt sich in eine kleine Bucht und ist von Felsen umgeben. Das Wasser ist klar und türkis, der Grund erst sandig, dann ziehen sich Korallenstöcke durch die ganze Bucht. Ideale Bedingungen zum Schnorcheln! Das kleine Hotel ist unsere bisher beste Unterkunft, das Essen klasse. Der Küchenchef stammt aus Nepal. Sie haben sogar WLAN – manchmal.

 

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TADJOURA

Von Tadjoura aus nehmen wir die Autofähre, die viermal wöchentlich nach Djibouti City verkehrt. Um 11.30 Uhr herrscht am Anleger ein großes Gewimmel. Erst wird entladen. Die Männer sind glücklich: Das Khat ist da! Dann beladen. Weil es keine Roll-on-roll-off -Fähre ist, fahren alle rückwärts hinauf: neben unseren und weiteren Jeeps und einem Militärtruck u.a. auch ein riesiger Laster voller Wasserflaschen. Selbst eine Ziegenfamilie und Feuerholz werden an Bord gebracht. Falls wir irgendwo stranden, muss niemand hungern oder dursten. Die Fähre ist schneller als geplant, da die See außergewöhnlich ruhig ist.

 

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Das Größte kommt zum Schluss:
WALHAIE!

An unserem zweiten Tag bin ich so aufgeregt: Wir haben ein Date mit den größten Fischen der Welt, die sich um diese Zeit im Golf von Tadjoura vor Arta Beach aufhalten. Am Fischereihafen von Djibouti City steigt die Gruppe in zwei Boote. Fischer bieten ihre Ware an, darunter einen Baby-Hammerhai. Wie gerne hätte ich den lebendig gesehen! Wir haben Delfine direkt neben dem Boot, aber trotz intensiver Suche zeigen sich die Walhaie nicht. Stattdessen schnorcheln wir an den Korallen vor der felsigen Küste. Die See ist ziemlich rau. Dementsprechend wird die Rückfahrt gegen die Wellen etwas ungemütlich.

 

Nachdem die Walhaie uns beim ersten Mal versetzt haben, wagen sieben von uns, die noch in der Stadt sind, nach der Rundreise einen zweiten Versuch und fahren wieder mit einem Boot zum Arta Beach raus. Endlich haben wir das ersehnte Ziel vor Augen. Der erste Walhai ist zwar noch recht klein („nur“ ca. 3 Meter lang), aber dennoch ziemlich beeindruckend. Man muss schnell sein: Gesichtet, alle Mann von Bord und hinkraulen. Ich liege an dritter Stelle und sehe zunächst nur die Flossen derjenigen, die vor mir sind. Dann kommt plötzlich ein riesiges Maul auf mich zu. Der Fisch hat gewendet und schwimmt so nah an mir vorbei, dass er mich fast berührt. Mehrere kleine gelbe Fische tummeln sich direkt vor seinem Maul. Auch unter seinen Flossen und um ihn herum suchen andere Fische Schutz. Den Walhai scheint das nicht zu kratzen. Uns ignoriert er ebenfalls. Dann verlieren wir ihn, sichten aber einen etwas Größeren. Der ist allerdings so schnell unterwegs, dass ich nur noch den Schwanz sehe. Immer wieder tauchen die beiden auf. Oder ist sogar ein dritter dort? Wir sind völlig aus dem Häuschen. Anschließend machen wir an einem hübschen Strand, der nur vom Wasser aus zu erreichen ist, Mittagspause. Zuvor schnorcheln wir noch in den vorgelagerten Korallenbänken.

 

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Mähä, mähä: Ich mag Ziegen – lebendig!

Bevor die Araber und später die Franzosen kamen, haben die Afar keine Fischerei betrieben. „Wir wussten gar nicht, dass es Fische im Meer gibt“, sagt Omar. Das traditionelle Essen ist Ziegenfleisch mit Reis. Ziegen sind allgegenwärtig. Sogar mitten in der Hauptstadt laufen sie auf den Straßen herum. Da ich kein Ziegenfleisch mag, hatte ich mich also schon auf eine 14-tägige Reis-Diät eingestellt. Zweimal erwischt es mich auch. Doch insgesamt ist das Essen vielfältiger und besser, als erwartet. Das erste Mittagessen nehme ich in einer Sportsbar schräg gegenüber dem Hotel ein. Das „Time Out“ ist auf italienisches Essen spezialisiert: himmlische, gegrillte Auberginen und Rotwein! Selbst im Camp am Lac Abbé bekommen wir Spaghetti mit Tomatensauce und einen Rinderspieß. Auch das französische Erbe ist immer wieder spürbar: Als Picknick beim Bootsausflug zum Arta Beach gibts am Kiesstrand Baguette mit Hühnchen (für die Vegetarier Thunfisch…), in Dikhil im Restaurant „Palmeraie“ Salat mit French Dressing, ein halbes Hähnchen mit Pommes und als Nachtisch Schoko-Crepe. Am ersten Abend essen wir in Djibouti City im „La Fontaine“, einem äthiopischen Restaurant auf einem Dach. Es duftet fantastisch. Die Gerichte werden auf einem Holzkohlegrill zubereitet. Es gibt u.a. Fladenbrot und eine Art herzhaften Pfannkuchen, scharfe Dips, Hühnchen mit Knoblauch, das auf einem Stövchen vor sich hin bruzzelt, und Rinderhack. Anschließend noch einen Kaffee, bei dem die Bohnen in einer Pfanne frisch geröstet und dann gemahlen werden.

 

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HOME, SWEET HOME

INDONESIEN 🇮🇩

Reiseroute 2017

BALI: UbudSidemenGunung BaturLovina (Schnorcheln am Menjangan Island Reef) – BedugulSanurLOMBOK: Senggigi – MasbagikTetebatuLoyokPringgasela – Labuan Pandan (Schnorchelausflug zu den Inseln Gili Petagan, Gili Pasir, Gili Bidara und Gili Kondo) – SenaruGili Air (Schnorchelausflug zu den Nachbarinseln Gili Meno und Gili Trawangan) – BALI: Serangan

BALI: Tanz auf dem Vulkan

 

Meine Rundreise beginnt im kulturellen Zentrum Balis, in Ubud. Um Mitternacht komme ich an. Es nieselt. Der verwunschene Garten des Hotels ist stockdunkel, der Weg bemoost und glitschig. Ein Froschkonzert empfängt mich. Drei hüpfen mir direkt vor die Füße. Tagsüber hört man vom benachbarten Reisfeld ein lautes Quaken: Laufenten, die Schädlinge vertilgen sollen. Gleich am ersten Tag wandele ich auf den Spuren von Julia Roberts, die im Film „Eat Pray Love“ auf Bali Liebe und inneren Frieden findet. Der Spaziergang führt über die Campuhan Ridge zwischen zwei Flusstälern auf der Höhe langsam bergab bis zu einem altem Tempel. Am nächsten Tag fahren wir mit zwei Kleinbussen raus aufs Land. Am Ceking Rice Field halten wir kurz. Die kunstvoll angelegten Reisterrassen mit einem ausgeklügeltem Bewässerungssystem zählen zum Weltkulturerbe. Wer hier arbeitet, ist ebenso wie die Teepflücker in Sri Lanka sehr fit. In Taro steigen wir auf Fahrräder um und fahren zurück nach Ubud. Der Sattel ist bretthart und mein Hintern klagt. Zum Glück geht es hauptsächlich bergab. Gegen Ende wird der (Links-)Verkehr immer dichter. Wenigstens müssen wir nicht wie auf Sri Lanka durch einen Kreisverkehr.

 

 

Richtung Sidemen werden die Hügel höher und die vor uns aufragenden Felsen schroffer. Bei einer Wanderung durchs Dorf zeigt uns der lokale Guide sein Haus, wo seine Frau gerade per Hand einen Hochzeitssarong webt. Sie braucht dafür 14 Tage. In der benachbarten Weberei entsteht ein Sarong in einer Achtstundenschicht am Webstuhl.

 

 

Der Höhepunkt der Reise – im wahrsten Sinne des Wortes – ist die Besteigung des 1771 Meter hohen Gunung Batur, bei der 700 Höhenmeter überwunden werden müssen. Unser Tag beginnt um 3.00 Uhr. Mit Stirnlampen wandern wir los. Und wir sind nicht die Einzigen: Eine Lichterkette zieht sich durch die Dunkelheit. Es ist extrem staubig, da es wohl länger nicht geregnet hat. Von oben betrachten wir einen herrlichen Sonnenaufgang. Man sieht nicht nur den höheren Vulkan Gunung Agung auf der anderen Seite des Kratersees, sondern sogar den zweithöchsten Berg Indonesiens auf Lombok. Die Sonne scheint nicht am Horizont, sondern direkt aus dem Meer aufzutauchen. Anschließend gucken wir in den Hauptkrater. Es kommt etwas Dampf aus einer Art Kamin. Im Moment schläft Gunung Batur. Der letzte Ausbruch war 2000. Richtig heftig hat sich der Berg 1963 ausgetobt, was man heute noch an einem erstarrten schwarzen Lavafeld sehen kann. (Nur wenig später machte sich der große Bruder mausig und die ganze Gegend wurde evakuiert. Das war knapp!) Die Abstiegsroute ist länger, dafür nicht ganz so steil. Zwischendurch geht es durch Wald.

 

 

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Lovina an der Nordküste. Dank der nahen Vulkane gibt es heiße Quellen im Ort. Das schwefelhaltige Wasser wird auch von den Einheimischen sehr geschätzt und strömt durch drei Becken. Nachher sind wir alle gelb. Der Strand in Lovina ist schwarz und nicht sehr einladend – im Gegensatz zum Strand der vorgelagerten Insel Pulau Menjangan im Nationalpark Bali Barat. Auf dem zentralen Markt findet ein Nachtmarkt mit vielen Garküchen statt, die sehr günstig sind. Die Einheimischen, die keine Lust zum Kochen haben, essen hier. Es wird sehr eng, aber das sagt unser Guide Tantan, ist den jungen Männern willkommen. So können sie mal „aus Versehen“ ein Mädchen Schulter an Schulter berühren.

 

 

Auf dem Weg nach Bedugul halten wir erst an einer kleinen Kaffeerösterei, in der die Reisbauern der Umgebung die Bohnen von auf ihren Feldern wild wachsenden Kaffeesträuchern verarbeiten lassen, dann am Munduk Wasserfall. Der ist 30 Meter hoch und im Moment etwas kleiner. In der dieses Jahr besonders heftigen Regenzeit hat er allerdings eine Brücke und den halben Weg weggerissen. Im nahen Restaurant bietet sich ein schöner Blick von der Terrasse, allerdings weht ein kalter Wind weht hinein. Immerhin sind wir fast auf 1000 Metern Höhe. Im Botanischen Garten in Bedugul besichtigen wir u.a. die Orchideen. Es gibt 300 verschiedene Arten, es ist jedoch keine Blütezeit. In einem Wald steht eine riesige, mehr als 100 Jahre alte Würgefeige. Die darf man nicht erklettern, weil ein Geist darin wohnt. Aber Hochzeitspaare können sich dort fotografieren lassen. Zwei sind „just married“. Eine Braut trägt weißes Kleid und Bikerboots, die andere, offenbar eine Muslima, einen rosa Schleier. Unser Hotel „Strawberry Hill“ macht seinem Namen alle Ehre: Im tropischen Garten wachsen tatsächlich Erdbeeren – unter Folie. Es ist ziemlich kühl und die Früchte auf dem Feld sind noch nicht reif. Einige haben sie aber schon. Die kann man sich z. B. zum Frühstück wünschen.

 

 

Nächste Station ist der Küstenort Sanur. Im Gegensatz zu Lovina ist der Strand hier heller, aber nicht leuchtend weiß. Es bläst ein kräftiger Wind, viele Leute lassen Drachen steigen. Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück. Schwimmen geht nun gar nicht mehr. Fischer waten durchs flache Wasser und ziehen Netze hinter sich her. Nervig ist das Röhren der Jetskis. Auch die Verkäufer, die einem Sarongs u. Ä. andrehen wollen, stören etwas: „Want see my shooop?“ Schön ist, dass am Strand eine Promenade entlangläuft, mit Bars, Restaurants, Hotels und später Privathäusern. Abends essen wir im „Mango Beach“. Sie spielen Reggae. Bei Nacht gefällt mir Sanur besser, als am Nachmittag.

Als ich von Lombok zurückkomme, lande ich südlich von Sanur in Serangan. Da es nur 27 Euro kostet, nehme ich für den Nachmittag ein Hotelzimmer in der Nähe des Fähr-Anlegers. So kann ich duschen, bevor es zum Flughafen geht. Und eine Gepäckaufbewahrung habe ich auch.

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LOMBOK: Nachts sind alle Strände schwarz

Eigentlich wollte ich meine zweite Urlaubswoche auf einem Segelboot auf dem Meer zwischen Bali und der östlichen Nachbarinsel Lombok verbringen. Weil dieser Törn kurzfristig abgesagt wurde, musste ich umbuchen. Stattdessen mache ich einen landbasierten Trip auf Lombok und setze von Bali mit dem Schnellboot über. Bis zu neun Außenborder zähle ich am Heck der Boote. Unseres hat fünf. Wenn einer kaputtgeht, hat man noch vier. Der Fahrtwind ist heftig, aber warm, die See ruhig. Im Gegensatz zur zweieinhalbstündigen Rückkehr von Gili Air vor Lombok nach Serangan auf Bali: Ich ergattere einen Liegesitz auf dem Dach der Kabine. Gemütlich! Aber bald ist Schluss damit. Der Indische Ozean schaut vorbei. Nach kurzer Zeit sind alle auf dem Sonnendeck völlig durchnässt. Ich habe zwar ein Regencape im Rucksack, kann es aber im Fahrtwind nicht überziehen, so sehr flattert es. Zum Glück sind Rucksack und Handtäschchen wasserdicht. Danach ist alles salzverkrustet.

 

 

Wir erreichen die Westküste in Senggigi, dem touristischen Zentrum von Lombok. Es ist deutlich ruhiger als Sanur. Die badende Reisegruppe weckt die Neugier der einheimischen Kinder, die sofort angepaddelt kommen. Lombok ist nur halb so dicht besiedelt wie Bali. Dennoch reiht sich an der Hauptstraße, die quer über die Insel zur Ostküste führt, Haus an Haus und der Verkehr stockt immer wieder. Massen von Menschen sind unterwegs, z. T. prächtig zurechtgemacht. Es ist Sonntagabend. Zwischendurch besichtigen wir das eng bebaute Dorf Masbagik, das ca. 1000 Einwohner hat. Die Spezialität hier ist Töpferei, die meist von Frauen betrieben wird. Erst, als wir unsere erste Übernachtungsstation Tetebatu erreichen, wird es etwas ursprünglicher. Bei einem Spaziergang durch die Reisfelder sehen wir auf einem Feld die Ernte. Die abgeschnittenen Pflanzen werden kräftig ausgeschlagen. Der Rest wird gebündelt und dient als Kuhfutter sowie als Brennmaterial für das Tonbrennen. Die Gegend ist sehr fruchtbar, u.a. wachsen Macadamia-Nüsse, Muskat, Kakao, Kaffee, Vanille, Nelken, Baumwolle und Tabak. Viele auch sehr junge Leute rauchen. Die Regierung hat nichts dagegen, da das die Arbeitsplätze in der Tabakindustrie sichert.

 

 

Schließlich fahren wir mit ein paar Zwischenstopps weiter. Im Ort Loyok zeigen uns die örtlichen Frauen, wie man mit Bambus webt. Auch ich übe mich im Körbchenflechten. Natürlich ist es nicht so einfach, wie es bei meiner Lehrmeisterin aussieht. In Pringgasela bekommen wir ein traditionelles Mittagessen und machen anschließend einen Rundgang. Das Dorf wirkt deutlich wohlhabender als Masbagik. Die wenig attraktive Hauptstraße ist weiterhin durchgehend von Siedlungen gesäumt. Das Fortkommen ist mühsam. Motorräder und Laster zwingen unseren Fahrer zum Kriechgang. Als wir endlich an der Ostküste in Labuan Pandan ankommen, geraten wir in eine Parade zum Unabhängigkeitstag am 17. August, der zwar längst vorbei ist, aber bis zum Ende des Monats gefeiert wird. Der erste Blick auf den öffentlichen Strand ist ernüchternd: schwarz und zugemüllt. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft kommen wir an einem Kohlekraftwerk vorbei. So hatte ich mir das nicht vorgestellt… Das kleine Hotel, das wir für uns haben, hingegen ist hübsch. Die neuen Bungalows liegen direkt am Meer und der Strand ist komplett naturbelassen. Dort verbringen wir nach dem Schnorchelausflug zu den vorgelagerten Inseln einen wundervollen Abend. Die lokalen Guides haben ein Lagerfeuer gemacht, bieten uns hausgemachten Reiswein an, grillen Süßkartoffeln, spielen Gitarre und singen. Nachts sind alle Strände schwarz, aber die lodernden Flammen lassen diesen glitzern.

 

 

Von nun an wird die Bebauung spärlicher, die Gegend immer schöner und hügeliger. Die Straße führt an der Nordküste zwischen dem ebenfalls noch aktiven Vulkan Rinjani und dem Meer entlang. Wir verbringen eine Nacht in Senaru mit einem herrlichen Blick auf das bis zu 3726 Meter hohe Bergmassiv und laufen zu den Wasserfällen Sendang Gile und Tiu Kelep. Man kann darin baden, aber das Wasser ist eiskalt. Der Weg ist abenteuerlich. Zum Schluss waten wir im Fluss durch einen Tunnel.

 

 

Weiter westlich ist die Gegend wieder flach, bleibt aber ländlich. Mit einem kleinen Boot machen wir die kurze Überfahrt zur Insel Gili Air, wo wir zwei Nächte verbringen. Bei einem Schnorchelausflug besuchen wir auch die beiden Nachbarn Gili Trawangan und Gili Meno. Alle Inseln sind autofrei. Hauptverkehrsmittel sind Pferdewagen. An den schneeweißen Stränden ziehen sich jeweils Promenaden entlang, sodass man sie bequem umrunden kann. Während „Gili T.“, die größte, als Partymekka gilt, ist Meno, die kleinste, die urspünglichste der drei. Sie hat auch den besten Badestrand und eine Lagune zu bieten. Gili Air ist zum Baden weniger geeignet, da die Korallen bis zum Ufer reichen und das Meer sehr flach (sprich: bei Ebbe weg) ist. Dafür kann man in den vielen urigen Bars und Restaurants entspannt abhängen und an der Westseite bilderbuchmäßige Sonnenuntergänge betrachten.

 

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EAT: Bananenblätter als Pommestüte

Das Essen ist ähnlich wie auf Sri Lanka und somit sehr gut. Neben Currys gibt es überall die indonesischen Klassiker Nasi Goreng und Mie Goreng (mit Nudeln). In Ubud essen wir in einem Imbiss, in dem sich auch viele Einheimische ihr Mittagessen holen. Wie oft in Südostasien ist das am Vormittag gekochte Essen auf dem Buffet kalt. Also nehme ich nur vegetarische Tempura und Aubergine. Die ist richtig scharf gewürzt. Den dazu gereichten Reis nehme ich zum Löschen. Sehr lecker! Mit Cola kostet das Mahl umgerechnet 1,50 Euro. In Lovina essen wir in einem Privathaus. Es gibt eine große Auswahl an typischen Speisen.

Während einer Wanderung bekommen wir ein köstliches Picknick mit: Nudeln, Reis, geschreddertes Hühnchen, Salat und eine Art Müsliriegel aus Soja und braunem Zucker, dazu scharfe Shrimpsauce. Die anderen beneiden mich um meine Campinggabel, denn Besteck ist nicht mit dabei. Eingewickelt ist das Ganze in Bananenblätter. Man isst bequem wie aus einer Pommestüte. Und umweltfreundlich ist es auch: Die Bananenblätter kann man einfach wegwerfen, sie verrotten. Leider hat sich die Wegwerfmentalität auch bei Plastiktüten gehalten. So sehen wir später im Dorf Masbagik viel Müll, vor allem im kleinen Fluss. Bei einer Durianverkostung am Straßenrand bestätigt ein winziges Stückchen meinen Eindruck aus Borneo. Die Frucht schmeckt nicht ganz so eklig, wie sie riecht, aber irgendwie seltsam. Definitiv nicht mein Lieblingsobst!

Neben gesundem Essen werden auch leckere Drinks wie Turmeric Jamu mit Ingwer und Zitrone angeboten. Cocktails sind zumindest in den touristischeren Ecken ebenfalls zu finden, aber wegen der hohen Alkoholsteuer in Indonesien recht teuer.

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PRAY: 1000 Tempel und 1000 Moscheen

„Einheit in der Vielfalt“ lautet das Landesmotto von Indonesien. Rund 1300 verschiedene Volksgruppen leben auf den 6.044 bewohnten Inseln. Wir besuchen mit Bali und Lombok nur zwei größere und bei Schnorchelausflügen ein paar kleinere von den insgesamt 17.508 Inseln, aber auch die sind total unterschiedlich. Unser Guide heißt Tantan und stammt von Java, Balis westlicher Nachbarinsel. Er sagt, dass er die Einheimischen nicht versteht, wenn sie Balinesisch oder Lombok sprechen, denn seine Muttersprache ist Sunda. Deshalb hat man Bahasa Indonesia als Universalsprache eingeführt. Seit 1972 wird mit lateinischen Schriftzeichen geschrieben. So kann ich die örtlichen Schilder zwar nicht verstehen, aber immerhin lesen.

Atheisten gibt es in Indonesien nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Alle Bürger müssen eine Religion wählen, die in ihrem Pass steht. Und: Es muss eine Religion sein, die nur eine Gottheit verehrt. Für die meisten Indonesier ist das kein Problem. Sie sind Moslems. Der Staat organisiert für die Gläubigen die große Hadsch (40-tägige Pilgerreise nach Mekka) gegen eine Gebühr von 25 Millionen Rupien. Auch Tantan hat sich 2016 registriert und wird laut Warteliste 2034 an der Reihe sein.

Während wir auf die Überfahrt nach Lombok warten, erzählt Tantan etwas über die spezielle Kultur auf Balis östlicher Nachbarinsel. Wenn ein Mann eine Frau heiraten will und die Eltern einen zu hohen Preis verlangen, kidnappt er sie – mit ihrem Einverständnis. Sie schleicht sich im Dunkeln heraus, trifft sich mit ihm und zieht ins Haus seiner Eltern. Dann können ihre Eltern nichts mehr sagen. Strenge Moslems sind zwar dagegen, aber es ist ein uralter, lokaler Brauch und deshalb akzeptiert. In Indonesien dürfen Leute verschiedener Religionen übrigens nicht heiraten. Sie müssen z. B. nach Singapur. Allerdings wird die Hochzeit in Indonesien nicht anerkannt. Manchmal macht die Polizei auf der Suche nach unverheirateten Paaren Razzien in Hotels.

Während Bali die „Insel der 1000 Tempel“ ist (s. unten), wird Lombok als „Insel der 1000 Moscheen“ bezeichnet. Tantan versteht das nicht recht. Er findet es wichtiger, viele Leute in einer Moschee zu haben, als viele Moscheen. In der ältesten Moschee auf Lombok legen wir einen Zwischenstopp ein. Nayan Belek ist ca. 300 Jahre alt und heute eine historische Stätte. Das Gebäude ist quadratisch, sieht mehr wie ein Wohnhaus aus und ist innen ganz schmucklos. Interessanterweise hat es ähnlich wie die Rundhütten der Zulu in Südafrika einen niedrigen Eingang, damit man sich beim Eintreten respektvoll verbeugen muss.

Der Islam in Indonesien unterscheidet sich vom Arabischen. Einige animistische und hinduistische Traditionen haben sich gehalten. Beispielsweise gibt es hier Beerdigungszeremonien, die eigentlich verboten sind. Im Dorf Masbagik fällt auf, dass die meisten Frauen kein Kopftuch tragen. Das haben sie nie getan und sind es nicht gewohnt. Auch, wenn die Bewohner kein Schweinefleisch essen, trinken einige von ihnen den Reisschnaps Arrak. In dieser Region basiert das lokale Gesetz auf der Zahl drei. Deshalb fasten viele Leute im Ramadan nur drei Tage (Anfang, Mitte, Ende) und beten nur dreimal täglich.

Als wir im Dorf Tetebatu ankommen, bin ich so müde, dass ich das Abendessen ausfallen lasse, um nachher an einer Tanzvorführung teilzunehmen. Meine Mitreisenden (alle weiblich) erzählen mir etwas angesäuert, dass es im Restaurant zwar Bier gab (auch, wenn das nicht auf der Karte stand), der Inhaber es aber nicht an Frauen verkaufen wollte. Die Tanzvorführung hingegen ist für alle ein unvergessliches Erlebnis: Eine Marching Band empfängt uns mit Trommeln und Becken. Die Leitmelodie übernimmt eine Art Flöte, die mit Megaphon verstärkt wird. Wir bekommen Fackeln und werden zum Beginn des Zuges komplimentiert. Dann gehts durchs Dorf bis zum Innenhof eines größeren Hauses. Alle Bewohner scheinen auf den Beinen zu sein und begleiten uns. Bei der Tanzvorführung sind wir überrascht: Damenwahl! Dann tanzen zwei Männer miteinander, wobei ihre Bewegungen eher an Karate erinnern. Einer trägt zum rotgoldenen Sarong ein T-Shirt der italienischen Nationalmannschaft. Schließlich fordern die Männer uns Touristinnen (vorher entsprechend eingekleidet) auf, eine nach der anderen. Es gibt kein Entkommen. Die Dorfbewohner schmeißen sich weg vor Lachen.

Besonders interessant ist die Kultur der Suku Sasak. Bei ihnen hat sich alles vermischt: Animismus, Hinduismus und Islam. In Senaru zeigt uns ein weiblicher Guide ein traditionelles Dorf dieser Volksgruppe. Sie selbst hat 16 Geschwister und erklärt nun den jungen Frauen, dass Bildung wichtig ist und sie besser nur zwei Kinder bekommen sollen. Das Dorf besteht aus Bambushütten mit Strohdächern. Die werden heute nicht mehr gebaut, weil man dafür Tropenholz braucht. In den 24 Häusern wohnen mehr als 100 Familien, insgesamt ca. 1000 Menschen. Manchmal leben mehrere Familien in einem Haus, das nur einen Raum hat. Wir besichtigen eins: In einer Ecke befindet sich die Küche (sprich: Feuerstelle), es gibt ein Bett für die Eltern, eine Kammer für die Mädchen. Zwölf Leute schlafen hier. Zarte Frage einer Mitreisenden: Wie können unter diesen Umständen so viele Babys entstehen? Die Lösung: Tagsüber oder in einem Unterstand im Reisfeld. Für Flitterwöchner zieht sich die Familie auch mal aus dem Haus zurück.

Bali ist in Indonesien eine Ausnahme: Hier sind Hindus mit über 80 Prozent in der Mehrheit. Zuerst kamen Buddhismus und Hinduismus in die Region. Die Hindus setzen sich durch und hatten ihr größtes Königreich auf Java. Im 15. Jahrhundert eroberte der Islam die Inseln. Auf Java wurden die Hindus zur Minderheit und flohen nach Bali. Ich hatte immer geglaubt, dass es im Hinduismus viele Götter gibt. Trotzdem wird auf Bali die Forderung der Zentralregierung, nur eine Gottheit zu verehren, elegant erfüllt: Die Hauptgötter Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Bewahrer) und Shiva (der Zerstörer) bilden eine Dreifaltigkeit – und sind somit nur Aspekte desselben göttlichen Prinzips. Ebenso wie alle anderen Götter nur Aspekte dieser Götter sind. Entsprechend der wichtigsten Götter gibt es in jedem Dorf drei Haupttempel. Jeder hat sein eigenes Fest. Nach eigenem Kalender.

In Bedugul besichtigen wir einen der heiligsten Tempel der Insel: den 1634/1635 erbauten Ulun Danu Beratan. Tantan hat sich zur Feier des Tages in Schale geworfen, trägt die traditionelle Kopfbedeckung, ein weißes Hemd und Sarong. Der Fahrer hat Blumen hinter den Ohren. Das Gelände liegt direkt am See. Davor befinden sich zwei kleine Inseln mit Schreinen drauf. Sie haben zig Dächer übereinander, immer eine ungerade Zahl. Einige Gläubige fahren mit einem Boot heraus, um der Göttin des Sees zu opfern. In einem Pavillon sitzen Menschen und singen leise Gebete oder Mantras. Im Park steht ein riesiger Banyanbaum. Der Stamm ist – wie viele Bäume und Statuen auf Bali – mit einer schwarzweiß karierten Schärpe umwickelt, die Yin und Yang symbolisiert. In der Nähe steht eine sehr alte, buddhistische Pagode. Der Haupttempel wirkt vergleichsweise bescheiden: Keine großen, bunten Statuen wie in dem Hindutempel, den wir auf Sri Lanka besichtigt haben. Wer kein Hindu ist, darf hier nicht hinein. Auch von Frauen, die ihre Periode haben, darf er nicht betreten werden. Plötzlich kommt aus dem Haupteingang eine Prozession heraus. Die Frauen balancieren kunstvolle Gebilde auf dem Kopf.

Die Religion ist untrennbar mit dem Alltagsleben verbunden. Man stolpert ständig darüber: Mitten auf dem Bürgersteig vor jedem Haus, jedem Geschäft liegen kleine Körbchen mit Reis, Gemüse, Blüten und Räucherstäbchen. Es sind Opfergaben, die dreimal täglich dargebracht werden. Sie befinden sich auch auf dem Mahlwerk der kleinen Kaffeerösterei, die wir besichtigen, und auf dem Armaturenbrett unseres Minivans. Die Reisfelder haben eigene Schreine, ebenso wie jeder Stand auf dem Zentralmarkt in Lovina.

Bei der Besichtigung eines balinesisches Wohnhauses erfahren wir, wie religiöse Zeremonien das ganze Leben begleiten. Das Haus ist streng nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der Wohnbereich besteht aus einzelnen Pavillons und ist offen. In der Mitte steht ein prachtvolles Bett, in dem jeder der Großfamilie nach einer Zeremonie schlafen kann. Und davon gibt es viele: sechs Monate schwanger, Geburt, mit einem Monat und sieben Tagen erneut. Im Alter von drei Monaten (erst jetzt darf das Baby den Boden berühren), von 1 1/2 Jahren (das Haar wird geschoren), Pubertät, mit 17 Jahren werden die Zähne glattgefeilt: gegen die sechs (!) Todsünden (Motto „straight teeth, straight life“). Anschließend gelten die Kinder als erwachsen. Später noch Hochzeit, zuletzt Beerdigung. Bei Priestern und Adeligen werden die Leichen sofort rituell verbrannt. Manchmal muss man einige Tage auf den richtigen Termin warten. Wenn die Leiche etwas riecht, vertreiben sich die Träger den Geruch mit Arrak und der Leichenzug geht schonmal in Schlangenlinien. Normale Menschen werden aus finanziellen Gründen oft erst nach Jahren und mit anderen gemeinsam kremiert.

Nach der Verbrennung ist der Verstorbene ein Ahne und kann im Familientempel, der zu jedem traditionellen Haus gehört, angebetet werden. Früher hatten die Hindus auf Java eine andere Tradition: Die Toten wurden in einen Baum mit starkem Duft gehängt, der alles übertünchte. Fahrzeuge und Tiere haben wiederum eigene Zeremonien. Überall stehen Körbe mit Hähnen, die für Kämpfe eingesetzt werden. Das ist halb legal (für manche Zeremonien werden Blutopfer benötigt), halb illegal (es wird darauf gewettet).

Die Kultur ist ebenfalls eng mit der Religion verwoben. Ob Malerei, Schnitzerei, Musik oder Tanz: Künstlerische Betätigung hat vor allem den Zweck, die Götter zu erfreuen. Das sehen wir u.a. im kulturellen Zentrum Ubud bei einer Tanzperformance. Im Mittelpunkt steht der berühmte Kecak, der die Geschichte von den Königen Rama und Rahwana, der Ramas Frau Sita entführt, erzählt. Es ist der ewige Kampf zwischen Gut und Böse. Natürlich gewinnt Rama.

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LOVE: Eine Tierwelt zum Verlieben

 

Highlights der Reise sind erwartungsgemäß die drei Schnorcheltage. Von Lovina auf Bali machen wir einen Ausflug nach Menjangan Island. Dort sehe ich den ersten wirklich schönen Strand. Unter Wasser zeigt uns der Guide u. a. einen riesigen Kugelfisch, eine Muräne und findet Nemo.

 

 

Von Labuan Pandan auf Lombok aus fahren wir mit kleinen Auslegerbooten durch raue See zu den vier kleinen Inseln vor der Küste. Bei Gili Petagan sehen wir erst gebleichte und vom Dynamitfischen zerstörte Korallen, dann plötzlich einen fantastischen Garten, in dem auch wieder Clownfische leben. Der Landgang auf Gili Pasir ist nur bei Ebbe möglich, denn bei Flut ist das Inselchen weg. Der Sand ist wegen der roten Korallen teilweise rosa. Auf Gili Bidara machen wir Mittagspause. Dieses Eiland kann in 20 Minuten umrundet werden. Es gibt nur ein paar Fischerhütten, in denen im Moment keiner wohnt. Sie kommen nur ab und zu und pflanzen in der Regenzeit Süßkartoffeln in der Mitte. Im Moment ist es ganz trocken, vor kurzem wüteten Buschfeuer. Man trifft kaum Touristen, nur ein paar Einheimische. Neben uns legt ein Boot an. Zwei Frauen machen sich zum Schnorcheln bereit. Mit Kopftüchern. Den letzten Schnorchelgang machen wir vor Gili Kondo.

 

 

Zu Recht berühmt ist die Unterwasserwelt der drei Gilis im Nordwesten von Lombok. Beim ersten Schnorchelgang vor Meno entdecke ich Schildkröten ganz nah und einen sehr seltsamen Fisch auf dem Boden. Interessant sind auch der „Meno Wall“ und die Statuen, die vor der Küste im flachen Wasser versenkt wurden.Vor Gili Trawangan versucht ein grüner Hummer mit Punkten, einen Einsiedlerkrebs aus der Schale zu pulen. Vor dem Anlegen auf Gili Air springen wir noch einmal ins Wasser. Auf Gili Meno gibt es auch eine Schildkröten-Aufzuchtstation. Am Strand ist zu viel los, deshalb werden die Eier in Sicherheit gebracht und ausgebrütet. Im Alter von acht Monaten dürfen die Kleinen ins Meer. Sie essen sogar Fisch. Ich dachte immer, sie wären reine Vegetarier. Die Jüngsten sind gerade ein paar Tage alt.

 

 

Spektakuläre Landtiere wie Elefanten oder Orang-Utans leben auf Bali und Lombok zwar nicht. Dafür aber lustig aussehende, kleinere Affen mit Punkfrisur. Besonders viele trifft man im Monkey Forrest in Ubud. Dort turnen sie zwischen riesigen Bäumen mit Luftwurzeln und alten moosüberwucherten Tempeln herum. An einem kleinen Teich steckt ein Affe den langen Schwanz ins Wasser und lutscht ihn ab. Man muss aufpassen, dass man nicht auf die Schwänze drauftritt, denn die Affen sitzen auch mitten auf dem Weg. Zudem besteht die Gefahr, auf den allgegenwärtigen Bananenschalen auszurutschen. Ein Affe ist die Bananenspenden der Besucher leid: Er klaut in einem Café gegenüber vom Wald Pommes. Oben auf dem Gunung Batur tummeln sich dieselben Affen wie in Ubud, und sie sind ebenso dreist. Zwei nehmen mich als Zwischenstation, um zu einem Bananenspender zu springen und ziehen mir dabei die Schwänze durchs Gesicht.

 

 

Dann wären da natürlich noch die Gekkos und die etwas größeren Tokehs, die nachts ständig ihre Namen rufen: „gek-ko, to-keh, gek-ko…“ Interessant sind auch die schwanzlosen Katzen, die uns immer wieder begegnen. Bei der ersten denke ich noch: Oh je, die hatte einen Unfall. Aber es ist wohl genetisch bedingt.

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HOME, SWEET HOME

SRI LANKA 🇱🇰

Reiseroute 2017

NegomboAnuradhapura (Ausflug nach Mihintale) – PolonnaruwaDambullaMinneriya NationalparkSigiriyaKandyBandarawelaIdalgashinnaUdaweriyaBambarakanda WasserfallBandarawela – Udawalawe (Elephant Transit Home) – MirissaGalle Colombo

Cuba Libre mit Cojones
und der Rat des Erleuchtetten

Ähnlich wie Thailand ist Sri Lanka Schilda-mäßig ein Hotspot. Meine Sammlung mit schrägen Schildern aus aller Welt wächst weiter. Immer wieder ein Klassiker: Speisekarten. In einem Restaurant bieten sie einen ganz speziellen Cuba Libre an – mit „Drak Rum, Fresh Lime Juicd, Cock“. Der Barkeeper hat offensichtlich Eier! Manche Hinweise sind nicht übermäßig erhellend: „Tote Rate – 36“ an einem Wasserfall lässt sich erst in Kombination mit der englischen Version „Recoded death up to date – 36“ erraten. (Vermutlich sind hier 36 Menschen tödlich verunglückt. Oder Ratten.) Nebulös bleibt auch das Verbot, harmlos aussehende Wasserbecken in einem Park zu betreten: „You may meet with disasters“. (Piranhas? Haie? Flutwellen? Beulenpest?) Ebenso spirituell wie mysteriös ist dieses in Stein gemeißelte Fundstück aus einem Tempel:

Eigentlich habe ich alle Menschen in Sri Lanka (auch die Männer) als sehr freundlich erlebt. Warum also warnt auf dem Bahnhof in Galle ein Schild: „Seid höflich in Gegenwart von Frauen“? Immerhin gibts hier endlich mal Anzeigetafeln, die funktionieren – aus Holz mit Uhren, deren Zeiger man mit der Hand auf die Abfahrtszeit stellen kann. (Liebe Deutsche Bahn, vielleicht wäre das die Lösung eurer Probleme.)

Das coolste TukTuk, das ich je gesehen habe, ist mit Fernseher, Subwoofer, Webcam und Bob-Marley-Lackierung ausgestattet, und in einem Halter neben dem Fahrersitz steckt eine halbvolle Wodkaflasche. Die Fahrgäste hingegen dürfen weder Alkohol noch Gras dabeihaben. (Besteck, Waffen und Hunde übrigens auch nicht.)

Dann wären da noch: Ein armes „nicht Hupen“-Verkehrsschild, das keiner beachtet. Ein Mann, der direkt neben der Mahnung „Dies ist ein heiliger Ort. Bitte benehmen sie sich gut auf dem Gelände“ ungeniert raucht. Ein Rettungsschwimmer, der an einer Tafel mit der Aufschrift „Giftige Tiere. Nicht ins Wasser gehen“ lehnt und Massen von Menschen beobachtet, die genau dies tun.

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Vier Religionen auf einer Insel

Auf der Flagge von Sri Lanka ist rechts ein Löwe, der ein Schwert hält. Er symbolisiert die singhalesische Mehrheit (Buddhisten), der orange Streifen in der Mitte steht für die Tamilen (Hindus), der grüne Streifen links für die Moslems. An unserem Startpunkt, der Hafenstadt Negombo, hingegen sind die meisten Einwohner katholisch. Mein Taxifahrer heißt Anthony nach St. Anton und zeigt mir mehrere große Kirchen und Heiligenschreine mit neonleuchtenden Kreuzen. Nicht umsonst sieht der Ort europäisch aus: Die Kanäle wurden von den Portugiesen begonnen, von den Holländern vollendet.

Unser Guide Kasun ist Buddhist, stammt aber aus einer Familie, in der man mal in die Kirche, mal in den hinduistischen oder buddhistischen Tempel und mal in die Moschee geht. Obwohl viele Menschen auf Sri Lanka solch einen multikulturellen Hintergrund haben, hat das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht immer pro­blem­los funktioniert: Von 1983 bis 2009 herrschte Bürgerkrieg zwischen den Singhalesen im Südwesten und den Tamilen im Nordosten der Insel. Seit dem Ende blüht nicht nur das Land, sondern auch der Tourismus auf. Meine Rundreise konzentriert sich auf die Mitte und den Südwesten. Der Nordosten, der jahrzehntelang gar nicht bereist werden konnte, soll immer noch recht unerschlossen sein.

Im kulturellen Dreieck (s.u.) besichtigen wir vor allem buddhistische Tempel. Einmal machen wir unterwegs aber auch an einem Hindutempel Station, der von einem reichen Tamilen gestiftet wurde. Er ist sehr bunt und dem Gott Skanda gewidmet. Dessen Tier ist der Pfau, von dem zahlreiche lebende Exemplare umherspazieren. Ebenso wie lebende Hühner, die als Opfer in den Tempel gebracht wurden. Am schönsten finde ich aber den Elefantengott Ganesha. Sein Tier ist die Maus. Kasun erzählt uns, warum Ganesha einen Elefantenkopf hat: Sein Bruder Skanda hatte sich in eine Frau verliebt, wusste aber nicht, wie er sie erobern sollte. Der kluge Ganesha hatte eine Idee: „Pass auf, ich verwandele mich in einen Elefanten und erschrecke sie, du rettest sie. Dann verstecke ich mich im Wald und du besprenkelst mich mit Wasser, damit ich mich zurückverwandeln kann. Gesagt, getan. Doch die Frau wurde vor Schreck ohnmächtig. Skanda schüttete ihr Wasser ins Gesicht. Leider reichte das restliche Wasser nicht mehr zum Besprenkeln des ganzen Körpers seines Bruders. Der Kopf blieb übrig. Dumm gelaufen für Ganesha…

In allen Tempeln gilt wieder: Schuhe aus! Meine europäischen Winterfüße, die monatelang in kuschelig-weiche Fellstiefel verpackt waren, werden schlagartig auf den harten Boden der Realität geholt: Kiesel pieken und auf glühend heißem Pflaster frittiere ich mir die Fußsohlen. Immerhin ist hier (im Gegensatz zu Myanmar) wenigstens das Tragen von Socken erlaubt. Ebenfalls verboten sind Kopfbedeckungen. Das gilt auch für Moslems. Einmal kommen uns auf dem Ausgrabungsgelände in Po­lon­na­ru­wa muslimische Mädchen entgegen. Wie bei allen Schulkindern ist ihre Uniform komplett weiß. Zwei tragen Nikab und sehen damit fast aus wie Gespenster (oder Mitglieder vom Ku Klux Klan). Eine besondere Regel, die mir zuvor weder in Myanmar, noch in Thailand begegnet ist: Man darf sich nicht mit dem Rücken zu einer Buddha-Statue fotografieren lassen, woran überall Schilder erinnern.

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Verschollen im kulturellen Dreieck

Die ersten Siedler auf Sri Lanka haben sich in der Gegend mit dem wenigsten Niederschlag niedergelassen. Dort befinden sich die ältesten Städte, die heute archäologische Stätten mit Weltkulturerbe-Status sind. Sie bilden ein Dreieck, dessen Ecken wir zu Beginn unserer Rundtour nacheinander ansteuern:

1. ANURADHAPURA

Als Erstes machen wir einen Abstecher nach Mihintale. Es ist ein Fels, auf dessen Gipfel 1840 Stufen führen. Daneben befindet sich die Kantaka Stupa aus dem 3. Jh. v. Chr., umgeben vom wohl ersten Naturschutzgebiet der Welt: Nachdem der damalige König zum Buddhismus konvertiert war, wollte er die Tiere nicht mehr töten und stellte seine Jagdgründe unter Schutz.

Die archäologische Stätte in Anuradhapura erkunden wir mit dem Fahrrad. Aber erstmal hinkommen! Der Weg vom Hotel führt durch drei Kreisverkehre. Und das mit Linksverkehr. Der Zweite ist besonders wuselig. Auf dem Hinweg verliere ich den Anschluss an die Gruppe, weil Autos kommen und kriege die Krise. Auf dem Rückweg verliere ich einen Schuh und kriege nochmal die Krise. Es ist ein sonniger und heißer Tag und selbst mir ist warm. Als wir im Hotel sind, falle ich erstmal in den Pool. Herrlich! Aber die Mühen lohnen sich: Wir besichtigen beispielsweise die Jathawanaramaya Stupa, einst das dritthöchste Gebäude der Welt. Sie wurde um 380 n. Chr. gebaut, ist also 600 Jahre jünger als die Kantaka Stupa in Mihintale. Besser renoviert ist die Mahavihawihara Stupa, die gleich mehrere Reliquien von Buddha enthält. In der Nähe befindet sich ein Ableger des mythischen Bodhi-Baumes, unter dem Buddha erleuchtet wurde. Er gilt als ältester Baum der Welt und wird wie ein Gott verehrt. Eine besonders interessante, gut erhaltene Buddha-Statue sehen wir im Komplex Abayagiriya. Der Gesichtsausdruck ändert sich je nach Blickwinkel: Von Links lächelt er froh, von der Mitte milde und von Rechts traurig. Am Elephant Pond genießen wir ein fantastisches vegetarisches Picknick und probieren erstmals einen Salat aus Bananenblüten.

2. POLONNARUWA

Wieder steigen wir aufs Fahrrad. Diesmal gibts auf dem Weg vom Hotel nur einen haarigen Kreisverkehr zu überwinden. Dafür drängt mich auf dem Rückweg beinahe ein mit Soldaten beladener Truck von der Straße. Außerdem klingeln einem vom allgegenwärtigen Hupkonzert die Ohren. Obwohl fast 1000 Jahre alt, ist Polonnaruwa deutlich jünger als Anuradhapura. Nach der Unabhängigkeit Sri Lankas 1984 wurde mit der Restaurierung begonnen. Highlight des Komplexes ist der Rock Temple mit vier in den Fels gemeißelten, riesigen Buddhas. Ebenfalls interessant: das heilige Viereck. Es besteht aus einem Meditationszentrum und drei Tempeln, die von drei Königen nacheinander für die Zahnreliquie gebaut wurden, die inzwischen in Kandy verwahrt wird. Vom ehemaligen königlichen Palast sind nur zwei Etagen übrig. Das Gebäude hatte sogar einen Swimmingpool mit Umkleideraum und ein Klo mit Sickergrube. Ein Stausee sorgte für frisches Wasser. Am Ufer befinden sich Reste des Rathauses, wo das (vom König, nicht vom Volk gewählte) Ministerkabinett tagte.

In der Nähe von Polonnaruwa befinden sich zwei weitere Sehenswürdigkeiten. Der Tempel in Dambulla besteht aus fünf Höhlen voller Buddha-Statuen – stehende, sitzende und liegende. Bei den liegenden Buddhas muss man auf die Zehen achten, erklärt uns Kasun. Sind sie direkt übereinander, ist er verstorben und bereits im Nirwana. Sind sie versetzt, schläft er nur. Schwieriger zu deuten sind die verschiedenen Handgesten. Eine erhobene rechte Hand mit der Fläche nach außen z.B. heißt nicht „stop“, sondern, dass Buddha keine Angst vor dem Tod hat. Was hingegen die Statuen sagen wollen, die einem eine Art Stinkefinger entgegenrecken, weiß man nicht.

Die Felsfestung Sigiriya ist von Gärten umgeben. Erst wohnte hier der König. Später war das Ganze ein Kloster, dann fünfhundert Jahre lang in Vergessenheit geraten. Kasun jagt uns so früh aus dem Bett, dass wir um sieben Uhr zur Öffnungszeit dort sind. Eine weise Entscheidung: Als wir von der Besichtigung zurückkehren, steht eine Riesenschlange im Eingangsbereich.

3. KANDY

Bevor wird in der Stadt ausgesetzt werden, gibt Kasun Tipps zum Einkaufen: Handeln und den Händler kommen lassen – „Es ist wie fischen. Lass den Fisch den Job machen.“ Kandy liegt von Hügeln umgeben auf 528 Metern Höhe an einem See. Aber so idyllisch, wie es wirkt, war das Leben wohl nicht immer. Ein Friedhof aus der englischen Kolonialzeit zeigt, dass die meisten Menschen damals jung gestorben sind. Ein alter Mann kennt die Geschichte jedes Verblichenen. Einer ist von einem Elefanten totgetrampelt worden, ein anderer ließ sein Leben beim Versuch, einem Elefanten davonzulaufen – Hitzschlag. Sehr sinnig finde ich die Inschrift auf einem Grabstein (Rechtschreibfehler inklusive): „Man appoints but god can disapoint“.

In Kandy befindet sich das größte Heiligtum in Sri Lanka, der Zahntempel. Die Reliquie von Buddha wird in einem Schrein im ersten Stock ausgestellt. Es herrscht großer Andrang. Im Erdgeschoss ertönt wilde Musik von einem Trommler und und einem Flötisten, der wie ein Schlangenbeschwörer spielt. Einmal im Jahr findet eine Prozession statt, bei der ein Elefant den Schrein abwechselnd zu einem der beiden benachbarten Tempeln trägt.

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Im Hochland:
Wandern und Tee trinken

Auf Sri Lanka gedeihen 101 Reis- und 48 Bananensorten. Die Briten fingen an, dort Kaffee anzubauen, aber Moskitos liebten die Büsche und brachten Malaria auf die Insel. Deshalb stieg man auf Tee um. Heute befindet sich der größte Teemarkt der Welt in Colombo. In Kandy besichtigen wir die Teefabrik Geragama, die 1903 gebaut wurde und nur schwarzen Tee produziert. Die frisch gepflückten Blätter werden zunächst 24 Stunden ausgebreitet, anschließend mehrmals in einem Kessel mit wachsendem Druck gerollt und geschüttelt. Dabei sortieren sich verschieden große Teile bis hin zum Dust (Staub), der schlechtesten Qualität, heraus. Es folgen Fermentation und Oxidation. Der Abfall dient als Dünger. Grüner Tee kommt vom selben Strauch, wird nur nicht fermentiert. Nach der Führung machen wir eine Teeprobe mit Orange Pekoe. Statt Zucker gibts dazu Palmsirup, den man nicht hineintut, sondern vorher lutscht.

Als im Hochland die Teeplantagen angelegt wurden, weigerten sich die Singhalesen, dort zu arbeiten. Also holten die Briten arme Tamilen aus Südindien ins Land. Sie liefen von der Küste zu Fuß, wobei zwei Drittel unterwegs starben. Die Tamilen im Norden schauen auf die im Hochland hinab, weil sie einer niedrigen Kaste angehören. In den Bergen begeben wir uns auf eine zweitägige Wanderung durch die Plantagen. Es sind Kooperativen. Männer pflegen die Sträucher, Frauen pflücken den Tee. Arbeitsbeginn ist um 7.30 Uhr, 10.30 Teepause, 14.00 Mittagessen, 16.30 Feierabend. Sie verdienen 1000 Sri-Lanka-Rupien pro Tag (ca. 6 Euro) und gehen mit 55 Jahren in Rente. Einmal kommen wir durch eine organische Teeplantage mit männlichen Pflückern. Auch wir machen jeden Morgen eine Teepause mitten in einer Plantage.

Startpunkt unserer Wanderung ist die kleine Bahnstation Idalgashinna. Es hat die ganze Nacht durchgeschüttet. Wolken liegen wie Wattebäuschchen über den Tälern. An einem Baum vollführt unser lokaler Guide Raj ein hinduistisches Ritual. Jeder bekommt einen roten Punkt auf die Stirn. Es ist ein drittes Auge, das Schutz bieten soll, z. B. vor den Wildschweinen, die in den Wäldern leben. Erstmal gehts bergauf. Es bieten sich immer wieder tolle Aussichten. Der höchste Punkt ist ein Pass auf fast 2000 Metern. Insgesamt laufen wir an sieben Dörfern vorbei. In Udaweriya übernachten wir im Gästehaus „Misty Mount Lodge”. Der Name ist sehr passend: Vom Garten aus sieht man den Nebel aufsteigen und wieder runtergehen. Die Unterkunft ist einfach. In unserem Zimmer stehen fünf Betten nebeneinander, sonst nichts. Den geräumigen Aufenthaltsraum haben wir für uns, es gibt keine anderen Gäste. Abends holen die Guides zwei Bongotrommeln heraus. Alle singen und tanzen.

Am nächsten Morgen brechen wir zum zweiten Teil der Wanderung auf. Zunächst ist es sonnig, dann fängt es an zu regnen, wieder Sonne, erneut ein heftiger Guss. Eine Mitreisende hat sich aus der Plastiktüte für Schmutzwäsche, die im letzten Hotel auslag, ein Rucksack-Cover gebastelt. Ich verschwinde samt Tagesgepäck unter meinem riesigen orangeroten Regencape. Von weitem sehe ich repektabel aus (dieselbe Farbe tragen viele buddhistische Mönche), von der Seite mehr wie ein Huhn. Endpunkt der Wanderung ist der Bambarakanda Wasserfall, der mit 241 Metern der höchste in Sri Lanka und Nr. 65 in der Welt ist. Nach dem Mittagessen bringt uns der Minibus zurück ins Hotel nach Bandarawela. Die Kurven auf der Straße sind so eng, dass der Fahrer manchmal zurücksetzen muss. An den Steilhängen sieht man die Folgen von Abholzungen und Einführung fremder Baumarten wie Eukalyptus und Kiefer: in der Regenzeit Erdrutsche, in der Trockenzeit Buschfeuer. Am nächsten Tag besichtigen wir im Touristenort Ella einen weiteren Wasserfall. Dann gehts bergab – zur Küste.

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Die Küste: Meeresschildkröten
und Mensch am Spieß

Als wir den Küstenort Mirissa erreichen, springen wir erst einmal ins Meer. Unser Hotel „Silanmo” ist nur von der stark befahrenen Straße vom Strand getrennt und liegt schön am Hang. Nach dem Essen gehts in eine der zahlreichen Strandbars. Jeden Abend fungiert eine andere als Disco, was mit einer weithin sichtbaren Lichtshow markiert wird. Eine riesige Meeresschildkröte kommt aus dem Wasser, um mitten im Getümmel ihre Eier abzulegen. Am nächsten Morgen will ich unbedingt die Blauwale sehen, die hier vor der Küste leben. Dummerweise versagt der Wecker und freiwillig wird mein Körper nicht rechtzeitig zur Abfahrt um 5.45 Uhr wach. Zum Trost gehe ich mit Schildkröten schnorcheln (s. Film) und gönne mir dann eine einstündige Deep-Tissue-Ganzkörpermassage im „Secret Root Spa“, das in einem verträumten Garten abseits der Straße liegt.

Der Weg zur Stadt Galle ist nicht weit und führt an der Küste entlang. Bei den berühmten Stelzenfischern halten wir kurz. Heute posieren sie allerdings nur noch für die Touristen und baden einen gefangen Fisch ein paar Mal, bevor sie die Angel wieder auswerfen. Einer füttert die Krabben, die zwischen den Felsen herumwieseln. Ich frage mich, warum die Männer auf Baumstämmen hocken und sich aus dem Holz nicht eine bequemere Plattform bauen. Für Haie muss das Ganze wirken wie Mensch am Spieß. Fischer-Kebab. Wahrscheinlich schmeißen sie schon den Grill an.

Galle war mal portugiesisch, holländisch und englisch. Die komplett erhaltene Altstadt ist von einem Fort umgeben. Nicht einmal der verheerende Tsunami von 2004 konnte dessen dicken Mauern und dem Wall, auf dem man rundherum laufen kann, etwas anhaben. Am Straßenrand stehen Oldtimer. Unser „Frangipani Motel” ist wie die Nachbarhäuser ein sehr hübscher Kolonialbau. Nur die Mickymaus-Vorhänge vor dem Zimmerfenster passen nicht ganz ins Bild.

Die Reise endet in der Hauptstadt Colombo. Die kann zwar mit spektakulären Orten wie Havanna oder Sydney nicht mithalten, hat aber durchaus einige interessante Gebäude zu bieten: Das Opernhaus beispielsweise hat die Form einer Lotusblüte. Das Rathaus ähnelt dem weißen Haus. Daneben befindet sich ein schöner Park, in dem eine prächtig geschmückte Braut für einen Fotografen posiert. Etwas makaber: das „World Trade Center“, ein Hochhaus mit Zwillingstürmen. Unser Hotel „Zmax Fairway“ ist nagelneu und liegt zentral im Fort-Distrikt gegenüber vom alten Dutch Hospital, wo im Innenhof abends live eine Band spielt. Gut, dass ich im Hotel nicht mehr schlafen muss, weil mein Flug schon so früh am nächsten Morgen geht. Die Bässe der umliegenden Bars und Clubs wummern in mein Zimmer.

Am Nachmittag laufe ich mit meiner Mitreisenden Olivia zum örtlichen Strand, der winzig, aber dafür umso voller ist. Badebekleidung wird überbewertet: Die Menschen gehen einfach so ins Wasser – die Schulkinder mit ihren strahlend weißen Uniformen, die Lehrerinnen mit eleganten Saris, eine Muslima im schwarzen Gewand samt Schleier. Unterwegs werden wir immer wieder von Tuk-Tuk-Fahrern angesprochen, die trotz höflicher Ablehnung ihrer Dienste hartnäckig im Schritttempo neben uns herfahren, um unsere Meinung zu ändern. Auffällig gut gekleidete Herren machen erst etwas Smalltalk und erzählen dann von einem einmalig günstigen Sale („Nein danke, ich kaufe lieber teuer“), einer Ausstellung („Nein danke, ich hasse Kunst“) und einer Elefantenzeremonie („Nein danke, ich bin allergisch gegen Elefanten“). Ein Paar aus unserer Gruppe wird zum Geburtstag eines fünfjährigen Mädchens eingeladen. Wahrscheinlich findet all das im selben schäbigen Shop statt, den kein Tourist freiwillig betreten würde…

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Elefantös und affig

Auf Sri Lanka gibt es noch viele wilde Elefanten. Da die Insel dicht besiedelt ist, kommt es oft zu Konflikten mit Dorfbewohnern. In den letzten 15 Jahren hat das fast 2000 Elefanten und 836 Menschen das Leben gekostet. Am besten kann man die grauen Riesen in den Nationalparks beobachten: Im Minneriya NP sehen wir gleich zwei Herden. Auch im Udawalawe NP grasen direkt neben der Straße zwei Dickhäuter. Ein Elektrozaun hält sie von der Fahrbahn fern. Verwaiste oder verletzte Tiere werden im benachbarten Elephant Transit Home aufgezogen und später wieder ausgewildert. Bei dem kleinen Elefanten, der eine Beinprothese trägt, ist das allerdings nicht möglich. Um 12.00 Uhr kriegen alle ihr Futter. Erst Milch, dann Blätter. Sie kommen mit wippenden Ohren angerannt (s. Film). Einige nehmen nachher noch ein Bad, obwohl es ohnehin wie aus Kannen schüttet. Das Zentrum wird von der Regierung geleitet. Dazu gehört ein Museum mit interessanten Elefantenfakten wie: „Babys trinken bis zu 11,4 Liter Milch täglich und lutschen an ihren Rüsseln wie Menschenkinder am Daumen.“

Allgegenwärtig sind Affen verschiedener Arten, von denen die meisten ziemlich seltsame Frisuren haben. Denen ist nichts heilig: weder die archäologischen Stätten, noch die Tempel. In Dambulla beispielsweise hat man zur Abschreckung das obere Ende des Zauns unter Strom gesetzt. Also quetschen sie sich durch die quadratischen Maschen darunter und schaffen es sogar in einen verschlossenen Papierkorb. Einige Exemplare trinken aus einem Wasserhahn. Sie können ihn auf- und zudrehen. In Kandy lauern die Biester im ehemaligen königlichen Garten, dem Udawattakele Royal Forest Park, schon am Eingang auf Touristen. In den Hotels warnen Schilder vor ihren Langfingern. In Mirissa taucht die Affenbande morgens auf dem riesigen Balkon auf (s. Film). Ich kann gerade noch die Tür schließen, da hat der Erste schon die Pfoten an der Scheibe.

Das Nationaltier von Sri Lanka ist allerdings weder ein Elefant, noch ein Affe, sondern das Riesenhörnchen. Daneben sehe ich viele gestreifte Palmenhörnchen. Eins trinkt in einem Tempel respektlos aus einer Opferschale. In Polonnaruwa beobachte ich im Hotelpool erstmals einen schwimmenden Gecko. Die Klebefüßchen tragen ihn über das Wasser und der Schwanz rudert.

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Ayurveda und Curry

Bei reichen Städtern ist es heute ein Statussymbol, bei Krankheiten in eine Privatklinik zu gehen. Unser Guide Kasun jedoch sucht lieber einen Ayurveda-Arzt auf. Es gibt drei Elemente im Körper, erklärt Kasun. Geraten die aus dem Gleichgewicht, wird man krank. Ziel ist also, alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Erst gibt der Doktor ein Medikament, das die Krankheit verstärkt, dann eins, um sie zu kontrollieren, dann eins, um sie an der Wurzel auszurotten. Die traditionelle Medizin Sri Lankas ist keine Hexerei, sondern arbeitet vor allem mit Heilpflanzen. In einem Gewürzgarten erfahren wir etwas über die Einsatzmöglichkeiten von Zimt, Sandelholz, Muskatnuss, Aloe Vera & Co.

Zum Glück dienen die Gewürze nicht nur als Heilmittel, sondern peppen auch das Essen auf. In Bandarawela zeigt uns eine Frau in einem Privathaus, wie sie kocht. Zuerst setzt sie braunen Reis auf und segnet ihn. Die Singhalesen haben großen Respekt vor den Nahrungsmitteln, deshalb findet man in Sri Lanka auch kein Street Food. Schließlich bereitet die Herrin des Hauses verschiedene Currys zu: Huhn, Fisch, Kartoffeln, Aubergine und zwei Gemüsesorten, die ich noch nie gesehen habe. Alle Zutaten sind frisch. Sogar die Kokosmilch stammt nicht aus der Dose, sondern wird mühsam einer Kokosnuss abgerungen: Wir helfen dabei, das weiße Fruchtfleisch von der Schale zu raspeln und auszupressen. Die Flocken werden mit Chili zu Sombol verarbeitet. Bei den Currys kommt (anders als bei der Koch-Demonstration auf Borneo) keine fertige Paste zum Einsatz, sondern zig verschiedene Gewürze werden jeweils zusammengemischt. Immer mit dabei sind etwas Tamarind, das Bakterien abtötet, und Curryblätter. Es duftet fantastisch. Auch in den Restaurants essen wir oft ebenso günstig wie gut. Mein Lieblingsgericht heißt „Chop Chop“ (manchmal „Kottu“ genannt). Es besteht aus kleingehackten Roti-Fladen, Gemüse und Ei. Die Zubereitung ist, wie der Name schon andeutet, ohrenbetäubend. Üblicherweise essen die Einheimischen mit den Fingern der linken Hand. Dabei darf der Reis nicht über die mittleren Gelenke kommen, lernen schon die Kinder. Das Essen ist oft nur lauwarm. Klar: Keiner will sich die Finger verbrennen.

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Bahn, Bus und TukTuks

Den größten Teil der Strecke reisen wir in einem privaten Minibus. Zwei Teilstücke allerdings legen wir mit dem Zug zurück. „Bereits im Jahr 1867 fauchten die ersten Dampfrosse von Colombo ins Hochland (…). Noch heute lässt die Trasse die Herzen aller Eisenbahnfans höher schlagen“, schwärmt mein Merian-Reiseführer. Wir fahren in sechs Stunden von Kandy nach Bandarawela. Zunächst gehts durch Ortschaften, dann windet sich die eingleisige Strecke durch Teeplantagen und Bergregenwald. Die gefederten Waggons schaukeln sanft hin und her. Es regnet leicht. Die Türen lassen sich während der Fahrt problemlos öffnen. Überall gucken Fahrgäste heraus. Kaum weniger berühmt ist die Bahnstrecke von Galle nach Colombo, die z.T. direkt am Meer entlangführt. Leute im Gleis? Das ist hier kein Thema: An einigen Stellen benutzen die Anwohner einen Abwasserkanal neben dem Gleis als Bürgersteig. Diesmal sind die Waggons ziemlich alt. Die Klimaanlage besteht aus einer Batterie Ventilatoren an der Decke, die nicht funktionieren. Dafür sind die Fenster offen. Der Zug hat in der Regel eine halbe Stunde Verspätung. An diesem Tag ist er pünktlich. So ist müssen wir auf unseren Minibus warten.

Ein Erlebnis sind auch unsere beiden Fahrten mit Linienbussen von Anaradhapura nach Polonnaruwa und von dort weiter nach Dambulla. Der erste Bus hat Spitzendeckchen mit Plastiküberzug auf den Sitzen, im Hintergrund läuft ein Radiosender mit bollywoodartiger Musik. Außerhalb der Städte dreht der Fahrer richtig auf und scheucht alle anderen mit der Hupe vor sich her. Kurven nimmt er so sportlich, dass wir fast von den sehr schmalen Sitzen rutschen. Der zweite Bus hat keine Spitzendeckchen, aber dafür ein noch kräftigeres Soundsystem, das locker den ratternden Motor übertönt.

Wer den Hauch des Todes spüren möchte, sollte in ein TukTuk steigen. In Kandy bringen drei der Höllenmaschinen die Gruppe vom Abendessen zurück ins Hotel, das oben am Berg liegt. Dabei liefern sich die Fahrer ein Wettrennen. In Colombo gibt unser Chauffeur auf dem Rückweg vom Restaurant trotz des irren Verkehrs Vollgas und nagelt zentimetergenau an den anderen TukTuks vorbei.

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NUR FLIEGEN IST SCHÖNER

„Als wie wennze fliechs“ – so bezeichnet man im Ruhrgebiet gerne ein besonders tolles Erlebnis. Allerdings ist das Fliegen selbst nicht immer so toll.

Hier meine persönlichen Flop 3 der Flughäfen:

1. Antananarivo

Beim Einchecken sehe ich zufällig, dass Air Madagascar meinen Rückflug von der Hauptstadt Antananarivo mal eben zwei Tage nach hinten geschoben hat, muss blitzschnell umbuchen und einen Umweg über Mauritius machen. Immerhin findet der Hinflug wie geplant statt. Das Unterhaltungsprogramm an Bord der uralten Boeing, die wohl mal Air France gehörte (sieht man am abgewetzten Teppich), ist überschaubar. Auf dem winzigen Monitor stehen zwei Filme zur Auswahl: „Casino Royale“ und „Die Truman Show“. Die kann man sich aber nicht ansehen, weil das System nicht funktioniert. Aber ich komme schließlich an.

Der Rückflug von Nosy Boraha wird haariger: Der Flughafen der im Süden Madagaskar vorgelagerten Insel ist winzig. Es gibt nicht einmal einen Zaun ums Rollfeld, neben dem Zebus weiden. Was machen die, wenn plötzlich eine Kuh auf der Start- und Landebahn steht? Besser nicht weiter darüber nachdenken. Auch der Check-in ist nicht übermäßig streng. Es ist zwar ein Gerät zum Durchleuchten des Handgepäcks vorhanden. Allerdings werden die Passagiere einfach durchgewinkt (vermutlich kaputt). Naja, die Strecke ist wohl für Terroristen nicht allzu interessant. Die Propellermaschine nach Antananarivo ist sogar fast pünktlich. Hilft aber nicht, da der Anschlussflug nach Mauritius um drei Stunden nach hinten verschoben wurde. Nun sitze ich sieben Stunden auf dem Hauptstadt-Flughafen, der absolut nichts zu bieten hat (nicht einmal eine Gepäckaufbewahrung und kaum Sitzgelegenheiten). Da ich meinen großen Rucksack bewachen muss, kann ich den kostbaren Sitz vor dem Eingang ohnehin nicht aufgeben. Aus dem erhofften Besuch der benachbarten Krokodilfarm wird nichts: Regelmäßiger Busverkehr existiert nicht (Taxi Brousse fahren erst los, wenn sie voll sind). Der Taxifahrer, mit dem ich gerade einen Preis ausgehandelt habe, will noch auf dem Parkplatz extra Geld fürs Parkticket abzocken und verlangt plötzlich das Doppelte. Non, merci! Dann sitze ich halt rum. Weil durch die Verschiebung des Fluges nach Mauritus die Zeit zum Umsteigen für meine beiden Anschlussflüge nach Paris und von dort weiter nach Hamburg nun extrem knapp ist, werde ich noch genug Bewegung bekommen.

2. Atlanta

Ich fliege 2011 von Hamburg über Amsterdam und Atlanta nach Guatemala City. Der Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport ist der Flughafen mit dem weltweit größten Passagieraufkommen (fast 90 Millionen pro Jahr). Prompt steht vor der Passkontrolle eine Riesenschlange. Wartezeit für Nicht-US-Bürger: knapp eine Stunde. Endlich dran. „Bitte die vier Finger der rechten Hand auf den Scanner legen, nun den rechten Daumen, die vier Finger der linken Hand, den linken Daumen. Jetzt noch in diese Kamera schauen. Danke! Was wollen Sie in den USA?“ – „Im Flughafenhotel übernachten und morgen früh weiterfliegen.“ Einen kaum lesbaren Stempel in den Pass. Einmal tief durchatmen.

Koffer vom Gepäckband fischen und durch den Zoll rollen. Dort ausgefüllten Fragebogen abgeben („Hatten Sie in letzter Zeit Kontakt mit Tieren? Führen Sie Planzenteile/Schnecken/Waren/Warenmuster/Geschenke/Geldbeträge über 10.000 Dollar mit sich?“ Richtige Antwort: nein). Nochmal tief durchatmen. „Hier nicht stehenbleiben“, brüllt eine Flughafenmitarbeiterin. Koffer schnell weiterrollen.

Nix wie raus und nach dem Langstreckenflug ab ins Hotelbett! Zu früh gefreut: Koffer wieder einchecken. „Aber ich will doch den Flughafen verlassen…“ – „Trotzdem!“ Handgepäck und Passagierin werden nämlich nach Hamburg und Amsterdam ein drittes Mal gescreent (wahrscheinlich leuchte ich fortan im Dunkeln). Vor der Handgepäck-Kontrolle eine Riesenschlange. Ganz tief durchatmen.

Als ich nach insgesamt zwei Stunden endlich den öffentlich zugänglichen Ausgang des Flughafens erreiche, wartet mein Koffer schon mutterseelenallein auf mich – mit aufgebrochenem Schloss. Es waren jedoch keine Diebe, die hier eine wunderbare Gelegenheit hätten, sondern die Freunde und Helfer von der „Homeland Security“, die den Inhalt durchwühlt haben. Innen finde ich ein Kärtchen: „Wir dürfen das!“ Eigentlich habe ich keinerlei terroristische Ambitionen, aber plötzlich verspüre ich den Drang, etwas kaputtzumachen. Irgendwas. Einfach so. Ich lasse es. Stattdessen stelle ich mir vor, wie ich auf dem Rückflug eine Mausefalle zwischen die schmutzigen Socken packe und wenn der nächste Heimatschützer seine Finger in meinen Koffer steckt… Ich verwerfe auch diese Idee und kaufe mir Spezialschlösser (8 Dollar pro Stück) für USA-Reisende: Die kann die „Homeland Security“ öffnen, ohne sie zu zerstören. Nach diesen Erfahrungen bin ich für den Weiterflug am nächsten Morgen drei Stunden vorher am Airport – und stehe 30 Minuten später am Gate. Nicht mal meinen Pass sehen sich die Amerikaner diesmal an. Die wollen mich wohl ganz schnell wieder loswerden…

3. London-Heathrow

Der größte Flughafen in Europa ist der Schlimmste. Hier ist man schonmal stundenlang mit einem Bus zwischen den Terminals unterwegs und muss sogar innerhalb eines Terminals  mit einem führerlosen Zug fahren. Einmal habe ich mehrere Stunden totzuschlagen. Weil Heathrow weit außerhalb liegt, reicht die Zeit nicht für einen Stadtbummel. Endlich ist mal herrliches Sommerwetter. Aber im neuen Terminal 5 gibt es nichts, wo man schön draußen sitzen kann. Schließlich lasse ich mich im Raucherbereich nieder. Hier sind zwischen den Terminal und das Parkhaus ein paar Bäumchen geklemmt worden. Einziger Pluspunkt: Wenn es mit dem Anschluss knapp wird, gibt es es Überholspuren an den Kontrollpunkten.

Auf den weiteren Plätzen folgen Frankfurt (unübersichtlich und schlecht ausgeschildert) und Johannesburg (Riesen-Schlangen an den Einwanderungs-Schaltern).

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Aber natürlich gibt es auch gute Flughäfen.
Hier meine persönlichen Top 3:

1. Singapur

Das ist keine Minderheiten-Meinung: Der Changi Airport gewinnt regelmäßig bei Umfragen über die besten Flughäfen der Welt. Wenn man wenig Zeit zum Umsteigen hat, kann man zumindest in einem der tropischen Gärten kurz Frischluft schnappen. Bei mindestens drei Stunden Aufenthalt ist ein Besuch auf der Dachterasse des Flughafenhotels die beste Wahl. Dort gibts gemütliche Liegen, einen Swimmingpool und einen Whirlpool, der für die verkrampften Muskeln das Paradies ist. Für Leute, die mindestens sechs Stunden Zeit haben, bietet der Flughafen sogar kostenlose Stadtrundfahrten und Shuttle-Busse in die City an. In jedem Fall lädt Changi Airport zum Shoppen ein. Vor allem Technik ist im zollfreien Bereich sensationell günstig.

2. Amsterdam

Für mich der beste Flughafen in Europa. Nicht zu groß, lichtdurchflutet, mit Kunstausstellungen und Tulpen-Deko ein Hingucker. Einziger Minuspunkt: Die Kontrolleure sind hier besonders pingelig. Einmal verpasse ich fast meinen Anschlussflug, weil die Mitarbeiterin trotz meines Hinweises, dass sie schon boarden, nicht erweichen lässt und alles aus meinem Rucksack herausholt. Den Vogel schießt aber einige Jahre später ein Kollege ab: Der Super-Pedant packt nicht nur meinen ganzen Rucksack aus. Er guckt sich jede einzelne Batterie in meinem Solarpanel an, begutachtet jedes Pflaster im Erste-Hilfe-Set und öffnet sogar meinen Regenschirm (ja, da ist eine Speiche kaputt, das war der Wind in Durban). Zum Glück bin ich ausnahmsweise mal nicht in Eile.

3. Vancouver

Vancouver ist nicht nur eine wunderschöne Stadt. Der Flughafen ist ebenfalls spitze. Überall sind Wasserbecken und sogar Aquarien. Zur Begrüßung winken freundlich ein paar Feuerquallen. Auch die Einreise ist schnell und unkompliziert. Keine blöden Fragen wie in den USA. Knapp dahinter in meiner Rangliste: Dubai.

Der aufregendste Flughafen:

Kai Tak

In Hongkong lande ich 1996 noch auf dem 1998 geschlossenen Flughafen Kai Tak. Dessen einzige Start- und Landebahn ragt in die Bucht von Kowloon und endet abrupt im Meer. Also müssen die Maschinen direkt am Anfang aufsetzen und dementsprechend tief anfliegen. Dass man dabei den Anwohnern in die Zimmer gucken kann, ist nicht übertrieben.
Vor dem Rückflug sehen wir uns das Spektakel noch einmal von unten an. Merkwürdigerweise gibt es keine Besucherterrasse. Also begeben wir uns auf das Dach des Flughafen-Parkhauses. Ein lautes Dröhnen ertönt. Heftig blinkend fliegt ein Jumbo-Jet direkt über unsere Köpfe und verschwindet hinter dem Flughafengebäude. Dann noch einer. Noch einer… Vor dem Parkhaus befindet sich eine mehrspurige Schnellstraße, dahinter steht ein Apartmenthaus, das ein Makler wohl als „verkehrsgünstig gelegen“ anpreisen würde. Wer hier lebt, hat garantiert nicht mehr alle Tassen im Schrank. Vermutlich fällt auch regelmäßig der Schrank von der wackelnden Wand. Und falls mal jemand auf dem Dach Wäsche aufhängt, landet die nächste Maschine mit Socken am Fahrwerk.

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Interessante Flugzeuge:

Airbus A 380

2009 erlebe ich auf der Strecke London – Singapur eine Premiere: Die Kabine des Jets sieht irgendwie anders aus, die Flügel sind extrem lang und wackeln fast wie bei einem Vogel. Stolz heißt der „Quantas“-Pilot die Passagiere im „brandneuen“ Airbus A 380 willkommen. Gut ein Jahr später entgeht eine der sechs Riesen-Maschinen der australischen Gesellschaft tatsächlich nur knapp einer Brandkatastrophe. Schwitz… 2016 investiere ich bei einem zehneinhalb-Stunden-Flug von Paris nach Johannesburg 26 Euro extra, um einen Platz auf dem Oberdeck zu bekommen. Tatsächlich ist die kleinere Kabine deutlich gemütlicher und es sind an den Fenstern nur zwei statt drei Sitze nebeneinander. Die Hoffnung, dass man oben nicht so lange auf sein Essen warten muss, erfüllt sich nicht. Ich sitze ganz hinten, mein Dinner ist schon fast kalt, als es mich gegen halb zwei in der Nacht erreicht.

Boeing Dreamliner

Der Flug von Kapstadt nach Amsterdam in der Maschine ist eine Freude: Fensterscheiben, die sich auf Knopfdruck blau tönen lassen, gegen Aufpreis W-LAN (ab 10.000 Fuß Höhe), Steckdose… Dann habe ich noch das Glück, das in meiner Dreierreihe der mittlere Platz frei ist.

Die kleinste Maschine,
in der ich bisher geflogen bin

Von Darwin im Norden Australiens aus mache ich einen Tagesausflug nach Tiwi Island. Unsere Reisegruppe fliegt mit zwei winzigen Propellerflugzeugen dorthin. Die Piloten höchstpersönlich fertigen die Reisenden in einer Baracke, die nicht viel größer als ein Carport ist, ab und wiegen jeden. Gewichtsmäßig gut verteilt klettern jeweils ein Pilot und fünf Passagiere über die Tragflächen in die Kabinen. Weil es keine Klimaanlage gibt, reißt unser Pilot direkt nach der Landung noch beim Ausrollen die Tür auf.

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LESOTHO 🇱🇸 

Reiseroute 2016

SÜDAFRIKA 🇿🇦 – SWASILAND 🇸🇿 – SÜDAFRIKA 🇿🇦 – MOSAMBIK 🇲🇿 – SÜDAFRIKA 🇿🇦 – Mafika-LisiuSÜDAFRIKA 🇿🇦 – MalealeaSÜDAFRIKA 🇿🇦 

Über die Berge durch
die Tore zum Paradies

Bevor wir zwei Nächte in Malealea verbringen, machen wir von den südafrikanischen Drakensbergen aus einen Tagesausflug in den äußersten Norden Lesothos, wo die Bergkette Maloti heißt. Dafür müssen wir über den ca. 2200 Meter hohen Monantsa Pass. Die schmale, gewundene Straße wird gerade erweitert. Der Fahrer rumpelt über halbverlegtes Pflaster zwischen den Bauarbeitern hindurch. Sie tragen Decken um die Schultern. Es schneit! Die Grenzstation ist winzig und besteht nur aus einem Container. Dahinter liegt das Dorf Mafika-Lisiu, das etwa 1000 Einwohner hat. Ähnlich wie im Zululand stehen auch hier viele traditionelle Rundhütten für Zeremonien mit den Geistern der Ahnen. Der stellvertretende Direktor der Grundschule begrüßt uns und erklärt, dass diese Bildungseinrichtung von der Gemeinde organisiert wird und kostenlos ist. Später hingegen müssen die Kinder zwei Stunden zur Highschool laufen. Das kostet Geld, was sich weniger als 45 Prozent der Bewohner leisten können. Erst wenn es ein Kind ins Collage schafft, gibts Unterstützung von der Regierung. Die Macht in Lesotho hat übrigens der Premierminister. Es gibt auch einen König der aber nichts zu sagen hat.

Zuerst klettern wir einen Hang hinauf zu einer Höhle mit Malereien der San, der Ureinwohner Afrikas, deren Zeichnungen ich bereits in Namibia gesehen habe. Wieder unten im Dorf halten wir an einem Haus, das eine weiße Fahne herausgehängt hat. Das heißt nicht etwa, dass die Bewohner kapitulieren: Sie haben Bier aus Maismehl hergestellt. „Noa“ heißt „Prost“ auf Sesotho, der Nationalsprache. Das Gebräu ist etwas säuerlich, aber man gewöhnt sich daran. Dann kommen wir an der winzigen Polizeidienststelle vorbei. „Gibt es hier viele Verbrechen“, frage ich. „Oh ja“, antwortet der Guide. Hier werden Marihuana („Mountain Cabbage“), Ziegen und Schafe nach Südafrika geschmuggelt.

Anschließend besuchen wir einen traditionellen Heiler. Er erzählt uns, dass seine Ausbildung ein Jahr gedauert hat. Zum Schluss wurde eine Ziege geschlachtet, deren Blut er er aus der Kehle getrunken hat, während sie noch lebte. Er ist ein Sangoma, sagt auch die Zukunft voraus. Aber nicht sehr spezifisch. Tiere heilt er nicht, denn im Gegensatz zu Menschen hätten sie keine Ahnen. Er betreibt auch keine Hexerei. Denn wenn er Menschen Schaden zufügte, würden die Vorfahren ihn bestrafen. Wenn der Sangoma etwas nicht heilen kann (z. B. Diabetes, Aids, Krebs), schickt er die Patienten weiter zu einem westlichen Arzt. Am letzten Stop lernen wir das typische Essen kennen: Morgens, mittags und abends gibt es Pap (Maisbrei). Wir bekommen eine Probe mit spinatartigem Gemüse. Vor dem Haus flämmt eine Frau gerade die Haare von einem Ziegenkopf ab. Eigentlich gibt es Fleisch nur zu besonderen Gelegenheiten, aber ein Schakal hatte das Tier getötet.

 

 

Auf der Rückfahrt nach Südafrika überqueren wir wieder die Grenze und bekommen noch zwei Stempel in den Pass. Am nächsten Morgen umrunden wir Lesotho und durchqueren eine dramatisch schöne Landschaft mit grasbewachsenen Hochebenen, Staudämmen und einem Blick auf die Berge, aus denen Nebel aufsteigt. Wir fahren durch den Golden Gate Nationalpark. Am Straßenrand tummeln sich Paviane. Die rötlichen Berge erinnern etwas an Arizona. In Ladybrand kaufen wir nochmal ein, bevor wir von Westen in Maseru Bridge wieder nach Lesotho einreisen. Der Grenzübergang ist erheblich größer, als der vom Vortag. Schließlich ist Maseru die Hauptstadt. Dann holpern wie über den 2001 Meter hohen Gates of Paradise Pass bis nach Malealea, wo wir in der gleichnamigen Lodge übernachten. Angesichts der Straßenverhältnisse fragt man sich, wie wohl der in der Nähe gelegene God Help Me Pass aussieht.

Eine traumhafte Wanderung

Die Malealea Lodge hat einen herrlichen Garten, in dem u.a. eine Pfauenfamilie herumspaziert. Gegründet wurde sie von Südafrikanern aus Bloemfontain, die sie inzwischen in der dritten Generation führen. Das umgebende Dorf wird mit einbezogen. Jeden Abend treten Bands und Chöre aus der Umgebung auf. Einheimische Guides veranstalten Village Walks und Wanderungen. Mit zwei Mitreisenden nehme ich das Angebot an und ziehe mit Emmanuel los. Kurz nach neun Uhr brechen wir auf. Unterwegs begegnen uns immer wieder Hirten mit Ziegen, Schafen und Kühen. Die meisten tragen die traditionellen Decken oder zumindest Wollmützen. Dabei hatte das Wetter endlich ein Einsehen: Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint angenehm warm. Nur wo der Wind hinkommt, ist es etwas kühler. Überall blühen die Wildblumen. Erst geht es über eine ca. 1800 Meter gelegene Hochebene, dann 120 Meter tief hinunter in die Pitseng Gorge. Durch die Schlucht laufen wir zu Felsenpools. Das Wasser ist eisig. Trotzdem hüpfen wir drei Wanderer ganz kurz hinein und machen ein Selfie.

Anschließend kraxeln wir steil bergauf aus der Schlucht heraus über eine Hochebene zu weiteren Felszeichnungen der San, zu denen man wieder herabklettern muss. Die Malereien sind meist ziemlich niedrig angebracht, weil die Buschmänner so klein waren. Sie sind ziemlich verblasst. Es gibt drei, von denen die dritte schwer zugänglich ist. Die anderen beiden sind ca. 800 und 900 Jahre alt, wobei die Zeichentechnik 27.000 Jahre zurückgeht. Dargestellt werden vor allem Tiere, aber auch Tänzer und Jäger. Besonders fällt eine Figur auf, deren Penis mit einem Balken bedeckt ist. Das bezog sich wohl darauf, dass es einem neuem Jäger nicht erlaubt war, dem ersten Tier, das er mit einem vergifteten Pfeil getroffen hatte, zu folgen. Während die anderen dem Tier auf der Spur blieben und auf seinen Tod warteten, musste er im Camp bleiben. Da die Buschmänner an eine besondere Beziehung zwischen dem neuen Jäger und seiner ersten Beute glaubten, durfte er nicht urinieren – das Tier hätte dasselbe getan und das Gift aus dem Körper gespült. Kurz vor den Felszeichnungen erleben wir eine Überraschung: Ein Chor aus 36 Kindern singt in einer Höhle für die Besucher. Sie stammen aus den umliegenden Dörfern und haben gerade Schulferien.

 

 

In einem Bogen geht es leicht bergauf zurück zum Dorf Makhomalong, das wir am Ende der Wanderung besichtigen. Es ist eins von 14 Dörfern, die zur Region Malealea gehören, und hat ca. 800 Einwohner. Am Rand liegt der Friedhof. In Lesotho werden die Toten nicht verbrannt, sondern begraben. Auf vielen Gräbern sind Kreuze, denn die meisten Bewohner sind Christen. Einige sind richtig alt geworden. „Wir haben auch eine 95-jährige Frau im Dorf“, sagt Emmanuel. Anschließend kommen wir am Haus des „Chiefs“ vorbei. Das Dorfoberhaupt wacht u. a. über das freie Land, das keinem gehört. Will jemand darauf ein Häuschen bauen, kann er es sich zuteilen lassen. Außerdem kümmert sich der Chief um die Ärmsten der Armen und gibt ihnen zu essen. In dieses Amt wird man nicht gewählt, es wird vererbt. Zurzeit hat es eine Frau inne, die die Stellung für ihren Sohn hält. Der kann erst Chief werden, wenn er 30 Jahre alt ist. Weiter gehts zum „Craftcenter“, einem kleinen Shop mit Kunsthandwerk und Souvenirs, die von Aidswaisen (Lesotho hat nach Swasiland die zweithöchste HIV-Rate der Welt) gefertigt wurden.

Viele Häuser haben stachelige Agaven und Kakteen als Zäune. Die Agaven liefern gleichzeitig Hautcreme und Medizin, die Kakteen essbare Früchte. Zum Abschluss betreten wir eine Hütte, vor der eine gelbe Flagge weht. Weiß bedeutet „Hier gibts Bier aus Maismehl“ und Rot weist auf Lebensmittel hin – das wissen wir ja schon von unserem Besuch in Mafika-Lisiu. Aber Gelb? Wir landen in einem „Pub“, das zweiprozentiges Hopfenbier verkauft. Wenn das selbstgebraute Gesöff alle ist, wird die Flagge umgelegt. Kurz nach 17 Uhr sind wir wieder in der Lodge. Meine Health App auf dem Handy zeigt für diesen Tag 24.984 Schritte an. Erstmal ein Savanna (bester Cider der Welt), dann eine Dusche!

 

 

Am nächsten Tag verlassen wir Lesotho durch den Grenzübergang Van Rooyens Gate und nehmen Kurs auf die Wild Coast. „Go in peace“, verabschiedet uns ein Schild aus dem Königreich.

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HOME, SWEET HOME

MOSAMBIK 🇲🇿 

Reiseroute 2016

SÜDAFRIKA 🇿🇦 – SWASILAND 🇸🇿 – SÜDAFRIKA 🇿🇦 – Ponta Malongane – SÜDAFRIKA 🇿🇦 – LESOTHO 🇱🇸 – SÜDAFRIKA 🇿🇦 

Kalter Regen –
Sylt lässt grüßen

Von Swasiland fahren wir ein kurzes Stück durch Südafrika zur Grenze nach Mosambik. Das letzte Stück zum Campingplatz in Ponta Malogane müssen wir mit Vierradantrieb zurücklegen, weil die „Straße“ durch tiefen Sand führt. Der Fahrer legt in dem offenen Jeep ein erstaunliches Tempo vor.

Der Campingplatz befindet sich direkt am Meer und ist dicht mit Bäumen bewachsen. Die streunenden Hunde am Strand schließen sich uns an. Einer schläft später im Kreis der Zelte. Abends gehen wir im nahen Dorf essen. Das Restaurant „Amigo’s“ ist gut und zum Glück teilweise überdacht. Kaum haben wir bestellt, bricht ein Gewitter los. Der Besitzer hört einen Mitreisenden und mich deutsch miteinander reden und spricht uns an. Er stammt aus Südafrika und hat deutsche Eltern. Nachher gehen wir nebenan in die Bar „The Drunken Clam“.

Endlich haben wir einen ganzen Tag zur Verfügung und müssen nicht frühmorgens wieder die Zelte abbrechen. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es ist kühl und bewölkt. Wenigstens hat der Regen vom Vortag aufgehört. Trotzdem findet sich niemand, der außer mir mit dem Boot zur Walbeobachtung und zum Schwimmen mit Delfinen herausfahren will. Dabei hatte ich mich so darauf gefreut! Notgedrungen schnorchele ich direkt vom Strand aus an ein paar Steinen. Ein riesiger Papageifisch zeigt sich, dann bin ich mitten in einem Schwarm schlanker silberner Fische. Das Wasser ist mit 23 Grad etwas kühler als erwartet, jedoch durchaus noch erträglich. Anschließend setze ich mich warm verpackt an den Strand. Erst am Nachmittag reißt die Wolkendecke etwas auf. Es fühlt sich mehr nach Sylt an, als nach Subtropen.

 

 

Am nächsten Morgen gehts zurück über die Sandpiste Richtung Südafrika. Der Fahrer will offenbar die Zeit unterbieten, die sein Kollege auf der Hinfahrt geschafft hat, scheitert aber. Wieder warten an einem Feld zwei Hunde, die uns bellend begleiten. An der Grenze ist diesmal eine lange Schlange. Andere Leute haben wohl auch genug vom miesen Wetter. Wenn ich bedenke, dass ich für den Mini-Aufenthalt in Mosambik im Vorfeld ein Visum beantragen und meinen Pass nach Berlin schicken musste, denke ich: „Das war viel Aufwand für sehr wenig.“

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